Das niederländische Insurtech Onesurance startet in Deutschland eine Pilotphase mit zwei Partnern aus der Versicherungsbranche, einem Assekuradeur und einem Pool. Ziel ist es, die eigene KI-basierte Datenanalyse-Lösung im hiesigen Maklermarkt zu etablieren. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie sich wachsende Bestände bei gleichzeitig knappen personellen Ressourcen effizient steuern lassen.
Das Unternehmen setzt dabei auf die systematische Auswertung bestehender Kunden- und Vertragsdaten. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse sollen in konkrete Handlungsempfehlungen für Beratung und Kundenkontakt übersetzt werden. Onesurance versteht seinen Ansatz als unterstützende Infrastruktur und nicht als grundlegende Disruption bestehender Geschäftsmodelle.
„Der deutsche Versicherungsmarkt steht vor ähnlichen strukturellen Fragen wie der niederländische vor einigen Jahren“, erklärt Jack Vos, Gründer und CEO von Onesurance. „Wachstum, Konsolidierung und steigende Kundenerwartungen erfordern neue Ansätze in der Bestandssteuerung.“
Makler unter Druck: Daten bleiben oft ungenutzt
Der Versicherungsvertrieb in Deutschland steht vor mehreren Herausforderungen. Neben regulatorischen Anforderungen und wachsender Konsolidierung erhöht sich der Druck durch steigende Kundenerwartungen und einen anhaltenden Fachkräftemangel. Gleichzeitig fehlt es vielen Maklerbetrieben an strukturierten Daten und entsprechenden Auswertungsmöglichkeiten.
Studien von Branchenverbänden und Marktforschern zeigen, dass insbesondere mittelständische Häuser ihre Bestände häufig nur eingeschränkt datenbasiert steuern. Entscheidungen basieren oft auf Erfahrung statt auf systematischen Analysen. „Im deutschen Markt verfügen viele Makler über wertvolle Bestände, können diese aber im Tagesgeschäft nur begrenzt systematisch steuern“, sagt Walter Capellmann, Branchenexperte in der Versicherungswirtschaft. „Entscheidungen beruhen oft auf Erfahrung und Intuition, weniger auf belastbaren Daten.“
Konkrete Impulse für Beratung und Kundenkontakt
Die Lösung von Onesurance setzt genau an diesem Punkt an. Sie analysiert laufend vorhandene Daten und identifiziert daraus unter anderem Abwanderungsrisiken, Cross-Selling-Potenziale und geeignete Zeitpunkte für die Kundenansprache. Ziel ist es, Beratungs- und Kontaktaufwände gezielt zu priorisieren.
Erste Ergebnisse sollen je nach Datenlage bereits nach vier bis sechs Wochen vorliegen. Die Integration erfolgt laut Unternehmen in bestehende Prozesse, ohne dass Anpassungen an Produkten oder IT-Systemen notwendig sind. Der Ansatz ist dabei nicht auf Makler beschränkt, sondern auch für Versicherer mit eigenen Vertriebsstrukturen und Finanzdienstleister nutzbar.
Erfahrungen aus den Niederlanden zeigen das Potenzial datenbasierter Steuerung. Dort arbeitet Onesurance seit über fünf Jahren mit mehr als 18 Kunden zusammen. Ein Maklerhaus mit rund 35.000 Kunden konnte innerhalb von sechs Monaten die Abwanderung um 26 Prozent senken, nachdem gezielte datenbasierte Kontaktanlässe eingeführt wurden.
Regulierung erhöht Anforderungen an Transparenz
Parallel dazu gewinnen regulatorische Themen an Bedeutung. Mit erwarteten Leitlinien der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht zum Einsatz von Künstlicher Intelligenz sowie Vorgaben durch den Digital Operational Resilience Act rücken Transparenz, Nachvollziehbarkeit und Governance stärker in den Fokus.
„Datenbasierte Entscheidungsgrundlagen werden im Vertrieb zunehmend zur Voraussetzung für nachhaltiges Wachstum. Regulatorische Themen wie Governance und Nachvollziehbarkeit sind bei Onesurance mitgedacht“, betont Vos. „Gerade vor diesem Hintergrund sehen wir großes Interesse an Lösungen, die Beratung strukturieren, ohne sie zu automatisieren.“ Beim Markteintritt in Deutschland wird das Unternehmen zudem von Erik de Voogd begleitet, einem langjährigen Branchenkenner aus den Niederlanden.













