Bis vor zwei Jahren noch war es regelmäßig möglich, die Anzahl der Private-Equity- und Venture-Capital-Fonds für deutsche Privatanleger an einer Hand abzuzählen, also jene Fonds, die das Kapital in nicht-börsennotierte Unternehmen investieren. Gelegentlich wechselte zwar mal ein Fondsanbieter, aber in der Regel waren kaum mehr als vier oder fünf Publikumsfonds aus dieser Assetklasse parallel in der breiteren Platzierung. Über viele Jahre kontinuierlich am Markt waren lediglich die Dachfonds von Munich Private Equity (vormals RWB) und die direkt investierenden MIG Fonds des Emissionshauses HMW sowie meistens ein Angebot von Wealthcap.
Seit 2024 und vor allem 2025 indes ist das Angebot sprunghaft gewachsen. Auslöser ist die Reform des Vehikels European Long Term Investment Fund (ELTIF) per Januar 2024. Damit entfielen strenge Restriktionen unter anderem in Bezug auf die Mindestbeteiligung und persönliche Eignung der Anleger. Seitdem dürfen diese Fonds grundsätzlich ab einem Euro an jedermann verkauft werden.
Das lockte neue Anbieter an, vielfach aus den Reihen der internationalen Investmentgesellschaften, zumal ELTIFs – anders als die bis dahin im Publikumsvertrieb zulässigen geschlossenen alternativen Investmentfonds (AIFs) – die Möglichkeit vorsehen können, dass die Kunden den Anteil während der Laufzeit kündigen beziehungsweise zurückgeben.
Damit ist zwar die Notwendigkeit verbunden, dass die Fonds Liquidität für die möglichen Auszahlungen vorhalten müssen, da das Kapital in den Zielunternehmen gebunden ist und in der Regel nicht ohne Weiteres flüssig gemacht werden kann beziehungsweise dafür im Einzelfall unter Umständen ein ungünstiger Zeitpunkt wäre. Das kann zu Lasten der Rendite gehen. Dennoch kam eine Vielzahl von Investment Managern mit solchen Konzepten erstmals auf den Markt.
23 Private-Equity-Fonds in Platzierung
So können Kunden und Vertrieb Anfang 2026 unter nicht weniger als 23 Private-Equity-Fonds wählen, die sich nach Kenntnis der Redaktion in der Platzierung an Privatanleger befinden (siehe Tabelle Seite 3). Dabei ist die Abgrenzung der Assetklasse nicht in jedem Fall einfach, etwa zu den Infrastruktur-ELTIFs von Swiss Life Asset Managers, UBS und Union Investment.
Diese investieren zwar ebenfalls in erster Linie in Beteiligungen an nicht-börsennotierten Unternehmen, haben aber keinen klassischen Private-Equity-Ansatz. Vielmehr liegt der Schwerpunkt darauf, an den laufenden Erträgen der Infrastruktur-Assets und -Unternehmen zu partizipieren. Private-Equity-Fonds haben hingegen in der Regel das Ziel, die Unternehmen weiterzuentwickeln beziehungsweise dies zu finanzieren und die Beteiligung mit Wertsteigerung über die Börse oder anderweitig wieder zu veräußern. Ein laufender Cash-Flow ist üblicherweise nicht geplant oder allenfalls zweitrangig.
Auch sind eine Reihe von ELTIFs generell auf „Private Markets“ ausgerichtet. Dazu zählt zwar in der Regel auch Private Equity, aber zum Beispiel auch Private Debt, Immobilien oder Infrastruktur. Der angestrebte Private-Equity-Anteil ist meistens allenfalls als grobe Bandbreite angegeben oder bleibt gänzlich offen. Diese „Multi-Alternative“-Konzepte sind in der Übersicht der aktuellen Fonds ebenfalls nicht enthalten.
Neue Anbieter rühren die Werbetrommel
Auf der anderen Seite ist nicht in jedem Einzelfall sicher, dass sich die aufgeführten Fonds wirklich (noch) im Vertrieb befinden. Denn es ist vielfach davon zu hören, dass es an der einen oder anderen Stelle im Vertrieb noch hakt. Aber alle diese Fonds haben den Vertriebsstart gegenüber der europäischen Wertpapieraufsicht ESMA angezeigt und dabei auch den beabsichtigten Vertrieb an deutsche Privatanleger angekündigt. In die Tabelle aufgenommen wurden davon nur jene Fonds, deren Angebotsunterlagen sich entweder in deutscher Sprache auf Websites von Vertrieben und Anbietern finden und/oder deren Start per Pressemitteilung angekündigt wurde.
Jedenfalls zum Vertriebsstart rühren die meisten der neuen Anbieter mehr oder weniger kräftig die Werbetrommel für ihr neues Produkt, was der Assetklasse entsprechende Aufmerksamkeit beschert. Das Trommeln ist noch deutlich lauter geworden, seit auch große Digitalplattformen Private Equity für sich entdeckt haben und das Thema damit noch breitere Kundenschichten erreicht als bislang. So nahm die Plattform Scalable im Februar 2025 den Private Equity Fund des US-Investmentriesen Blackrock in ihr Angebot auf, ab 10.000 Euro Einlage und darüber hinaus auch als Sparplan.
Trade Republic mit dem lautesten Aufschlag
Im August 2025 kündigte auch die Plattform NAO an, verschiedene ELTIFs zur digitalen Zeichnung anzubieten – mit Sparplänen ab einem Euro. Darunter sind der Venture Capital Fonds von Redstone, der Evergreen Secondary Fund von UBS sowie ein Private Equity Fonds von Partners Group. „Mit unseren neuen Sparplänen räumen wir mit dem Klischee auf, dass nur Wohlhabende und Gutverdienende in Privatmärkte investieren können“, so Robin Binder, CEO und Gründer von NAO.
„Mit einem Euro kann heute jeder anfangen, langfristig Vermögen aufzubauen. Das ist ein Paradigmenwechsel, der diese Anlageklassen für die Breite öffnet“, betont er. Das neue Angebot richtet sich „gezielt an eine junge, digitalaffine und langfristig denkende Zielgruppe, die stabilisierende und renditestarke Anlagemöglichkeiten jenseits des klassischen Aktienmarkts sucht.“
Den lautesten Aufschlag indes hatte Trade Republic, die sich selbst als „Europas größte Sparplattform“ bezeichnet und nach eigenen Angaben zehn Millionen Kunden in 18 europäischen Märkten erreicht. Sie gab im September strategische Partnerschaften mit den Private Equity Managern Apollo und EQT bekannt. „Nach unserer Expansion ins Bankgeschäft mit Girokonten und Karten ist dies der bedeutendste Meilenstein seit unserer Gründung“, stufte Christian Hecker, Co-Founder von Trade Republic, die Neuerung sehr hoch ein.
Zielrendite zwölf Prozent
Entsprechend breit ging das Unternehmen in die Werbung, unter anderem mit einer „Marktzielrendite“ von zwölf Prozent pro Jahr. Das sorgte bei manchen Beobachtern – einschließlich „Tagesschau“ und „Spiegel“ – für Stirnrunzeln, denn eine solche Rendite ist jedenfalls auf Anlegerebene nur mit viel Glück oder Inkaufnahme hoher Risiken zu erwarten. Unabhängig von der Frage, ob sich alle Interessenten ausreichend mit den Besonderheiten und Risiken von Investitionen außerhalb der Börse auseinandersetzen, dürfte die Werbung der Plattform aber einige Aufmerksamkeit der Kunden hervorgerufen haben.












