Finanzkompetenz weltweit: Warum Deutschland gut abschneidet, aber nicht an der Spitze steht

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Deutschland macht in Sachen Finanzkompetenz Fortschritte.

Immer mehr Menschen investieren erstmals in Aktien und Fonds. Eine internationale Auswertung zeigt, wie verantwortungsvoll Haushalte weltweit mit ihrem Einkommen umgehen. Deutschland landet dabei im oberen Mittelfeld – mit Stärken beim Sparen und Investieren, aber auch mit Luft nach oben.

Seit dem Jahr 2022 haben mehr als drei Millionen Deutsche erstmals in den Aktien- oder Fondsmarkt investiert. Damit ist Deutschland nach aktuellen Erhebungen der zweitgrößte Markt für neue Anleger in Europa. Im Vergleich zu vor zehn Jahren ist die Zahl der Aktienmarktteilnehmer um 44 Prozent gestiegen, während das in börsengehandelten Fonds verwaltete Vermögen seit 2017 um rund 200 Prozent zugelegt hat.

Vor dem Hintergrund anhaltender wirtschaftlicher Unsicherheiten gewinnt der verantwortungsvolle Umgang mit Ersparnissen weiter an Bedeutung. Die Forex-Experten von BrokerChooser haben deshalb untersucht, wie diszipliniert Menschen weltweit sparen und investieren. Grundlage der Analyse sind unter anderem Sparquoten, der Anteil von Investmentfonds am Finanzvermögen sowie das Verhältnis von Finanzanlagen zum Bruttoeinkommen der Haushalte.

Deutschland erreicht in diesem Vergleich mit 8,18 von zehn Punkten den siebten Platz. Haushalte sparen im Schnitt 11,25 Prozent ihres Einkommens und halten 13,57 Prozent ihres Finanzvermögens in Investmentfonds. Damit liegt Deutschland deutlich vor dem Vereinigten Königreich, wo der Fondsanteil lediglich 4,48 Prozent beträgt.


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Deutschland zwischen Sparsamkeit und Kapitalmarkt

Die Ergebnisse deuten auf einen ausgewogenen Ansatz hin. Deutsche Haushalte kombinieren vergleichsweise hohe Sparquoten mit wachsender Kapitalmarktbeteiligung. Das durchschnittliche Finanzvermögen pro Haushalt beläuft sich auf rund 158.471 US-Dollar, das Verhältnis von Finanzanlagen zum Bruttoeinkommen liegt bei 3,43.

Angeführt wird das Ranking von der Schweiz. Mit einer Bewertung von 9,54 Punkten gelten Schweizer Haushalte als besonders finanzdiszipliniert. Sie sparen 17,48 Prozent ihres Einkommens, was den höchsten Wert aller untersuchten Länder darstellt. Das durchschnittliche Finanzvermögen pro Haushalt beträgt 370.363 US-Dollar und liegt damit knapp unter dem Niveau der USA.

Schweden folgt mit 8,96 Punkten auf Rang zwei. Obwohl das Land in keiner Einzelkategorie Spitzenwerte erreicht, überzeugen die Haushalte durch konstante Ergebnisse. 15,77 Prozent des Einkommens fließen in Ersparnisse, das durchschnittliche Finanzvermögen liegt bei 246.004 US-Dollar pro Haushalt. Kanada belegt Rang drei und weist mit 21,96 Prozent den höchsten Anteil von Investmentanlagen am Gesamtvermögen auf.

Länder mit geringer Finanzdisziplin

Am unteren Ende des Rankings finden sich vor allem osteuropäische und südamerikanische Staaten. Lettland bildet mit 3,36 Punkten das Schlusslicht. Die Sparquote liegt bei lediglich 0,02 Prozent, während nur 1,50 Prozent des Finanzvermögens investiert werden. In Griechenland ist die Sparquote sogar negativ: Haushalte geben im Schnitt 9,30 Prozent mehr aus, als sie verdienen.

Auch in Ländern wie Litauen, Kolumbien oder Mexiko ist der Anteil investierter Vermögensteile gering. Im Vereinigten Königreich reicht ein vergleichsweise hohes Finanzvermögen pro Haushalt nicht aus, um eine bessere Platzierung zu erreichen, da sowohl Spar- als auch Investitionsquoten niedrig ausfallen.

Adam Nasli, leitender Brokeranalyst der Forex-Experten von BrokerChooser, betont die Bedeutung klarer Strukturen im Umgang mit Geld. „Automatisieren Sie Ihre Finanzen, wo immer möglich, damit Sie wichtige Dinge nicht aufschieben, wenn das Gehalt kommt. Richten Sie automatische Überweisungen, Beiträge zur Altersvorsorge und regelmäßige Rechnungszahlungen ein.“ Ebenso wichtig sei es, konkrete Spar- und Anlageziele zu definieren und Ausgaben klar zu strukturieren. „Beginnen Sie mit sicheren, diversifizierten Anlageformen wie breit gestreuten Indexfonds und zahlen Sie regelmäßig ein“, so Nasli. Geduld, Kontinuität und eine regelmäßige, aber nicht übermäßige Kontrolle der eigenen Finanzen seien entscheidend, um langfristig Vermögen aufzubauen.

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