Goldpreis unter Druck: Dreht sich der Markt nachhaltig?

Die institutionellen Abflüsse aus Gold ETFs unterstreichen das zunehmend schwächere Bild am Goldmarkt. Wir sehen die inzwischen sechste Woche in Folge mit Abflüssen. Seit Jahresbeginn summieren sich diese auf rund 2,5 Milliarden US-Dollar, wobei allein in der vergangenen Woche rund 1,6 Milliarden US-Dollar abgezogen wurden. Über die letzten drei Wochen belaufen sich die kumulierten Abflüsse sogar auf rund 6 Milliarden US-Dollar.

Bemerkenswert ist auch, dass das Experten-Sentiment weiterhin überwiegend bullisch bleibt, nach dem schärfsten Sell-Off seit Jahrzehnten, was als Warnsignal gelesen werden sollte. Der gemeinsame Nenner dieser Prognosen sind jedoch fragwürdige Annahmen.

Die Annahme, die Zentralbanken würden weiter Gold kaufen wie in den Vorjahren, könnte sich als falsch herausstellen, wenn Notenbanken ihre Reserven neu diversifizieren, da der wertmäßige Anteil von Gold in den letzten beiden Jahren stark gestiegen ist. Das könnte im Gegenteil dazu führen, dass die Notenbanken eine Pause einlegen und weitere Käufe in die Zukunft verschieben.

Die türkische Zentralbank hat in den ersten zwei Wochen nach Kriegsbeginn rund 60 Tonnen Gold verkauft und geswappt (8 Mrd. USD), um die eigene Währung zu stützen. Mit noch rund 135 Milliarden US-Dollar in Goldreserven hat die Türkei weiteres Verkaufspotenzial, was den Goldmarkt weiter belasten könnte, wenn der Krieg noch längere Zeit andauern wird.

Auch das Narrativ der De-Dollarisierung dürfte sich weiter in Luft auflösen, wenn der USD-Index über 100 Punkte ausbricht und zu einer Rallye startet. Der Krieg trifft besonders die

Energieversorgung Asiens und Europas und anderen Teilen der Welt sehr hart, während die USA von Energieimporten unabhängig sind, was eine Erholung des US-Dollars zusätzlich begünstigen dürfte. Eine Ausweitung des Krieges könnte zudem die Golfstaaten dazu zwingen, ihre Goldreserven zu liquidieren. Beispielsweise sitzt Saudi-Arabien auf 300 Tonnen Gold. Wenn die Einnahmen ausbleiben, wird das zur Liquiditätsreserve.

Mit nun erstmals diskutierten Zinsanhebungen in den USA und Europa wird es schwer neue Käufer am Gold- und Silbermarkt zu finden, wenn der Großteil der Investoren unvermindert noch immer bullisch positioniert ist. Das Sentiment am Gold- und Silbermarkt ist noch weit davon entfernt zu kippen oder gar bärisch zu werden, weshalb es hier noch viel Korrekturpotenzial gibt, wenn der der Krieg und das aktuelle Umfeld weiter anhalten.

Man sollte sich über eine weitergehende Korrektur in den nächsten Monaten freuen und diese nutzen, um bestehende Vermögen durch den Kauf von Gold langfristig gegen Inflation abzusichern. Die Korrektur wird nur vorübergehend sein und die Notenbanken am Ende des Tages wieder die Liquidität erhöhen. Wer dann die Chance von antizyklischen Käufen nicht genutzt hat, wird seine Kaufkraft durch Inflation verlieren, während der Goldpreis seine bisherigen Allzeithochs weit hinter sich lassen wird. Premium-Abonnenten von Blaschzok Research haben beide Hochs am Gold- und Silbermarkt exakt verkauft, sodass diese nun in der komfortablen Position sind, von einem weiteren Preisrückgang zu profitieren und später günstig zurückkaufen können. Meinen Premium-Research finden Sie auf www.blaschzokresearch.de .

Autor Markus Blaschzok ist Chefanalyst bei der SOLIT Gruppe.

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