Krieg am Golf: Massiver Bedarf an Seltenen Erden

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Krieg, Rüstung und Lieferketten: Warum Seltene Erden für St George Mining an Bedeutung gewinnen.

Der Krieg am Persischen Golf lenkt den Blick auf einen Rohstoff, der für moderne Waffensysteme unverzichtbar ist: Seltene Erden. Die hohe Abhängigkeit der USA von China verschärft den Druck, neue Lieferketten aufzubauen. Davon könnten auch Projekte in Brasilien profitieren.

Der dritte Golfkrieg der USA macht deutlich, wie wichtig Metalle sind. Ob Kampfflugzeuge, Raketen oder Radarstationen: überall werden Seltene Erden gebraucht. Die Dominanz Chinas in diesem Bereich macht den Vereinigten Staaten Probleme. Dementsprechend wird der Aufbau einer eigenen Lieferkette forciert. St George Mining ist hier optimal positioniert, um von diesen Entwicklungen zu profitieren.

Dass China den Markt für Seltene Erden dominiert, ist in Börsianer-Kreisen inzwischen eine Binse. Da verwundert es, dass die Aktien aus diesem Sektor im Zuge des Kriegs am Golf nicht stärker zulegen. Auf der anderen Seite bietet das eine Chance für Anleger, die noch nicht in diesem Bereich investiert sind.

Ohne Seltene Erden: „Blinde“ Flugkörper

Dabei sprechen die Fakten für sich. Der intensive Krieg am Persischen Golf verbraucht hohe Mengen an Seltene Erden. So sind zwar die exakten Spezifikationen natürlich ein Geheimnis, dennoch ist vieles darüber bekannt. So haben beispielsweise die Experten von SFA Oxford entsprechende Berechnungen angestellt. Demnach wird das Gesamtgewicht der Seltenen Erden auf ein bis vier Kilo bei einem einzigen Tomahawk geschätzt. Der Großteil entfällt dabei auf Hochleistungs-Permanentmagnete, die zu etwa 30 Prozent aus Seltenen Erden bestehen. Ohne diese Metalle wäre den Tomahawk ein prinzipiell „blinder“ Flugkörper, denn sie werden in kritischen Bereichen eingesetzt. So bewegen kleine, extrem starke Motoren die Flügel zur Steuerung und benötigen hierfür Neodym-Eisen-Bor (NdFeB) Magnete. Für die Zielerfassung und Radar-Stabilisierung wiederum werden Samarium-Kobalt (SmCo) Magnete genutzt. Diese sind besonders wichtig, weil sie extrem hitzebeständig sind. Dazu kommt der Einsatz von Seltenen Erden bei Generatoren, Treibstoffpumpen des Triebwerks und in der Kommunikation (Satellitenverbindung). Die US-Verteidigungsindustrie ist extrem besorgt über die Abhängigkeit, da China über 90 Prozent der schweren Seltenen Erden kontrolliert. Ein einziges Programm wie Tomahawk verbraucht bei einer Produktion von 1.000 Stück pro Jahr bereits mehrere Tonnen dieser Metalle.


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Das „fliegende Periodensystem“

Noch mehr Metalle dieser Art kommen aber im Flugzeugbau zum Einsatz. Die Menge an Seltenen Erden in modernen Kampfjets ist im Vergleich zu einer Rakete massiv höher. Auch deshalb nennt man sie „fliegende Periodensysteme“. Die F-35 der Air Force gilt dabei als eines der ressourcenintensivsten Militärgeräte überhaupt. So benötigt eine einzelne F-35 rund 417 Kilogramm an Seltenerd-Materialien. Für Unternehmen wie St George Mining sind dabei die  Samarium-Kobalt (SmCo) Magnete am wichtigsten, denn davon werden rund 22,6 Kilogramm benötigt. Das australische Unternehmen will unter anderem dieses Seltenerdmetall auf seinem Araxá-Projekt in Brasilien abbauen. Dabei sind diese Magnete nicht ersetzbar. Sie kommen im Triebwerk, bei der Steuerung und im Radar und Stealth-System zum Einsatz. Dieses Spiel kann man auch auf das kleinere Kampfflugzeug F-15 übertragen, dass laut Experten insgesamt rund 150 bis 250 Kilogramm an Seltenen Erden benötigt.

