Rentenreform im Realitätscheck: Was Bert Rürup der Politik zutraut

Bert Rürup
Foto: picture alliance/dpa | Soeren Stache
Bert Rürup

In einem Interview mit der "Süddeutschen Zeitung" äußert sich Rentenexperte Bert Rürup skeptisch zur aktuellen Rentenpolitik. Er erklärt, warum die gesetzliche Rente an Grenzen stößt und welche Reformen nötig wären.

Die Bundesregierung hat eine neue Rentenkommission eingesetzt, die bis Mitte 2026 Vorschläge für eine langfristige Reform vorlegen soll. In einem Interview mit der „Süddeutschen Zeitung“ ordnet der Ökonom Bert Rürup die Erwartungen an das Gremium ein.

Inhaltlich sieht Rürup die Rentenpolitik vor einer unbequemen Wahrheit. Angesichts des demografischen Wandels könne die gesetzliche Rente den Lebensstandard künftig nicht sichern. „Die gesetzliche Rente wird den in den letzten Arbeitsjahren gewohnten Lebensstandard durchweg nicht sichern können.“ Dieses Ziel habe das System auch früher nur begrenzt erreicht.


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Priorität müsse daher sein, die Rente armutsfest zu machen. Die Grundrente bewertet Rürup als richtigen Schritt. Ergänzend spricht er sich für ein obligatorisches kapitalgedecktes System für jüngere Jahrgänge aus, auch wenn dessen Wirkung erst langfristig greife.

Das von der Koalition beschlossene Rentenpaket sieht Rürup kritisch. Die Stabilisierung des Rentenniveaus bei 48 Prozent sei teuer und erschwere eine nachhaltige Ausrichtung. Auch die Ausweitung der Mütterrente bezeichnet er als Klientelpolitik. Die Aktivrente und die Frühstarter-Rente hält er für Nebenmaßnahmen ohne strukturelle Wirkung.

Modelle wie ein Renteneintritt nach Beitragsjahren lehnt Rürup ab, da sie den solidarischen Charakter der gesetzlichen Rente gefährden könnten. Kapitalgedeckte Elemente wie eine Aktienrente seien denkbar, erforderten jedoch enorme Mittel und böten keine kurzfristige Entlastung.

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