Seit Beginn des Konflikts im Nahen Osten haben alle Metalle stark an Wert eingebüßt. Gold ist seit Beginn der US-Operation im Iran um fast 20 % gefallen, Silber um etwa 30 % und Kupfer um mehr als 10 % (Stand: 23.03.2026). “Damit sind Metalle auf das Niveau vom Dezember 2025 zurückgefallen, wodurch die starken Gewinne, die zu Beginn dieses Jahres verzeichnet wurden, vollständig zunichte gemacht wurden”, sagt Benjamin Louvet, Head of Commodities bei Ofi Invest Asset Management. Für diesen Rückgang gibt es drei wesentliche Gründe:
- Durch die Sperrung der Straße von Hormus können rund 20 % des weltweiten Öls und Gases nicht mehr exportiert werden. Investoren, die davon überzeugt sind, dass sich das auf die Inflation auswirken wird, haben ihre Erwartungen hinsichtlich der Zinsentwicklung für die USA und Europa revidiert. Während die Märkte zuvor eine oder mehrere Zinssenkungen in den USA bzw. Europa eingepreist hatten, rechnen sie nun mit mehreren Zinserhöhungen in Europa und stabilen Zinsen in den USA.
Da Rohstoffe keine Zinsen oder Dividenden abwerfen, leiden sie unter solchen Korrekturen. Insbesondere Gold und Silber sind davon betroffen.
- Während Anleger gegenüber dem europäischen Markt und Schwellenländern letztes Jahr positiver gestimmt waren, schichten sie sie ihr Kapital in US-Anlagen zurück, die angesichts solcher geopolitischer Krisen als widerstandsfähiger gelten. Dies führte zu einem Anstieg des US-Dollars, was traditionell die Rohstoffpreise belastet.
Da Rohstoffe weltweit in Dollar gehandelt werden, mindert jede Aufwertung die Kaufkraft anderer Währungen und übt Abwärtsdruck auf die Preise aus.
- Die Rohstoffmärkte – insbesondere Edelmetalle – hatten mehrere Monate lang von Umschichtungen in den Portfolios profitiert. Die seit der Covid-Krise stärkere Korrelation zwischen Aktien und Anleihen hatte Anleger dazu veranlasst, mit Metallen zu diversifizieren. Angesichts der aktuellen Marktentwicklung nehmen Anleger nun Gewinne bei Positionen mit, die sich gut entwickelt haben.
Da die Rohstoffmärkte viel kleiner sind als die Aktien- und Anleihemärkte, können solche Anpassungen erhebliche Korrekturen auslösen. Über Gewinnmitnahmen hinaus werden einige Verkäufe auch getätigt, um Margin Calls auf Kernportfolio-Anlagen zu erfüllen.
Da einige Rohstoffmärkte, wie beispielsweise der Goldmarkt, hochliquide sind, werden sie zu Beginn bedeutender politischer und geopolitischer Ereignisse oft von Verkaufswellen getroffen. Historisch gesehen folgen auf diese Korrekturphasen häufig starke Erholungen.
Zusätzliche sekundäre Faktoren spielen bei der aktuellen Entwicklung im Metallmarkt ebenfalls eine Rolle. Im Falle von Gold glauben einige, dass bestimmte Golfstaaten einen Teil ihrer Goldreserven verkaufen könnten, um Verteidigungs- und Wiederaufbaumaßnahmen zu finanzieren. Zum jetzigen Zeitpunkt liegen uns jedoch keine Informationen vor, die diese Befürchtungen bestätigen.
Der Nahe Osten ist ein wichtiger Knotenpunkt für den Goldmarkt: 20 % des weltweiten Goldhandels laufen über Dubai. Die aktuelle Lage dort veranlasst einige Experten dazu, den Goldverbrauch der Region nach unten zu korrigieren.
Schließlich beginnt der Markt angesichts der anhaltenden Krise, eine mögliche Konjunkturabkühlung einzukalkulieren, die die weltweite Metallnachfrage belasten könnte, was die Preiskorrektur rechtfertigt.”