Brasilien: der schlafende Riese!

St George Mining ist damit optimal aufgestellt, von den weltweiten Rüstungsanstrengungen zu profitieren und die Abhängigkeit der westlichen Staaten von chinesischen Lieferungen zu reduzieren. Stand heute will das Unternehmen bereits 2028 auf dem Araxá-Projekt erst Niobium abbauen, und dann ein Jahr später Seltene Erden. Dass sich das Projekt dabei in Brasilien befindet, ist kein Zufall. Das Land wird oft als „schlafender Riese“ im Markt für Seltene Erden bezeichnet, da es mit ca. 21 Millionen Tonnen über die drittgrößten Reserven der Welt verfügt. Bisher wird dort jedoch wenig produziert.

Auf dem Weg zur Machbarkeitsstudie

St George Mining hat erst Anfang März die bestehende Ressource für das Araxá-Projekt aktualisiert. Infolgedessen konnte die Mineralressourcenschätzung (MRE) um 75 Prozent erhöht werden. Sie liegt nun bei 70,91 Mio. Tonnen mit 4,06 % TREO (Total Rare Earth Oxides) und 0,62 % Nb₂O₅ (Niobpentoxid) bei einem Cut-off-Gehalt von 2 % TREO. In der Kategorie „Gemessen & Angezeigt“ stieg die Ressource sogar um 218 Prozent, was die Grundlage für eine belastbare Wirtschaftlichkeitsstudien darstellt. Zudem besteht weiteres Aufwärtspotenzial für das Vorkommen, denn 44 abgeschlossene Erweiterungsbohrungen sind noch gar nicht in der neuen Ressource enthalten, weitere 50 Bohrungen sind in den nächsten zwei Monaten geplant.

Nasdaq-Listing als nächster großer Katalysator?

Der nächste große Meilenstein für St George Mining ist die Vorlage einer Pre-Feasibility Study (PFS, Machbarkeitsstudie) und im Anschluss der Definitive Feasibility Study (DFS; finale Machbarkeitsstudie). Sie werden zeigen, wie profitabel die Mine werden kann. Noch in diesem Jahr sollen die wesentlichen Arbeiten für diese Studien erfolgen. Nicht zu vergessen ist, dass St George Mining bereits mit dem US-Konzern REalloys eine Absichtserklärung (MOU) mit bis zu 40 Prozent der Produktion geschlossen hat. Es wird damit gerechnet, dass diese im Laufe dieses Jahres finalisiert wird. REalloys ist ein wichtiger Lieferant der US-Militärindustrie. In diesem Zusammenhang diskutiert St George Mining auch den Schritt an die Nasdaq. Mit einem Listing in den USA würde man sich US-Fonds öffnen und könnte (eventuell) eine höhere Bewertung erreichen. In den USA wird Rohstoffkonzernen eine wesentlich höhere Bewertung zugestanden. Aufgrund der Einstufung als „strategisches Projekt“ durch die brasilianische Regierung inklusive der im Februar gewährten Steuererleichterungen wird zudem ein beschleunigtes Genehmigungsverfahren für Araxá erwartet.

Analysten optimistisch

Petra Capital, einer der größten Broker Australiens, gab grünes Licht für die Aktie von St George Mining und sieht ein Kursziel von 0,44 AUD. Australiens größte Investmentbank Macquarie stufte das Papier auf „Outperform” ein und sieht ein 12-Monats-Kursziel von 0,20 AUD für die Aktie. Das entspräche fast einer Verdopplung des aktuellen Aktienkurses. Im optimistischen Szenario sieht Macquarie zudem deutlich höhere Kurse von 0,50 AUD pro Aktie. Die Aktie von St George Mining hat im Oktober und zu Kriegsbeginn Ende Februar wichtige Hochs markiert. Der jüngste Rücksetzer deutet auf Gewinnmitnahmen hin. Wer an den Aufbau von unabhängigen, westlichen Lieferketten glaubt, sollte sich die Aktie näher anschauen.

Autorin Dr. Eva Reuter ist Geschäftsführerin der von ihr 2006 gegründeten Dr. Reuter Investor Relations. Sie berät Unternehmen weltweit in allen Belangen der Finanzkommunikation.

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