Schwache Geschäftszahlen aus den USA und ein milliardenschwerer Hackerangriff haben die asiatischen Börsen durcheinandergewirbelt. Die Amazon Aktie war bereits am Vorabend im nachbörslichen US-Handel eingebrochen, obwohl der Onlinehändler Umsatz und Gewinn steigerte. Belastet hat ein stark negativer freier Cashflow. Auch die Intel-Aktie verlor nach einem gesenkten Ausblick deutlich an Wert. Parallel bestätigte die Kryptobörse Binance einen Sicherheitsvorfall mit einem geschätzten Schaden von 6,3 Milliarden US-Dollar. Die Folge laut mehreren Marktberichten: Der japanische Leitindex Nikkei 225, der Topix und der südkoreanische Kospi gaben deutlich nach.
Amazon Aktie nach Quartalszahlen: Warum der Kurs trotz Umsatzplus fällt
Im dritten Quartal 2026 stieg der Umsatz auf 201,9 Milliarden US-Dollar, ein Plus von zwölf Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Der Nettogewinn stieg auf 20,7 Milliarden US-Dollar, während das Ergebnis je Aktie mit 1,89 US-Dollar unter der von Analysten erwarteten Marke von 1,97 US-Dollar blieb.
Besonders stark entwickelte sich die Cloud-Sparte AWS: Die Erlöse kletterten um 39 Prozent auf rund 46 Milliarden US-Dollar - das höchste Wachstumstempo seit 2021. Zudem erreichte der Auftragsbestand 578 Milliarden US-Dollar.
Trotzdem brach die Amazon-Aktie im nachbörslichen Handel am 29. Oktober um sechs bis sieben Prozent ein. Grund ist der freie Cashflow der vergangenen zwölf Monate, der auf minus 42,4 Milliarden US-Dollar fiel. Das bedeutet einen Einbruch um 386 Prozent gegenüber dem positiven Wert von 14,8 Milliarden US-Dollar im Vorjahreszeitraum. Dahinter stehen deutlich gestiegene Investitionen: Die Investitionsausgaben beliefen sich im dritten Quartal auf 77,3 Milliarden US-Dollar gegenüber 35,1 Milliarden US-Dollar im Vorjahresquartal. Dennoch hielt der Konzern an seiner Jahresprognose von rund 220 Milliarden US-Dollar für 2026 fest.
Auch der Blick auf das vierte Quartal konnte die Anleger nicht beruhigen: Die prognostizierten Umsatzerlöse von 240 bis 247 Milliarden US-Dollar liegen nur knapp am von Analysten erwarteten Wert von rund 244,3 Milliarden US-Dollar. Für Investoren bedeutete das kaum Raum für positive Überraschungen.
Intel-Aktie bricht nach gesenktem Ausblick ein
Intel übertraf im dritten Quartal 2026 (Geschäftsjahr bis 27. September) die Erwartungen deutlich: Gegenüber dem Vorjahr kletterte der Umsatz um 21 Prozent auf 16,5 Milliarden US-Dollar, und das bereinigte Ergebnis je Aktie übertraf mit 0,52 US-Dollar die Markterwartungen spürbar. Diese Angaben stammen aus dem Quartalsbericht, den der Chipkonzern bei der US-Börsenaufsicht SEC hinterlegte.
Trotz der positiven Kennzahlen reagierten die Investoren heftig: Am 29. Oktober stürzte die Intel-Aktie im nachbörslichen Handel ab - je nach Quelle und Zeitpunkt der Messung um 18 bis 23 Prozent. Ausschlaggebend dafür war der nach unten korrigierte Ausblick für das Schlussquartal. Für die kommenden Monate erwartet Intel lediglich einen Umsatz von 15,0 bis 16,0 Milliarden US-Dollar - weniger, als die Analysten vorhergesagt hatten. Als Grund führte der Konzern unter anderem eine Nachfrageschwäche im PC-Markt an. Im Segment Client-Computing sanken die Umsätze um fünf Prozent auf 8,1 Milliarden US-Dollar.
Alphabet enttäuschte bereits einen Tag zuvor
Schon am 28. Oktober hatte die Google-Mutter Alphabet die Erwartungen verfehlt. Der Umsatz blieb mit 127,58 Milliarden US-Dollar unter der Prognose von 128,22 Milliarden US-Dollar, zudem rutschte der freie Cashflow auf minus 9,07 Milliarden US-Dollar ab. In der Folge sackte die Aktie um rund 12,6 Prozent ab und vernichtete damit etwa 500 Milliarden US-Dollar an Marktkapitalisierung.
