Zu Beginn des Jahres gingen viele Marktteilnehmer diesseits und jenseits des Atlantiks noch von sinkenden Leitzinsen aus. Davon ist inzwischen wenig übrig. In der Eurozone wird inzwischen sogar wieder über mögliche Zinserhöhungen gesprochen. Auch in den USA sind die Zinssenkungserwartungen aus dem Vorjahr weitgehend verschwunden, auch wenn dort zusätzliche Erhöhungen bislang nicht als konkretes Szenario gelten.
Als Treiber nennt Simon Hofmann von der Fürst Fugger Privatbank den jüngsten Ölpreisanstieg infolge des Kriegs mit Iran. „Durch den Iran-Krieg und den dadurch entstandenen Ölpreisschock sind die kurzfristigen Inflationserwartungen zuletzt spürbar gestiegen. Die aktuelle Ölpreisentwicklung sendet jedoch zwei Signale, die zumindest mittelfristig für etwas Entspannung sorgen könnten.“
Das erste Signal liefern laut Hofmann Stimmungsindikatoren, die derzeit auf Übertreibungen beim Ölpreis hindeuten. Das könnte die weitere Preisentwicklung tendenziell dämpfen.
Ölpreis und Inflationserwartungen
Als zweiten Hinweis verweist Hofmann auf die ausgeprägte Backwardation am Ölmarkt. Gemeint ist eine Konstellation, in der kurzfristige Öl-Terminkontrakte teurer sind als Kontrakte mit späterer Fälligkeit. Das deute darauf hin, dass Händler die aktuelle Nervosität nicht als dauerhaft einschätzen.
„Das aktuelle Preisgefüge der Öl-Terminkontrakte zeigt, dass die Händler von Rohöl-Futures die derzeitige Panikstimmung nicht als dauerhaft ansehen“, sagt Simon Hofmann. „Historisch betrachtet waren solche Phasen mögliche Indikatoren dafür, dass die Höchststände beim Ölpreis nur temporär waren.“
Mit Blick auf den Rentenmarkt fällt für Hofmann vor allem der Renditeanstieg bei zehnjährigen Bundesanleihen auf. Die Renditen liegen auf einem Niveau wie zuletzt 2011. Sollte die Marke von drei Prozent charttechnisch nachhaltig überschritten werden, könne sich die Bewegung weiter fortsetzen.
Druck auf lange Laufzeiten
„Wenn die Renditen zehnjähriger Bundesanleihen charttechnisch die Marke von 3 Prozent nachhaltig übersteigen, rückt ein Renditeziel von bis zu 4 Prozent in Reichweite. Für Anleiheinvestoren würde dies Kursverluste bei den langen Laufzeiten bedeuten.“ Parallel dazu notiert der Bund Future auf einem neuen Mehrjahrestief, nachdem er sich über Jahre seitwärts bewegt hatte.
Für Anleger richtet sich der Blick aus Sicht der Fürst Fugger Privatbank damit stärker auf Unternehmensanleihen. Im Vordergrund stehen Papiere mit guter Bonität sowie kurzen bis mittleren Laufzeiten.
„Unternehmensanleihen mit guter Bonität und kurzen bis mittleren Laufzeiten liefern solide Erträge, zeigen sich bei weiteren möglichen Zinsanstiegen deutlich stabiler und erlauben es, die Anlagestrategie flexibel an neue Marktchancen anzupassen.“ In dem aktuellen Umfeld erscheine damit ein aus Sicht der Bank attraktiveres Verhältnis von Risiko und Ertrag möglich.













