KI-Boom: Warum Infrastruktur und Halbleiter Software schlagen

Dr. Eckhard Schulte, MainSky AM
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Dr. Eckhard Schulte, MainSky AM

Die US-Berichtssaison überrascht mit breitem Gewinnwachstum – und KI als zentralem Treiber. Doch nicht alle Technologiesegmente profitieren gleichermaßen. Warum Halbleiter und Infrastruktur punkten, während Software unter Druck bleibt.

In der laufenden Berichtssaison haben bislang rund drei Viertel aller Unternehmen aus dem S&P 500 ihre Zahlen vorgelegt und es sieht danach aus, als sollten im Jahresvergleich satte 30 % Gewinnwachstum möglich sein. Auch wenn Technologie dabei wie erwartet der Treiber ist, fällt auf, dass die Gewinnstärke sehr breit ist. Sieben Sektoren zeigen ein prozentual zweistelliges Wachstum, darunter auch Kommunikationsdienstleistungen (53,2%) und zyklische Konsumgüter (39%).


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Die KI-Revolution geht weiter

Die KI-Revolution, die enormen Investitionssummen und vor allem die vielen Knappheiten rund um das Thema KI schaffen in vielen Sektoren – auch außerhalb der Technologie – enorme Performancechancen. Dies gilt für Energieinfrastruktur (Netze, Kühlung, Speicherung etc.), den zentralen Engpass für KI. Aber auch traditionelle Unternehmen, die physische KI‑Strukturen erstellen, profitieren. Anleger tun also gut daran, den Geldströmen zu folgen, die gerade die großen Hyperscaler auslösen – allein Amazon, Microsoft, Alphabet und Meta investieren dieses Jahr knapp 800 Milliarden US‑Dollar.

Halbleiter sind auf allen Ebenen knapp

Halbleiter sind ein Kernbestandteil der AI-Infrastruktur und gehören damit in jedes Portfolio. Die Knappheiten bestehen hier auf mehreren Ebenen, nicht nur bei High-End-Produkten wie Nvidias Rubin oder Googles TPUs. Es herrscht Knappheit bei der Vernetzung von GPUs – hier kommen Broadcom und Marvell ins Spiel. Genauso bei Speicherchips – hier kommen Micron, Samsung und SK Hynix zum Zug. Und im Power-Management: Hier profitieren Infineon, MPS und ADI. Sogar bei weniger anspruchsvollen Halbleitern, die in elektronischen Alltagsgeräten verbaut sind, sehen wir Knappheiten. Darum ist die Rallye so breit und erfasst so viele Unternehmen weltweit. Der Sektor bleibt ein Must-have.

Disruptionsrisiko dagegen bei Software

Software wird dagegen gemieden. Es ist kaum möglich, zu unterscheiden, welches Geschäftsmodell durch AI disruptiert wird und welches nicht. Dafür sind die technologischen Sprünge einfach zu schnell. Was heute noch sicher erscheint, ist es morgen nicht mehr. Der Markt stellt zurecht den kompletten Sektor unter Generalverdacht. Was Alphabet mit Anthropic und den neuen Cloud-Agenten aufbaut, ist schlichtweg unvorstellbar und hat das Potenzial, etablierte Softwareanbieter kurzerhand auszuradieren. 

Autor Dr. Eckhard Schulte ist Vorstandsvorsitzender MainSky Asset Management.

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