EZB: Ton wird restriktiver, doch Zinsschritt dürfte ausbleiben

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Niall Scanlon, Mediolanum: "Die EZB hält die Zinsen über einen längeren Zeitraum bei 2,0 Prozent. Das hängt allerdings in hohem Maße von der Dauer des Konflikts im Nahen Osten ab, sowie davon, ob die Situation noch weiter eskaliert."

Die EZB dürfte die Leitzinsen am Mittwoch unverändert lassen. Doch der jüngste Anstieg der Energiepreise verändert die Lage: Für Investoren zählt nun vor allem, wie die Notenbank Inflation und Wachstum gegeneinander abwägt. Entscheidend wird, was zwischen den Zeilen steht.

Die Europäische Zentralbank (EZB) wird bei der anstehenden Sitzung am Mittwoch die Zinsen wohl unverändert bei 2,0 Prozent belassen. Das entspricht auch den Erwartungen des Marktes. Was eine weitere ereignislose Sitzung unter dem Motto „Alles im Lot“ werden sollte, ist angesichts der jüngsten Entwicklungen im Nahen Osten jetzt allerdings von großer Relevanz. Für Anleger in Euro-Anleihen ist ausschlaggebend, wie die EZB das zunehmende Risiko eines Inflationsanstiegs gegen die wachsende Gefahr einer Wirtschaftsschwäche bewertet.

EZB wird restriktiveren Ton anschlagen


Die geldpolitischen Ansichten der EZB sind für 2026 mittlerweile deutlich weniger klar als noch bei der letzten Sitzung. Die höheren Öl- und Gaspreise könnten die Inflation anheizen – und das bei einer ohnehin schon fragilen Wachstumsdynamik. Wir erwarten keine Zinssatzänderungen, doch Präsidentin Christine Lagarde wird wohl einen restriktiveren Ton anschlagen, insbesondere wenn man bedenkt, wie wachsam die Währungshüter gegenüber den Inflationserwartungen sind. Jüngsten Aussagen von EZB-Vertretern zufolge wird die Notenbank nicht zögern, die Geldpolitik zu straffen, sollte der energiebedingte Preisdruck die Inflationserwartungen nachhaltig erhöhen.


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Wir glauben nicht, dass die EZB explizit eine bevorstehende Zinsänderung signalisieren wird und lediglich Wachsamkeit kommuniziert. Die Zentralbank hat zuvor erklärt, dass sie bereit ist, vorübergehende Abweichungen von ihrem Inflationsziel zu ignorieren. Dieser Ansatz dürfte auch für die jetzigen Energiepreisanstiege gelten – sofern diese als vorübergehend angesehen werden. Sollte sich die Inflation als hartnäckiger erweisen, wird die EZB allerdings auch darauf bedacht sein, rechtzeitig einzugreifen, um nicht den Fehler von 2022 zu wiederholen.

Makroökonomische Projektionen nicht mehr zutreffend


Die Sitzung am Mittwoch dürfte wichtige Einblicke geben, wie die EZB reagieren wird und was erforderlich wäre, um Leitzinsänderungen auszulösen. Auch dieses Mal werden wieder makroökonomische Projektionen veröffentlicht – diese sind wahrscheinlich jedoch vor dem jüngsten Anstieg der Energiepreise erstellt worden. Es ist daher wichtig, auf weitere Kommentare und alternative Szenarien zu achten. Diese könnten Aufschluss darüber geben, wie die EZB das Wachstum und die Inflation unter verschiedenen potenziellen Ölpreisen einschätzt. Auch ist für Investoren wichtig, ob die Währungshüter die höheren Energiepreise eher als vorübergehend oder als anhaltend einschätzen.

Anleihen: Neubewertung am kurzen Ende der Zinskurve


Die Märkte haben bereits auf das erhöhte Inflationsrisiko reagiert, was zu einer deutlichen Neubewertung am kurzen Ende der Kurve geführt hat. Aktuell sind fast zwei Zinserhöhungen der EZB eingepreist, und die Renditen werden nicht wesentlich steigen. In unserem Basisszenario gehen wir davon aus, dass Christine Lagarde mit den aktuellen Marktpreisen einverstanden ist. Sollte die EZB jedoch den Abwärtsrisiken beim Wachstum mehr Bedeutung beimessen oder signalisieren, dass sie gewillt ist, die höhere Inflation eine Zeit lang zu tolerieren, könnten die Renditen zurückgehen. Unser zentrales Szenario ist aber unverändert: Die EZB hält die Zinsen über einen längeren Zeitraum bei 2,0 Prozent. Das hängt allerdings in hohem Maße von der Dauer des Konflikts im Nahen Osten ab, sowie davon, ob die Situation noch weiter eskaliert.

Autor Niall Scanlon ist Fixed Income Portfolio Manager bei Mediolanum International Funds.

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