Stablecoins: Laut globaler Studie werden sie zunehmend zum Alltagsgeld

Foto: Smarterpix/iqoncept
Stablecoins bald Alltagszahlungsmittel?

Stablecoins galten lange als Instrument für den Kryptohandel. Eine globale Studie zeigt nun: Immer mehr Nutzer erhalten Einkommen in digitalen Dollar-Token und setzen sie für alltägliche Zahlungen ein. Besonders gefragt ist die Anbindung an Banken und Fintechs.

Stablecoins entwickeln sich laut einer aktuellen Untersuchung zunehmend vom Handelsinstrument zum alltagstauglichen Zahlungsmittel. Für den „Stablecoin Utility Report“ befragte BVNK gemeinsam mit YouGov mehr als 4.600 Krypto-affine Nutzer und Early Adopters in 15 Ländern. Partner der Studie waren Coinbase und das Research-Unternehmen Artemis.

Stablecoins sind Kryptowährungen, die im Verhältnis eins zu eins an den US-Dollar gekoppelt sind. Ziel ist es, Preisschwankungen zu vermeiden und damit eine stabile digitale Recheneinheit für Transaktionen bereitzustellen. Befragt wurden Personen, die aktuell Kryptowährungen besitzen, diese in den vergangenen zwölf Monaten gehalten haben oder einen Erwerb planen.

Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Stablecoins nicht mehr ausschließlich für spekulative Zwecke eingesetzt werden. Vielmehr nutzen viele Befragte sie für konkrete finanzielle Anforderungen im Alltag – insbesondere für internationale Überweisungen und regelmäßige Zahlungen.

Einkommen und Gebührenersparnis im Fokus

39 Prozent der Befragten geben an, Zahlungen in Stablecoins zu erhalten, etwa von Familienangehörigen, im Rahmen grenzüberschreitender Arbeit oder als Honorar. Bei diesen Nutzern machen Stablecoins im Schnitt 35 Prozent des Jahreseinkommens aus.

Drei Viertel der Empfänger sehen dadurch bessere Möglichkeiten für internationales Geschäft. 76 Prozent der Händler auf Online-Marktplätzen berichten von höherem Verkaufsvolumen. Zudem sparen Empfänger im Vergleich zu klassischen Überweisungen im Durchschnitt 40 Prozent an Gebühren.

Chris Harmse, Mitgründer von BVNK, ordnet die Ergebnisse ein: „Wenn wir über Stablecoins sprechen, hören wir meist nur die großen Zahlen: Hunderte Milliarden Dollar Marktkapitalisierung, Billionen an jährlichem Transaktionsvolumen. Doch wenn man in London oder New York sitzt, fragt man sich vielleicht: Wann habe ich zuletzt mit Stablecoins bezahlt? Wann habe ich auf einer Website die Option ‚Mit Stablecoins bezahlen‘ gesehen? Diese Skepsis ist nachvollziehbar. Also: Wie werden Stablecoins tatsächlich genutzt?

Genau das wollten wir mit diesem Bericht herausfinden. Stablecoins werden in der realen Welt eingesetzt, weil sie reale Probleme lösen. Menschen erhalten bereits Zahlungen in Stablecoins und geben sie aus – insbesondere dort, wo traditionelle Zahlungssysteme langsam, teuer oder unzuverlässig sind. Sie nutzen Stablecoins wie Alltagsgeld und wünschen sich eine stärkere Integration in bestehende Finanztools, um weiterhin von dieser Revolution im Zahlungsverkehr zu profitieren.“

Alltagsnutzung und Wunsch nach Bankintegration

27 Prozent der Stablecoin-Besitzer setzen diese aktiv für alltägliche Ausgaben ein. Im Durchschnitt halten sie rund 200 US-Dollar in ihren Wallets, primär für laufende Zahlungen und nicht als Anlage. 52 Prozent der Krypto-Besitzer haben gezielt bei Händlern eingekauft, die Stablecoins akzeptieren; in Schwellenländern liegt dieser Anteil bei 60 Prozent.

Als wichtigste Motive nennen die Befragten niedrigere Gebühren mit 30 Prozent, höhere Sicherheit mit 28 Prozent und globale Verfügbarkeit mit 27 Prozent. 42 Prozent würden Stablecoins gerne für größere Anschaffungen nutzen, tatsächlich tun dies bislang jedoch nur 28 Prozent.

Gleichzeitig wünschen sich viele eine stärkere Einbindung in bestehende Finanzangebote. 77 Prozent würden eine Stablecoin-Wallet bei ihrer Hausbank oder ihrem bevorzugten Fintech eröffnen, sofern ein entsprechendes Angebot besteht. 71 Prozent interessieren sich für eine verknüpfte Debitkarte, um Stablecoins im Alltag auszugeben.

Regionale Unterschiede und regulatorische Dynamik

Besonders ausgeprägt ist die Nutzung in Regionen mit eingeschränktem Zugang zu effizienten Zahlungssystemen. 60 Prozent der Krypto-affinen Befragten in Schwellenländern halten Stablecoins, in Afrika sind es 79 Prozent. In einkommensstarken Ländern geben 45 Prozent der Krypto-Nutzer an, Stablecoins zu besitzen. Dort liegen die durchschnittlichen Bestände bei rund 1.000 US-Dollar, in Schwellenländern bei 85 US-Dollar.

John Turner, Group Product Manager für Stablecoins bei Coinbase, erklärt: „In vielen Schwellenländern wurden Stablecoins aus der Not heraus angenommen. Was sich jetzt ändert, ist, dass Menschen in Industrieländern ähnliche Frustrationen beim Geldtransfer erleben. Sie wünschen sich sofortige, globale und kostengünstige Zahlungen. Mit der Weiterentwicklung der Regulierung in den USA, Großbritannien und Europa werden Stablecoins zunehmend als praktische Weiterentwicklung bestehender Zahlungssysteme wahrgenommen – und nicht mehr als Nischenprodukt aus der Krypto-Welt.“

Anthony Yim, Mitgründer und CEO von Artemis, ergänzt: „Wir erleben einen deutlichen Verhaltenswandel in der Nutzung von Stablecoins. Krypto-affine Nutzer und Early Adopters setzen sie bereits selbstverständlich ein – zum Bezahlen und um bezahlt zu werden. Das treibt die globale Massenadoption voran. Das Angebot an Stablecoins ist in den vergangenen fünf Jahren um 500 % gestiegen. Zusammen mit zahlreichen Gesetzesinitiativen in verschiedenen Ländern ist klar: Wir erreichen einen Wendepunkt.“

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