Chipwerte in Asien besonders unter Druck
Die enttäuschenden Zahlen von Amazon und Intel schlugen am 30. Oktober unmittelbar auf asiatische Technologie- und Chipwerte durch. Der Nikkei 225 gab um 2,3 bis 2,4 Prozent auf rund 63.148 Punkte nach, der breiter gefasste Topix sank um 1,2 bis 1,3 Prozent auf etwa 3.956 Zähler. Den stärksten Einbruch verzeichnete der südkoreanische Kospi: Er brach laut verschiedenen Marktberichten zwischen 3,48 und fünf Prozent ein und schloss zwischen rund 5.672 und 5.731 Punkten.
| Index | Veränderung | Schlussstand |
|---|---|---|
| Nikkei 225 (Japan) | −2,3 bis −2,4 Prozent | rund 63.148 Punkte |
| Topix (Japan) | −1,2 bis −1,3 Prozent | rund 3.956 Punkte |
| Kospi (Südkorea) | −3,48 bis −5 Prozent | rund 5.672 bis 5.731 Punkte |
| Shanghai Composite (China) | −0,3 bis −0,9 Prozent | keine Angabe |
| Hang Seng (Hongkong) | +1,5 bis +1,7 Prozent | keine Angabe |
Chip-Zulieferer traf es besonders hart: In Japan sackte Advantest um 9,1 Prozent ab, Tokyo Electron verlor 5,6 Prozent. Andere Berichte nennen zusätzlich Kursverluste bei Lasertec von zehn bis 13 Prozent und bei Kioxia von acht bis neun Prozent. In Südkorea gerieten Samsung Electronics mit minus 4,96 Prozent und SK Hynix mit minus 5,77 Prozent unter Druck. Beide Schwergewichte dominieren den Kospi.
Nicht alle Märkte folgten dem Trend: Der Hang Seng in Hongkong gewann 1,5 bis 1,7 Prozent hinzu, während der Shanghai Composite mit 0,3 bis 0,9 Prozent nur leicht nachgab.
Binance-Hack erschüttert die Kryptomärkte
Zeitgleich mit den enttäuschenden Tech-Bilanzen räumte die Kryptobörse Binance am 29. und 30. Oktober 2026 einen gravierenden Sicherheitsvorfall ein. Den eigenen Angaben zufolge summiert sich der Gesamtschaden auf etwa 6,3 Milliarden US-Dollar. Das auf Blockchain-Analysen spezialisierte Unternehmen Chainalysis schätzte die tatsächlich - wenn auch nur vorübergehend - gestohlene Summe auf bis zu 5,9 Milliarden US-Dollar, ehe ein Teil der Gelder gesperrt werden konnte.
Ersten Untersuchungsergebnissen zufolge nahm der Angriff seinen Ausgang beim gehackten Laptop eines DevOps-Ingenieurs, über den sich die Täter Zugriff auf einen Service-Container verschafften und so unautorisierte Auszahlungen auslösten. Laut Einschätzung der Analysefirma TRM Labs steckt mit hoher Wahrscheinlichkeit die mutmaßlich aus Nordkorea stammende Gruppe TraderTraitor hinter dem Angriff; die Experten sehen Ähnlichkeiten zum Bybit-Hack aus dem Jahr 2025 sowie zum KelpDAO-Vorfall vom April 2026.
Binance gab bekannt, gemeinsam mit Partnerunternehmen etwa drei Milliarden US-Dollar der entwendeten Mittel auf der Blockchain gesperrt zu haben. Dabei fror der Stablecoin-Anbieter Tether rund 1,567 Milliarden USDT ein, Circle sicherte etwa 800 Millionen USDC. Zudem stoppte die Börse zeitweise Ein- und Auszahlungen in mehreren Netzwerken und sicherte zu, entstandene Verluste sowohl über den Nutzerschutzfonds SAFU als auch aus eigenen Rücklagen zu kompensieren.
Die Folgen zeigten sich unmittelbar am Bitcoin-Kurs: Die Leitwährung rutschte auf ein Sechs-Wochen-Tief von etwa 77.600 bis 78.500 US-Dollar ab, wobei der Tagesverlust je nach Quelle zwischen zwei und 4,8 Prozent liegt. Innerhalb von 24 Stunden mussten Krypto-Derivate im Wert von rund 1,49 Milliarden US-Dollar zwangsweise aufgelöst werden. Auch Aktien von Kryptobörsen gerieten unter Druck: Die Coinbase-Aktie büßte im nachbörslichen US-Handel 4,8 Prozent ein.















