Künstliche Intelligenz wird Finanzabteilungen grundlegend verändern. Laut der Horváth-Analyse „AI-Based Finance TOM“ sinken die Kosten der Finanzfunktion in den kommenden fünf Jahren von 0,8 auf weniger als 0,5 Prozent des Umsatzes. Gleichzeitig gewinnt der CFO an Bedeutung und wird stärker zum Treiber der Wertschöpfung.
Märkte, Lieferketten und regulatorische Vorgaben werden komplexer. Unternehmen benötigen deshalb schnellere und detailliertere Entscheidungsgrundlagen. In acht Thesen beschreibt Horváth, wie sich Aufgaben zwischen Mitarbeitenden und KI-Agenten verschieben, welche Veränderungen bei IT-Systemen anstehen und welche Kompetenzen Finance-Teams benötigen.
Stefan Tobias, Partner bei Horváth, beobachtet, dass Unternehmen KI zunächst vor allem zur Effizienzsteigerung einsetzen. Das greife zu kurz: Der CFO werde zum Architekten der Unternehmenssteuerung. Wer sich allein auf Kostensenkungen konzentriere, verpasse einen wesentlichen Teil der Entwicklung.
KI übernimmt standardisierte Finanzprozesse
Rechnungsverarbeitung, Kontenabstimmungen und Abschlussbuchungen laufen zunehmend automatisiert ab. Horváth beschreibt diesen Ansatz als „Dark by Default“: Standardprozesse sollen ohne menschliches Zutun ausgeführt werden. Mitarbeitende befassen sich vor allem mit Ausnahmen und der Weiterentwicklung der Governance.
Menschen bleiben dort gefragt, wo Entscheidungen hohe Risiken bergen oder sich nicht rückgängig machen lassen. Dazu zählen etwa Kapitalallokationen, Übernahmen und Fusionen sowie die Genehmigung großer Kreditlimits. Wie sich die Aufgabenverteilung konkret verändert, hängt laut Analyse von den Voraussetzungen des jeweiligen Unternehmens ab.
Mit der Automatisierung verändern sich auch die Anforderungen an Finance-Teams. Fachwissen in Rechnungswesen, Controlling, Treasury und Steuern bleibt wichtig. Hinzu kommen der sichere Umgang mit KI-Systemen und Datenkompetenz. Gefragt sind deshalb hybride Profile, kontinuierliche Weiterbildung und eine engere Zusammenarbeit zwischen Finance, IT und Datenmanagement.
Neue Systeme brauchen verlässliche Daten
Parallel zur Rollenverteilung soll sich die IT-Landschaft verändern. Cloudbasierte Plattformen könnten die heute verbreiteten Systemarchitekturen ablösen. Auf ihnen sollen KI-Agenten Prozesse ausführen und Entscheidungen vorbereiten. Ein Controlling-Chatbot erreichte laut Horváth bereits eine Nutzerzufriedenheit von 8,5 von 10 Punkten und eine Antwortgenauigkeit von 95 Prozent. Zehn Controller sparten damit jeweils 2,5 Stunden Arbeitszeit pro Monat.
Mit dem Einsatz von KI-Agenten steigt der Bedarf an einheitlichen Datenstandards. Bisher liegt die Datenverantwortung häufig bei den einzelnen Funktionen: Der CFO verantwortet Finanzdaten, der Vertrieb Sales-Daten und die Personalabteilung HR-Daten. Diese Aufteilung erschwert eine verlässliche Grundlage für KI-gestützte Entscheidungen.
Horváth sieht den CFO künftig in einer übergreifenden Rolle bei der Daten-Governance. Stefan Tobias begründet das damit, dass eine saubere, unternehmensweite Datenbasis Voraussetzung für vertrauenswürdige KI-Entscheidungen sei. Die betriebswirtschaftliche Disziplin und Systematik des CFOs machten ihn zu einem geeigneten Ankerpunkt für solche Standards.
Der Horváth Point of View „AI-Based Finance TOM“ wurde im September 2026 veröffentlicht. Er beschreibt auf Grundlage der Projekterfahrung des Beratungsunternehmens in acht Thesen, wie KI die Finanzabteilung in den kommenden Jahren verändern könnte.
















