Fragiler Waffenstillstand treibt Gold und Silber über wichtige Marken

Das am Mittwochabend veröffentlichte FOMC-Protokoll fiel hawkish aus und beschreibt in seltener Offenheit eine Notenbank, die in eine Lage geraten ist, aus der es keinen einfachen und schmerzfreien Ausweg mehr gibt. Die Fed Funds Rate blieb unverändert bei 3,50 bis 3,75 Prozent, doch zum ersten Mal in diesem Zinszyklus schloss Fed-Chef Powell eine Erhöhung ausdrücklich nicht mehr aus, während das aktuelle Zinsniveau als neutral betrachtet wird. Der Dot-Plot zeigt, dass mittlerweile sieben von neunzehn Teilnehmern für 2026 überhaupt keine Senkung mehr erwarten, während es zuletzt noch sechs waren. 

PCE, BIP und Arbeitsmarkt bestätigen Stagflation

Die Projektionen für das bevorzugte Inflationsmaß der Federal Reserve, die Kern-PCE-Inflation, wurde auf 2,7 % angehoben, gegenüber 2,5 % und 2,4 % in den vorherigen Sitzungen. Die heute veröffentliche Kern-PCE-Inflation lag der Markterwartung entsprechend bei 3%, wobei der bevorstehende Energiepreisschock bisher noch nicht ankam. Die Inflation liegt damit einen vollen Prozentpunkt über dem Ziel der Fed, was ihr die Hände binden sollte.

Die Prognose für das BIP wurde im FOMC-Protokoll noch leicht nach oben korrigiert, während das heute veröffentlichte BIP-Wachstum des vierten Quartals mit 0,5 % die Erwartung von 0,7 % verfehlte, wobei die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe mit 219 Tsd. die Erwartungen übertrafen.

Noch beunruhigender als die Inflationszahlen selbst waren heute die Begleitdaten. Einkommen und Konsumausgaben sprangen beide unerwartet ins Minus, was zeigt, dass der Energiepreisschock des Iran-Krieges die Kaufkraft der amerikanischen Verbraucher bereits messbar belastet. Das persönliche Einkommen fiel um 0,1 %, wogegen ein Anstieg um 0,3 % erwartet wurde und die Konsumausgaben sanken ebenfalls um 0,1 %, während man einen Anstieg um 0,6 % gerechnet hatte. Der Energiepreisschock des Iran-Krieges frisst sich langsam aber sichtbar in die Kaufkraft der Konsumenten, während die Inflation hartnäckig hoch bleibt, sich das Wachstum abschwächt und folgend der Arbeitsmarkt unter Druck gerät. Die Stagflation, die ich bereits Ende 2019 für dieses Jahrzehnt prognostizierte und in den FOMC-Protokollen bisher noch als Risikoszenario erschien, ist in den harten Daten angekommen. Der Markt wartet gespannt auf die am Freitag erscheinenden US-Inflationszahlen, wobei in diesen der Energieschock erstmals sichtbar und ein Anstieg zum Vormonat von 0,9 % erwartet wird.

Der Rohölpreis ist heute unterdessen wieder auf 100 US-Dollar angestiegen, da die Straße von Hormuz noch immer blockiert ist, was insbesondere bärisch für die zyklischen Edelmetalle wie Platin und Palladium ist, sowie auch für Silber, dessen industrielle Nachfrage abnimmt, je länger der Rohölpreis auf diesem hohen Niveau handelt und somit die Volkswirtschaften belastet. Diese Entwicklung ist jedoch auch kurzfristig nicht bullisch für den Goldpreis, denn mit dem Angebotsschock am Energiemarkt nehmen die rezessiven Kräfte und somit die Kreditkontraktion zu. Solange die Notenbanken nicht lockern, ist das aktuelle Umfeld bei steigenden Zinsen ein kurzfristig eher belastender Faktor für den Goldpreis.

US-Notenbank sind die Hände gebunden

Das FOMC-Protokoll beschreibt eine Notenbank, die gleichzeitig mit erhöhten Aufwärtsrisiken für die Inflation und erhöhten Abwärtsrisiken für die Beschäftigung konfrontiert ist. Fed-Vizepräsident Philip Jefferson formulierte es am 7. April unmissverständlich: „Abwärtsrisiken für die Beschäftigung, Aufwärtsrisiken für die Inflation.“ Dies bedeutet, dass die Fed keinen Hebel hat, um die Inflation zu bekämpfen, ohne gleichzeitig das Wachstum abzuwürgen. Würde sie versuchen den Konjunkturzyklus durch geldpolitische Lockerungen zu verlängern, würde dies jedoch zu höherer Inflation und höheren Zinsen führen, was die Stagflation nur vertiefen würde. Die Notenbank hat nun nur noch die Wahl zwischen einem Eingreifen und der Verschärfung der Stagflation, was bullisch für Gold wäre oder sie lässt eine Rezession, Kreditkontraktion und einen Aktienbärenmarkt zu, was sich mittelfristig belastend für den Goldpreis auswirken würde, jedoch die vernünftige und aus der Sicht der Österreichischen Schule der Nationalökonomie der richtige Weg wäre.

Goldmarkt nach der Gegenbewegung neutral

Lesen Sie hier, wie es weitergeht.

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