Silber zwischen Euphorie und Einbruch: Was hinter der Volatilität steckt

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Läuft die Silber-Rallye weiter?

Der Silberpreis hat im Januar eine historische Achterbahnfahrt hingelegt. Auf ein Rekordhoch folgte binnen zwei Tagen ein Einbruch um rund 40 Prozent. Hinter der extremen Volatilität stehen Spekulation, regulatorische Eingriffe und Zinsängste, so der Edelmetallhändler Ophirum. Doch die fundamentalen Treiber bleiben intakt.

Edelmetallanleger erlebten im Januar außergewöhnliche Turbulenzen. Der Silberpreis stieg zunächst auf ein Allzeithoch von rund 122 Dollar je Feinunze, nur um anschließend innerhalb von zwei Handelstagen um etwa 40 Prozent einzubrechen. Die Volatilität kletterte auf mehr als 140 Prozent und lag damit deutlich über dem Höchststand der Finanzkrise 2008/2009 von 86 Prozent.

Bemerkenswert ist die Entwicklung bei börsengehandelten Produkten. Trotz der Rally verzeichneten die meisten Vehikel Nettoabflüsse. Gegenüber Ende Dezember sanken die Bestände um rund 46 Millionen Unzen. Nach dem Rücksetzer erholte sich der Preis von seinem Jahrestief bei rund 70 Dollar auf etwa 76 Dollar je Feinunze. Damit notiert Silber trotz der Korrektur rund vier Prozent höher als zu Jahresbeginn.


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Auch die Mittelströme drehten zuletzt wieder ins Positive. In den ersten sieben Handelstagen des Februars summierten sich die Zuflüsse auf rund 19 Millionen Unzen. Der Markt bleibt damit in Bewegung – sowohl preislich als auch auf der Investorenseite.

Spekulation und Zinsängste als Auslöser

Ein Markt, der im Vorjahr um mehr als 150 Prozent zugelegt hat, reagiert empfindlich auf Stimmungswechsel. Silber gilt im Vergleich zu Gold als deutlich kleinerer Markt und ist daher anfälliger für Übertreibungen und abrupte Korrekturen.

Ein wesentlicher Treiber der extremen Ausschläge liegt in China. Dort nutzen viele Anleger Silber als Anlageoption für unproduktives Kapital. Die Immobilienkrise dauert an, die Aktienmärkte entwickeln sich schwach, Bankzinsen verharren auf niedrigen Niveaus. In diesem Umfeld schaukelte sich die Spekulation – befeuert durch gehebelte Positionen und soziale Medien – weiter auf. Der einzige börsengehandelte Silberfonds des Landes, der UBS SDIC Silver Futures Fund, notierte zeitweise mit einem Aufschlag von rund 100 Prozent auf den inneren Wert seiner Bestände.

Die Korrektur setzte am 30. Januar ein. Als möglicher Auslöser gilt die Nominierung von Kevin Warsh zum künftigen Präsidenten der US-Notenbank. Er steht für eine restriktivere Geldpolitik, was zinslose Anlagen wie Silber belasten kann. Aufgrund von Tageslimits fiel der Markt zunächst um 17 Prozent, anschließend beschleunigten Zwangsliquidationen gehebelter Positionen die Abwärtsbewegung.

Angebotsdefizit trifft steigende Industrienachfrage

Regulatoren hatten zuvor versucht, die Spekulation einzudämmen. Die Shanghai Futures Exchange senkte binnen zehn Tagen zweimal die Positionslimits für Silber-Futures, mehrere Händler wurden wegen mutmaßlicher Absprachen gesperrt. Auch der Silberfonds wurde mehrfach vom Handel ausgesetzt. Die Eingriffe verstärkten jedoch die Nervosität. Zeitweise waren am wichtigen Edelmetallmarkt in Shenzhen Silberbarren ausverkauft.

Unabhängig von den kurzfristigen Turbulenzen sprechen mehrere fundamentale Faktoren für eine strukturelle Knappheit. Silber spielt als Industriemetall eine wachsende Rolle, insbesondere in der Solarenergie, der Elektromobilität und der Elektronik. Die Nachfrage steigt, während das Förderangebot kaum Schritt hält. Reale Zinsen bleiben niedrig, physische Bestände sind begrenzt.

Die Kombination aus anhaltend hoher, teils wachsender Nachfrage und einem stagnierenden bis leicht rückläufigen Minenangebot führt zu einem spürbaren Angebotsdefizit. 2026 dürfte damit bereits das sechste Jahr in Folge von einer strukturellen Unterversorgung des Silbermarktes geprägt sein.

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