Zum Start der Berichtssaison für das dritte Quartal haben Analysten ihre Gewinnschätzungen für die Unternehmen im S&P 500 im Quartalsverlauf um 1,4 Prozent angehoben. Üblicherweise werden die Prognosen vor der Berichtssaison nach unten korrigiert - in den vergangenen fünf Jahren im Schnitt um 2,2 Prozent. Nun steigen die Erwartungen bereits das zweite Quartal in Folge. Für Johannes Jahn von der Fürst Fugger Privatbank ist das ein positives Signal: „Dass die Analysten ihre Gewinnprognosen entgegen dem üblichen saisonalen Muster anheben, spricht für die Ertragskraft der US-Unternehmen. Allerdings liegt die Messlatte damit auch hoch.“
Für das dritte Quartal rechnen Analysten inzwischen mit einem Gewinnwachstum von 29,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Damit könnte der S&P 500 zum dritten Mal in Folge ein Gewinnplus von mehr als 25 Prozent erzielen und bereits das achte Quartal hintereinander zweistellig wachsen. Auch die Umsätze sollen um 12,3 Prozent zulegen. Für das Gesamtjahr 2026 erwarten Analysten einen Gewinnanstieg von 32,4 Prozent.
Zwar wird für alle elf Sektoren des S&P 500 ein Gewinnwachstum gegenüber dem Vorjahr erwartet, fünf davon dürften zweistellig zulegen. Die jüngsten Aufwärtskorrekturen konzentrieren sich jedoch auf drei Branchen. Besonders deutlich fallen sie im Energiesektor mit einem Plus von 18,0 Prozent und in der Informationstechnologie mit 3,5 Prozent aus. In acht Sektoren senkten Analysten ihre Schätzungen, am stärksten bei Rohstoffen mit 10,2 Prozent, Basiskonsumgütern mit 4,0 Prozent und im Gesundheitswesen mit 3,3 Prozent. Jahn sagt: „Vor allem Technologie und Energie treiben die positiven Korrekturen. Für Anleger wird deshalb entscheidend sein, ob auch andere Branchen die hohen Erwartungen erfüllen können.“
Technologie und Energie prägen die Erwartungen
Wie stark die Nachfrage nach KI-Infrastruktur die Unternehmensgewinne antreibt, zeigt der Halbleiterhersteller Micron: Umsatz, Gewinn und Ausblick für das laufende Quartal fielen besser aus als erwartet. Goldman Sachs erhöhte daraufhin das Kursziel von 1.100 auf 1.250 US-Dollar. Wegen möglicher Preisrisiken im Geschäft mit Hochleistungsspeichern ab 2028 hält die Bank jedoch an ihrer neutralen Einstufung fest.
Für Jahn überwiegen die positiven Perspektiven für den US-Aktienmarkt. Die anhaltend starke Nachfrage nach KI-Infrastruktur und langfristig abgesicherte Lieferbeziehungen stützten die Gewinnentwicklung. Zugleich könnten schon kleinere Enttäuschungen bei Quartalszahlen oder Ausblicken deutliche Kursreaktionen auslösen. „Wir erwarten in dieser Berichtssaison wieder erhöhte Schwankungen. Diese spiegeln vor allem die hohen Ansprüche der Anleger wider und nicht grundsätzlich schwache Fundamentaldaten. Mit einem erwarteten Kurs-Gewinn-Verhältnis von 19,0 ist der Markt trotz der Rekordgewinne nicht überbewertet. Das spricht insgesamt für eine konstruktive Berichtssaison.“













