Nach Schätzungen der Branche sind rund 20 Prozent aller Erbfälle in Deutschland mit Konflikten verbunden. Betrachtet man allein die rund 22 Millionen Menschen über 60 Jahre, bedeutet dies, dass es in diesem Alterssegment bei etwa 4,4 Millionen Nachlassfällen zu Streitigkeiten kommt. Eine vorausschauende Nachlassplanung kann viele dieser Konflikte verhindern.
1. Testament ab dem Vermögensaufbau erstellen
Sobald Vermögen aufgebaut wird, sollte ein erstes Testament erstellt werden. Ohne Testament greift automatisch die gesetzliche Erbfolge. Diese führt häufig zu Unklarheiten, falschen Erwartungen und Streit, zudem in einer Phase, die von Trauer und Emotionen geprägt ist.
Ein häufig unterschätztes Beispiel: Ist jemand verheiratet und kinderlos, erhält bei gesetzlicher Erbfolge die Herkunftsfamilie ein Viertel des Nachlasses. Das überrascht viele Betroffene und führt nicht selten zu Konflikten. Ein Testament sollte im Laufe des Lebens regelmäßig an veränderte Lebensumstände angepasst werden. Das ist möglich, ohne hohe Kosten zu verursachen.
2. Den hinterbliebenen Partner gezielt schützen
Das Berliner Testament ist weit verbreitet. Dabei erhält zunächst der hinterbliebene Partner den gesamten Nachlass, die Kinder werden Schlusserben. Der Versorgungsgedanke ist nachvollziehbar, dennoch birgt diese Lösung erhebliche Risiken:
- Das Testament ist nach dem ersten Todesfall grundsätzlich nicht mehr änderbar.
- Bei einer Wiederheirat verschieben sich die Erbquoten der Kinder.
- Pflichtteilsansprüche können bis zu drei Jahre lang geltend gemacht werden und verlangen Bargeld.
- Häufig entstehen unnötige Belastungen durch Erbschaftsteuer.
Durch durchdachte Klauseln, Vermächtnisse und steuerliche Gestaltung lässt sich diesen Problemen wirksam entgegenwirken.
3. Klare Regelungen für Kinder und Immobilien treffen
Viele Testamente enthalten die Formulierung, dass die Kinder zu gleichen Teilen Schlusserben werden. Bei Immobilienvermögen führt dies automatisch zu Erbengemeinschaften, die erfahrungsgemäß konfliktanfällig sind. Jeder Miterbe kann jederzeit die Auseinandersetzung verlangen. Im Extremfall kann dies zu einer Zwangsversteigerung führen.
Hinzu kommt, dass Eltern häufig nicht wissen, ob ihre Kinder die Immobilie überhaupt übernehmen möchten. Eine praktikable Lösung ist eine klare Regelung im Testament, zum Beispiel:
- Die Erben erhalten ab dem Todestag eine bestimmte Frist zur Einigung.
- Kommt keine Einigung zustande, wird die Immobilie verkauft und der Erlös geteilt.
- Es wird festgelegt, wer das Wertgutachten erstellt und wer die Kosten trägt.
- Ein Testamentsvollstrecker setzt den letzten Willen verbindlich um.
4. Schenkungen und Leistungen der Kinder berücksichtigen
Lebzeitige Schenkungen und besondere Leistungen einzelner Kinder, etwa durch Pflege oder Betreuung, sollten unbedingt berücksichtigt werden. Für bestimmte Schenkungen bestehen Ausgleichsansprüche der nicht beschenkten Erben.
Empfehlenswert ist daher ein schriftlicher Schenkungsvertrag mit klaren Regelungen, idealerweise erstellt durch einen Juristen. Pflegeleistungen können zudem über eine Vorsorgevollmacht als Vergütung für die bevollmächtigte Person geregelt werden. Beides schafft Transparenz, vermeidet Streit und kann steuerliche Vorteile bieten.
5. Kostensparend und rechtssicher vorsorgen
Ein juristisch einwandfreies Testament sollte bereits beim Vermögensaufbau erstellt werden. Dies ist beispielsweise über IGB Vorsorge-Plattform mit anwaltlicher Beratung zum Festpreis möglich. Geringfügige Anpassungen können später selbst vorgenommen werden.
Immobilien lassen sich zu Lebzeiten häufig sinnvoll mit Nießbrauchsvorbehalt übertragen. Für Immobilien, die nach dem Tod verkauft werden sollen, sind ein handschriftliches juristisch korrektes Testament sowie eine notariell beglaubigte Vorsorgevollmacht ausreichend. Also keine Kosten durch den teuren Erbschein oder durch das notarielle Testament. So sorgen Sie kostensparend, steuerlich sinnvoll und konfliktvermeidend für Ihren Nachlass vor.
Fazit: Eine durchdachte Nachlassplanung sichert nicht nur Vermögen sondern bewahrt vor familiären Konflikten. Je klarer Sie heute regeln, desto friedlicher bleibt das Miteinander morgen. Denn: Wer heute vorsorgt, schützt morgen seine Familie.
Margit Winkler ist Geschäftsführerin des Deutschen Privatinstituts Generationenberatung.














