Öl und Gas geben nach: Kommt jetzt die große Entspannung bei den Energiepreisen?

Foto: stock.adobe.com/IHERPHOTO
Julius Bär sieht nach sinkenden Öl- und Gaspreisen taktische Chancen und mahnt Anleger zu langfristigem Fokus.

Die angekündigte zweiwöchige Waffenruhe zwischen den USA und dem Iran hat die Preise für Öl und Gas sinken lassen. Für die Märkte könnte das eine erste Entlastung sein. Doch die Ruhephase dürfte fragil bleiben.

Waffenruhe, fallende Öl- und Gaspreise – stehen die Zeichen jetzt auf Entspannung? Während Trader taktisch agieren können, sollten Anleger längerfristig denken, mahnt Christian Gattiker, Head of Research bei Julius Bär:

Der angekündigte zweiwöchige Waffenstillstand zwischen den USA und dem Iran markiert einen möglichen Wendepunkt in der jüngsten Phase des Konflikts. Die Energiemärkte dürften den Höhepunkt des Versorgungsschocks hinter sich haben. Die Preise waren bereits bis in einen wirtschaftlich schädlichen Bereich gestiegen, was typischerweise der Auslöser für eine Deeskalationsdynamik ist. 

Der Waffenstillstand passt gut in das etablierte Muster geopolitischer Krisen, bei denen eine intensive Eskalationsphase die Voraussetzungen für eine spätere Entspannung schafft. Dies stützt unser Basisszenario eines „schnellen und intensiven Schocks“ mit begrenzten dauerhaften Schäden für die globale Energieversorgung. Während die geopolitische Lage im Nahen Osten weiterhin brodeln wird, erwarten wir, dass sich die Energiemärkte allmählich von politischen Turbulenzen abkoppeln, was das Risiko eines anhaltenden, ölbedingten Makroschocks verringert. 


Das könnte Sie auch interessieren:

Dennoch sollten Anleger die jüngste Einigung nicht ohne weiteres als endgültige Lösung betrachten. Der Konflikt folgt weiterhin einem „Reality-TV-Muster“ – gekennzeichnet durch rasche Eskalation, taktische Pausen und erneute Spannungen. Die zweiwöchige Waffenruhe dürfte daher eher eine Pause sein, kein Endpunkt. Das Risiko erneuter Volatilität dürfte wieder steigen, wenn dieses Zeitfenster sich schließt. 

Kurzfristig könnte die Entspannung die Tür für eine taktische „Risk-on“-Aufstockung öffnen, insbesondere in den Bereichen, die die stärksten Kursrückgänge verzeichnet haben. Dies bleibt jedoch eindeutig „das Terrain der Trader“ und nicht das der Anleger. Diese sollten Phasen der Entspannung nutzen, um sich längerfristig zu positionieren. Dabei sollten sie sich auf Regionen und Sektoren konzentrieren, in denen sich die Bewertungen verbessert haben, während die strukturellen Narrative intakt bleiben – insbesondere in Märkten außerhalb der USA sowie in ausgewählten zyklischen und Qualitätssegmenten.

Weitere Artikel
Abonnieren
Benachrichtigen bei
0 Comments
Inline-Feedbacks
Alle Kommentare anzeigen