Die ursprüngliche Annahme Washingtons, interne Instabilität könne zu einem schnellen Regimewechsel führen, erweist sich zunehmend als Fehleinschätzung. Stattdessen zeigt sich ein gegenteiliger Effekt: Externer militärischer Druck stärkt die innenpolitische Geschlossenheit. Insbesondere die Machtkonsolidierung innerhalb der sicherheitspolitischen Strukturen, allen voran der Revolutionsgarden, reduziert die Wahrscheinlichkeit kurzfristiger politischer Veränderungen. Entscheidungsprozesse konzentrieren sich zunehmend auf militärische und sicherheitspolitische Akteure, während diplomatische Kanäle an Einfluss verlieren.
Auch informelle Gesprächskanäle über Akteure wie Trumps Schwiegersohn Jared Kushner oder Sondervermittler Steve Witkoff dürften daher kaum kurzfristige Fortschritte bringen. Selbst wenn Kontakte bestehen, fehlt es potenziellen Vermittlern außerhalb der Machtzentren an der Autorität, um tragfähige Vereinbarungen zu treffen. Gleichzeitig wächst das Misstrauen gegenüber den USA weiter: Militärische Angriffe während laufender Verhandlungen haben das Vertrauen in diplomatische Prozesse nachhaltig beschädigt und die Wahrscheinlichkeit eines langwierigen Abnutzungskonflikts erhöht.
Best-Case-Szenario: Stabilisierung mit Verzögerung
Im konstruktivsten Szenario gelingt eine diplomatische Einigung und die Schifffahrt durch die Straße von Hormus wird wieder aufgenommen. In der Folge würde die geopolitische Risikoprämie an den Energiemärkten sinken und die Ölpreise könnten zurückgehen – allerdings nicht unmittelbar auf Vorkrisenniveau.
Unterbrechungen in den Lieferketten, höhere Versicherungskosten und beschädigte Infrastruktur würden eine schnelle Normalisierung verhindern. Inflationärer Druck würde nur schrittweise nachlassen, während die Märkte in einer Übergangsphase von weiterhin erhöhten Energiepreisen geprägt bleiben dürften.
Worst-Case-Szenario: Globaler Energieschock
Sollte das Ultimatum scheitern und der Konflikt weiter eskalieren, droht eine Ausweitung auf die Energieinfrastruktur der Golfregion. Eine anhaltende Blockade oder massive Einschränkung der Straße von Hormus könnte mehrere Millionen Barrel Öl pro Tag vom Markt nehmen.
In diesem Szenario wären Ölpreise von 150 US-Dollar oder mehr denkbar. Die Folgen: steigende Inflation, erhebliche Turbulenzen an den Aktienmärkten und wachsende Rezessionsrisiken – insbesondere für energieimportierende Volkswirtschaften wie Europa.
Basisszenario: Anhaltender Konflikt und hohe Volatilität
Am wahrscheinlichsten erscheint derzeit eine Fortsetzung des Konflikts ohne schnelle Lösung. Zusätzliche militärische Aufrüstung der USA, wie etwa die Entsendung von Bodentruppen, sowie selektive Störungen des Schiffsverkehrs durch Iran könnten zu einer dauerhaft erhöhten Volatilität führen. Dabei könnte Iran gezielt Einfluss auf Handelsströme nehmen und Exporte bevorzugt an strategische Partner wie China, Indien oder Pakistan lenken, während westliche Abnehmer stärker eingeschränkt werden. Für die Energiemärkte bedeutet das anhaltenden Aufwärtsdruck bei gleichzeitig hoher Unsicherheit.












