Der Ölpreisschock wird die Inflationserwartungen daher nicht dauerhaft entankern. Selbst wenn die Fed Liquidität zuschießen wollte, wäre dies kontraproduktiv, weshalb die Fed nicht agieren wird. Eine Geldmengenausweitung in einem Umfeld, in dem die Inflation und die Zinsen ohnehin hoch sind, würde die Zinsen am langen Ende nur weiter nach oben treiben und die Wirtschaft noch stärker abwürgen.
Der Markt preist bereits zwei Zinserhöhungen der EZB für dieses Jahr ein und das geldpolitische Umfeld dreht sich global in Richtung Restriktion, nicht Expansion. Angebotsschocks sind nichts, dass die Notenbanken durch frische Liquidität adressieren könnten, weshalb diese stillhalten dürften. Powell sagte dazu, dass „die Werkzeuge der Fed keinen bedeutenden Einfluss auf Angebotsschocks haben“. Weiterhin sagte Powell in seiner Rede an der Harvard Universität, dass er „keine Verbindungen vom Markt der Privatkredit zu den Banken sieht“.
Was wir möglicherweise erleben, ist eine Rückkehr zu einer Geldpolitik, wie sie vor der Greenspan-Ära üblich war. Die Notenbank hält still und lässt den Konjunkturzyklus seinen Lauf nehmen, anstatt auf jede Rezession mit der Druckerpresse zu reagieren. In diesem Szenario sehen wir die klassischen deflationären Effekte eines Abschwungs, fallende Aktienmärkte, Kreditkontraktion und Edelmetalle unter Druck, weil die Liquidität fehlt und die Realzinsen hoch bleiben. Für Silber, das zur Hälfte ein Industriemetall ist, wäre das besonders toxisch. Rezessionsbedingte Nachfrageeinbrüche in der Solar-, Elektronik- und Automobilindustrie könnten den Preis trotz des bereits erfolgten Einbruchs von 121 $ auf 69 $ noch deutlich weiter nach unten drücken. Erst wenn die Rezession so tief würde, dass das Bankensystem gefährdet wäre, würden die Notenbanken gezwungen dem System erneut Liquidität zuzuführen, worauf sich das Bild für Gold drehen würde. Bis dahin bleibt der Edelmetallmarkt ein Opfer der Liquiditätskrise, nicht ihr Gewinner.
Regime-Wechsel, kein Pullback
Ich hatte in den Analysen der letzten Wochen nicht nur bei 5.400 US-Dollar ein antizyklisches Verkaufssignal gegeben und ein Doppeltop im Goldpreis ausgerufen, sondern weitere Verkaufssignale vor dem Crash gegeben mit zwei Preiszielen bei 4.700 US-Dollar und folgend 4.200 US-Dollar die dann sehr schnell abgearbeitet wurden. Damit hatte ich exakt bei beiden Preishochs bei Gold ein Verkaufssignal gegeben. Meine Analysen und Prognosen dazu findet man online in Marktkommentaren und Analysen auch auf YouTube.
Was für die Masse, wie ein krisensicherer Einbahnstraßen-Trade aussah, führte zu einem historischen Abverkauf, da sich all die bullischen Narrative verkehrten, von dem Premium Abonnenten von Blaschzok Research mit Short-Trades massiv profitierten. Kurzfristig war der Goldpreis massiv überverkauft und eine technische Gegenbewegung logisch. Es handelt sich dabei jedoch nicht mehr um einen gewöhnlichen Pullback in einem intakten Aufwärtstrend, sondern um einen Regime-Wechsel. Wer darauf setzt, dass der alte Gold-Bullenmarkt einfach so weitergeht und Gold schnell wieder auf neue Allzeithochs ansteigt, dürfte eine längere Streckfolter vor sich haben. Sollten die Inflationserwartungen und Zinsen weiter ansteigen und die Kreditgeldmenge weiter kontrahieren, so droht dem Goldpreis ein weiterer Rückgang.
Die 10-jährigen US-Zinsen stiegen von 4% auf 4,33% an und der US-Dollar-Index (DXY) bleibt bei 100,5 Punkten ungebrochen stark am wichtigen Widerstand bei 100 Punkten. Sollte dieser Widerstand brechen, hätte dies einen massiven Short-Squeeze zur Folge, wobei die dann folgende Dollarstärke erneut Druck auf den spekulativ getriebenen Goldpreis ausüben würde. Die Fed sitzt in der Falle, denn der Anstieg der Inflationserwartung, ausgelöst durch einen Rohölpreis bei 100 US-Dollar macht Zinssenkungen unmöglich, wobei Zinserhöhungen den Haushalt sprengen würden und ein Stillhalten die Wirtschaft erstickt. Die Fed hat sich in den letzten Jahrzehnten durch ihre QE-Programme in eine Ecke gepinselt, aus der es nun kein Entkommen mehr gibt. Die Fed steckt in der größten Zwickmühle seit Volcker, aus der es kein Entkommen mehr gibt.
Die Fed hat sich mit den QE-Programmen seit 2008 zunehmend in eine Ecke gepinselt
Auch die vorläufigen PMI-Daten für März bestätigen das stagflationäre Bild. Der S&P Global Composite PMI fiel auf 51,4 Punkte und damit auf den niedrigsten Stand seit elf Monaten, während die Preiskomponenten weiter auf erhöhten Inflationsdruck hindeuten. Für Gold und Silber ist das kurzfristig ein ungünstiges Umfeld: Hohe Zinsen belasten, schwächeres Wachstum dämpft die Nachfrage. Solange die Liquidität weiter zurückgeht, bleiben die kurzfristigen Risiken am Edelmetallmarkt erhöht.












