EXKLUSIV

Schwemme an Private-Equity-Fonds: Das große Trommeln

Dabei ist Trade Republic keineswegs das Ende der Fahnenstange. Andere Unternehmen stellen teilweise noch weitaus höhere Renditen in Aussicht, wenn auch meist nicht so plakativ. So gibt die UBS im gesetzlich vorgeschriebenen Basisinformationsblatt (BIB) ihres Private Equity Evergreen Secondary Fund nach Abzug der Kosten im „mittleren Szenario“ bei einer Haltedauer von fünf Jahren eine jährliche Durchschnittsrendite von sagenhaften 20,4 Prozent an. Selbst bei einem Ausstieg nach nur einem Jahr weist das BIB im „mittleren Szenario“, das nicht wenige Interessenten als den zu erwartenden Normalfall verstehen werden, noch eine Rendite von 17,8 Prozent für den Kunden aus.

Das wird wahrscheinlich den – teilweise verqueren – gesetzlichen Vorschriften gerecht, entspricht aber nicht unbedingt dem typischen Verlauf einer Private-Equity-Investition und setzt eine äußerst positive Entwicklung voraus. Doch auch solche Zahlen werden dazu beitragen, dass Kunden sich mit der Anlageklasse beschäftigen.

„Medialer Durchbruch geschafft“

„2025 schaffte das Thema Private Equity für Privatanleger dank des ELTIFs den medialen Durchbruch, befeuert durch den Eintritt neuer Marktteilnehmer – insbesondere großer Neo-Broker“, bestätigt Nico Auel, Vorstand der Munich Private Equity (MPE). Das Unternehmen bietet – über Vertriebspartner – seit über 25 Jahren kontinuierlich Private-Equity-Dachfonds für Privatanleger an und ist ausschließlich auf diese Assetklasse spezialisiert. „In der breiten Anlegerschaft ist Private Equity jedoch noch lange nicht angekommen und wir erwarten, dass der ELTIF auch 2026 nicht der neue ETF wird“, so Auel weiter.

2025 hat auch die MPE – neben ihrem etablierten Publikums-AIF – einen Private-Equity-ELTIF auf den Markt gebracht. Unglücklich über die vielen neuen Wettbewerber ist Auel nicht. „Die Produktlandschaft wird breiter, und die Unterschiede zwischen Strategien und Laufzeiten nehmen zu – damit steigt der Orientierungsbedarf für Anleger“, sagt er. Private Equity folge eigenen Regeln: Struktur, Liquidität und langfristige Mechaniken unterscheiden sich deutlich von klassischen Wertpapieren. „Entscheidend ist, welches Ziel ein Produkt erfüllt und welche Rolle es im Portfolio spielen kann. Ohne fundierte Beratung ist diese Einordnung für viele Anleger kaum möglich“, betont Auel. 

Bandbreite der Angebote groß

So ist auch im klassischen Markt die Bandbreite der Angebote inzwischen groß. Sie reicht von breit angelegten Private Equity Fonds diverser Anbieter über Konzepte für bestimmte Marktsegmente wie Unternehmen rund um die Energiewende (Apollo, Oddo BHF), den Zweitmarkt für Zielfondsanteile (Morgan Stanley) oder den Lower Mid Market, also mittelständische Unternehmen (MPE) bis zum direkt investierenden Venture Capital Fonds der MIG Capital AG mit HMW als Emissionshaus.

HMW wiederum hat daneben mit dem RockPhant ELTIF 1 zusammen mit Hansainvest als Service-KVG einen Private-Equity-Dachfonds als ELTIF aufgelegt. Mindestbeteiligung: Ein Euro. „Mit RockPhant ELTIF 1 schaffen wir als Ergänzung zu unseren MIG Fonds eine depotfähige Möglichkeit für Privatanleger, an ausgewählten europäischen Private-Equity-Strategien teilzunehmen“, so Dr. Matthias Hallweger, Vorstand der HMW.

So unterschiedlich die Konzepte sind, so haben sie doch eines gemein: Die Ergebnisse der Fonds werden – neben den individuellen Leistungen des Managements und der Entwicklung der konkreten Zielunternehmen – von der allgemeinen Marktentwicklung im jeweiligen Anlagesegment beeinflusst.

Brachial-Politik von US-Präsident Donald Trump

Diese war in jüngster Zeit nicht immer nur positiv. So hatte auch die Private-Equity-Branche nach dem Beginn des Ukraine-Kriegs im Februar 2022, den anschließenden internationalen Verwerfungen und dem weltweiten Zinsanstieg zunächst mit einigen Turbulenzen und einem Rückgang der Unternehmensbewertungen sowie der Transaktionsaktivitäten zu kämpfen. In die beginnende Erholung der Branche krachte dann im Frühjahr 2025 die Brachial-Politik von US-Präsident Donald Trump, die auch Private-Equity-Investments nicht unberührt ließ.

