um Jahreswechsel steigt die Zahl der durch Feuerwerkskörper beschädigten Fahrzeuge deutlich an. Nach Schätzungen des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft geraten in der Silvesternacht bis zu 1.000 kaskoversicherte Pkw in Brand, so viele wie sonst in einem ganzen Monat. Im Jahr 2023 zahlten Versicherer für rund 14.200 Pkw-Brände etwa 100 Millionen Euro, im Schnitt mehr als 7.100 Euro je Schaden.
„Feuerwerk gehört für viele zum Jahreswechsel dazu, aber für Autobesitzer kann es teuer werden“, sagt Alexander Held, Kfz- und Versicherungsexperte der Verti Versicherung AG. Raketen seien meist harmlos, da sie beim Herabfallen häufig nur Schmutz hinterließen, der sich leicht entfernen lasse.
Problematisch werde es, wenn Feuerwerkskörper direkt auf dem Fahrzeug explodieren. „Schmauchspuren und Schwarzpulverreste können den Lack angreifen und sind oft nur mit Politur zu entfernen“, sagt Held. Tiefe Kratzer könnten zudem spätere Rostschäden verursachen. Besonders teuer seien Glasschäden, da eine Windschutzscheibe schnell mehrere Hundert Euro koste und Schäden an Seiten- oder Heckscheiben noch höhere Kosten verursachten.
Welche Versicherung für Schäden aufkommt
Illegale Böller mit hoher Sprengkraft können nach Einschätzung des Experten Schäden in Höhe von mehreren Tausend Euro verursachen. Im Extremfall könne ein Fahrzeug vollständig ausbrennen, wenn Feuerwerkskörper ins Wageninnere gelangen. „Das ist selten, aber nicht ausgeschlossen“, sagt Held. Besonders vorsichtig sollten Fahrer von Cabrios mit Stoffverdeck sein.
Grundsätzlich hafte der Verursacher eines Schadens. Dessen private Haftpflichtversicherung übernehme den Schaden, sofern kein Vorsatz vorliege. Voraussetzung sei allerdings, dass der Täter bekannt ist. „In der Realität sind der oder die Täter bei Böllerschäden in der Neujahrsnacht oft nicht zu ermitteln“, sagt Held.
Dann greife die eigene Kfz-Kaskoversicherung, sofern sie besteht. Wer ausschließlich eine Kfz-Haftpflicht abgeschlossen hat, bleibt auf den Kosten sitzen. Die Teilkasko decke Schäden durch Brand, Explosion und Glasbruch ab, während die Vollkasko zusätzlich für Vandalismusschäden aufkomme. Bei einer Regulierung über die Vollkasko sei jedoch mit einer Rückstufung in der Schadenfreiheitsklasse zu rechnen, bei der Teilkasko nicht.
Elektroautos und Versicherungswechsel
Auch Elektroautos sind von Silvesterschäden betroffen. „Ein Brand bei einem E-Auto ist besonders heikel, weil die Batterie schwer zu löschen ist“, sagt Held. Zudem könnten Reparaturen deutlich teurer ausfallen als bei Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor. Die Teilkasko greife auch hier, sofern Batterieschäden ausdrücklich mitversichert seien. Nicht jede Police decke dieses Risiko ab.
Da viele Autofahrer ihre Kfz-Versicherung zum Jahreswechsel wechseln, stellt sich bei Schäden in der Neujahrsnacht häufig die Zuständigkeitsfrage. Entscheidend sei der Zeitpunkt des Schadens. „Es zahlt der Versicherer, bei dem der Vertrag zu diesem Zeitpunkt in Kraft ist“, sagt Held. Da sich viele Schäden kurz nach Mitternacht ereigneten, sei in der Praxis meist der neue Versicherer zuständig, sofern der Vertrag ab 0 Uhr wirksam sei.
Um Risiken zu reduzieren, empfiehlt der Experte, das Auto in der Silvesternacht möglichst in einer Garage oder einem Parkhaus abzustellen. Wer keinen geschützten Stellplatz hat, sollte eine ruhige Seitenstraße wählen oder das Fahrzeug mit einer schwer entflammbaren Abdeckung schützen. Zudem rät Held, das Auto am Neujahrsmorgen umgehend zu kontrollieren, da vereinzelt Feuerwerkskörper im Auspuff platziert würden. Wer Alkohol getrunken habe, solle das Fahrzeug ohnehin stehen lassen.
















