Platinpreis auf Höhenflug: Was das knappe Angebot für 2026 bedeutet

Platin-Barren
Foto: PantherMedia/paulfleet
Quo vadis, Platin in 2026?

Der Platinpreis hat seit Jahresbeginn kräftig zugelegt, getragen von einem erneuten Marktdefizit. Gleichzeitig schwächt sich die Gesamtnachfrage spürbar ab, während erste Signale auf eine mögliche Entspannung im kommenden Jahr hindeuten. Doch ob die Trendwende gelingt, bleibt laut Edelmetallhändler Ophirum offen.

Was für eine beeindruckende Performance. Zwar hat Platin zuletzt – wie andere Edelmetalle auch – ein wenig Federn lassen müssen. Dennoch: Zuletzt notierte Platin bei rund 1.550 Dollar, und das entspricht immerhin einem Anstieg von rund 70 Prozent seit Jahresbeginn.

Getrieben wird diese Dynamik in erster Linie durch das für dieses Jahr erwartete dritte Marktdefizit in Folge. Der World Platin Investment Council (WPIC) veranschlagt die Angebotslücke auf 692.000 Unzen, was in etwa rund neun Prozent der prognostizierten Jahresnachfrage sind. In der Folge sinken die sogenannten überirdischen Bestände auf 3,19 Millionen Unzen; dies entspricht einer Reichweite von rund fünf Monaten Nachfrage. Nach WPIC-Definition umfasst dieser Bestand alle Platinvorräte, die sich nicht in ETF-Portfolios, an börsenregulierten Lagerstellen oder in den Arbeitsbeständen von Minen, Raffinerien, Verarbeitern und industriellen Endkunden befinden.

Summa summarum dürfte das Angebot in diesem Jahr gegenüber 2024 um zwei Prozent auf 7,13 Millionen Unzen schrumpfen. Insbesondere die Minenproduktion steht mit minus fünf Prozent unter Druck, da sich die außergewöhnliche Freisetzung von in Bearbeitung befindlichen Beständen aus 2024 nicht wiederholen lässt. Zwar sorgt das höhere Preisniveau für einen Anstieg des Recyclings um voraussichtlich sieben Prozent, doch reicht das nicht aus, um die rückläufige Förderung auszugleichen.

Nachfragerückgang in diesem Jahr

Das aktuell veranschlagte Defizit von 692.000 Unzen liegt 158.000 Unzen unter der WPIC-Prognose aus dem zweiten Quartal. Zugleich wurde die Schätzung auf der Angebotsseite um 102.000 Unzen nach oben revidiert – bedingt durch eine rascher als erwartete Erholung der südafrikanischen Minen nach einem schwachen ersten Quartal 2025. Die Nachfrage wurde um 56.000 Unzen nach unten angepasst, auch aufgrund rückläufiger indischer Schmuckexporte als Folge der US-Zollpolitik.

Auf der Nachfrageseite spielt aber vor allem der Automobilsektor erneut eine Schlüsselrolle, liegt die prognostizierte Katalysator-Nachfrage für 2025 doch zehn Prozent über dem Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre. Zum Hintergrund: Die Automobilbranche ist der größte Platin-Abnehmer und macht rund 40 Prozent der jährlichen Nachfrage aus, wobei der Großteil in Autokatalysatoren verbaut wird. Auch die Schmuckindustrie dürfte – getragen von einem starken ersten Halbjahr in China – um sieben Prozent auf 2,16 Millionen Unzen wachsen. Zudem erwartet das WPIC eine deutliche Belebung der Investmentnachfrage: Barren- und Münzenkäufe sollen um 47 Prozent steigen, und die ETF-Bestände auf 3,38 Millionen Unzen zulegen.

Schrumpfender Gesamtmarkt

Dennoch: Laut WPIC sinkt die Gesamtnachfrage für Platin in diesem Jahr um etwa fünf Prozent. Grund hierfür ist eine zyklisch schwache Industrienachfrage, die um rund 22 Prozent nachgibt. Das ist ein solch kräftiger Rückgang, dass die Zuwächse im Auto- und Schmucksektor überkompensiert werden und letztendlich mit einem schrumpfenden Gesamtmarkt gerechnet wird.

Anhaltende Engpässe könnten Preis stützen

Für 2026 deutet hingegen vieles auf eine Marktberuhigung hin. Nach drei Jahren deutlicher Angebotslücken erwartet der WPIC ein nahezu ausgeglichenes Verhältnis von Angebot und Nachfrage mit einem niedrigen Überschuss von etwa 20.000 Unzen. Besonders erfreulich ist – nach dem zyklischen Einbruch in 2025 – die Aussicht auf eine Erholung der industriellen Nachfrage um neun Prozent.

Auf der anderen Seite dürfte sich der Lageraufbau an den großen US-Terminbörsen – der Chicago Mercantile Exchange (CME) in Chicago und der NYMEX in New York – bei geringeren handelspolitischen Risiken wieder zurückbilden. Gleichzeitig rechnet das WPIC mit einer um rund 50 Prozent sinkenden Investmentnachfrage, während Recycling und Minenproduktion um zehn beziehungsweise zwei Prozent zulegen sollen.

Da der prognostizierte Überschuss recht moderat ausfällt, könnten strukturelle Knappheiten die Versorgung weiterhin erschweren und das Preisniveau stützen. Nicht zuletzt basiert die Aussicht auf einen ausgeglichenen Markt im kommenden Jahr vorrangig auf der Annahme einer Abschwächung der handelspolitischen Spannungen mit den USA. Sollten Zölle und Unsicherheiten hingegen fortbestehen, droht für 2026 erneut ein Defizit und damit eine anhaltende Unterversorgung des Platinmarktes.

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