„Die Exit-Aktivität wurde im April 2025 durch die Zollankündigungen von Donald Trump spürbar gebremst. Viele Transaktionen wurden zunächst verschoben, insbesondere im Large-Cap-Segment“, berichtet MPE-Vorstand Auel. „Im weiteren Verlauf des Jahres – vor allem ab dem dritten Quartal – gewann der Markt spürbar an Fahrt. Besonders robust zeigte sich der Lower Mid-Market, der weniger abhängig von günstigen IPO-Fenstern oder attraktiven Finanzierungskonditionen ist“, so Auel weiter. „Die Robustheit des Segments sehen wir auch in unseren Rückflüssen: Ausschüttungen und Volumina bleiben seit Jahren konstant“, betont er.

Das bestätige, dass der Lower Mid-Market in unterschiedlichen Marktumfeldern stabiler agiert als größere, stärker konjunkturabhängige Segmente. „Für 2026 erwarten wir, dass sich die positive Marktdynamik fortsetzt. Das über die vergangenen Jahre aufgebaute, inzwischen gereifte Dry Powder erzeugt zusätzlichen Investitionsdruck – insbesondere im Large-Cap-Segment. Größere Fonds bedienen sich bei Zukäufen häufig im Lower Mid-Market, um Kapital effizient zu platzieren. Vor diesem Hintergrund dürfte sich dieses Segment auch 2026 als besonders stabiler und verlässlicher Rückflusstreiber erweisen“, prognostiziert der MPE-Vorstand.

Lange Liste der Unternehmen, die Exit anstreben

Insgesamt ist die Liste der Private-Equity-Unternehmen, die einen Exit anstreben, lang, berichtet der Manager Neuberger Berman. „Die Transaktionsaktivitäten nehmen zwar wieder zu. Es wird aber voraussichtlich mehrere Jahre dauern, bis der Rückstau an Private-Equity-Portfoliounternehmen, die einen Exit anstreben, abgebaut ist“, erläutert Anthony D. Tutrone, Global Head of Alternatives bei Neuberger Berman, in seinem Ausblick für 2026. Positiv sei, dass dieses Umfeld weiterhin Chancen für Anbieter von Liquidität für Private-Equity-Sponsoren und ihre Investoren schaffe.

„Secondaries, Kapitallösungen und Co-Investments in Eigenkapital bieten unserer Ansicht nach potenziell attraktive Chancen über mehrere Jahre“, so Tutrone. Er erwartet zudem, „dass die Private Markets eine wichtige Rolle bei der Finanzierung des massiven Ausbaus der KI-bezogenen Infrastruktur spielen werden“. Eine weitere, möglicherweise noch tiefgreifendere Veränderung sei der immer bessere Zugang zu den privaten Märkten für vermögende Privatanleger sowie Retail-Investoren. „Nachdem der ELTIF in weiten Teilen Europas diesen Markt geöffnet hat, wird dies nun auch durch neue Regelungen des US-Arbeitsministeriums vorangetrieben, dank derer betriebliche Altersvorsorgepläne in die Private Markets investieren dürfen“, konstatiert Tutrone.

Europäischer Industriesektor als „Zugpferd“

Ein anderes „Zugpferd für die langersehnte Erholung im Private-Equity-Markt“ sieht hingegen eine Studie der MP Corporate Finance: Den europäischen Industriesektor. Das geht aus dem „MP Industrial Private Equity (MPiPE) Indicator“ hervor, der auf einer Befragung von mehr als 4.000 Senior-Private-Equity-Professionals in Europa basiert.

Nach einem Jahr restriktiver Finanzierungsbedingungen und aufgeschobener Exits zeichne sich „eine Phase des kontrollierten Optimismus“ ab: „Die verzögerten Exit-Prozesse bei Private-Equity-Fonds haben zu einem deutlichen Verkaufsstau geführt. Gepaart mit dem zunehmenden Druck auf die Investoren, Kapital rückzuführen, treibt das entgegen vieler Marktanalysen die Verkaufserwartungen an“, erklärt Roman Göd, Gründungs- und Managing Partner bei MP. 

Generell spielt der Branche auch ein anderer Punkt in die Karten: Angesichts der anhaltenden makroökonomischen und geopolitischen Volatilität profitieren Private Markets von einer zyklischen Entkopplung und vielfältigen Risikoquellen, die ihre relative Attraktivität erhöhen und Portfolios widerstandsfähiger machen können. Dieser Ansicht ist Dr. Nils Rode, Chief Investment Officer bei Schroders Capital.

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Lesen Sie hier, wie es weitergeht.

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