EXKLUSIV

„Strategie schlägt Timing – das gilt heute mehr denn je“

Foto: Thomas Bernhardt
Karen Armenakyan: „Gerade in einem anspruchsvollen Marktumfeld zeigt sich der Mehrwert aktiven Managements.

Karen Armenakyan hat zum 1. Januar 2026 die Leitung der LBBW Asset Management übernommen. Der langjährige LBBW-Manager will den Vermögensverwalter in einem zunehmend anspruchsvollen Marktumfeld strategisch weiterentwickeln. Im Gespräch erläutert Armenakyan, warum Kundenfokus und Technologie – insbesondere Künstliche Intelligenz – zentrale Hebel der Zukunft sind, weshalb Anleger trotz geopolitischer Unsicherheiten weiterhin auf Aktien setzen sollten und welche Rolle Alternatives, Infrastruktur und Rohstoffe künftig im Portfolio spielen können.

Herr Armenakyan, Sie haben zum 1. Januar 2026 den Vorsitz der Geschäftsführung der LBBW Asset Management übernommen. Mit Blick nach vorn: Wo sehen Sie die wichtigsten strategischen Hebel?
Armenakyan: Ich bin im Januar als neuer Vorsitzender der Geschäftsführung mit klarem Anspruch gestartet: unsere Position als verlässlicher Partner für institutionelle und private Anleger zu stärken
und den Erfolg der vergangenen Jahre auszubauen. Von Vorteil ist dabei sicherlich, dass ich bereits Mitte 2025 viele Tätigkeiten in der LBBW Asset Management aufnehmen konnte und seitdem intensiv
an der Weiterentwicklung des Unternehmens beteiligt bin. Gleichzeitig verändern die Passivierung in der Branche, regulatorische Anforderungen, wachsender Kostendruck und geopolitische Unsicherheiten unser Geschäft strukturell. Darauf dürfen wir nicht abwartend reagieren, sondern müssen proaktiv handeln.

Für mich ergeben sich zwei zentrale Hebel: Der erste ist unser konsequenter Kunden- und Produktfokus. Wir setzen auf eine ausgewogene Mischung aus spezialisierten, innovativen Strategien – mit unseren Themenfonds wie dem LBBW Sicher Leben, dem LBBW Internet der Zukunft oder unseren Rohstofffonds – und stabilen Basisbausteinen wie dem LBBW Geldmarktfonds. Gleichzeitig entwickeln
wir unser Angebot entlang der Anlageklassen weiter, ohne dass es um Produktbreite um jeden Preis geht.

Der zweite zentrale strategische Hebel: Technologie, insbesondere Künstliche Intelligenz. Wir beschäftigen uns mit KI nicht nur als Investmentthema in unseren Fonds, sondern treiben mit Hochdruck die Modernisierung unseres Hauses voran. Unser Anspruch ist es, Prozesse entlang der Wertschöpfungskette – vom Research über das Portfoliomanagement bis ins Back Office – mithilfe modernster Technologie schneller, präziser und effizienter zu gestalten. KI wird unsere Analysten und Portfoliomanager dabei nicht ersetzen, ihnen jedoch die bestmögliche Unterstützung bieten.

Was hat Sie persönlich gereizt, diese Aufgabe zu übernehmen – und welche Vision verfolgen Sie für die LBBW Asset Management in den kommenden Jahren?
Armenakyan: Mich reizt die Chance, das Unternehmen in einem sich in Rekordzeit verändernden Umfeld weiterzuentwickeln und für die Zukunft auszurichten. Ich bin seit fast zehn Jahren im LBBW-Konzern tätig und habe die Asset Management daher bereits aus der Perspektive als Partner in der Vermögensverwaltung kennengelernt. Gereizt haben mich nicht nur die Produkte, sondern vor allem auch die Menschen dahinter. Meine Vision: Wir wollen uns durch echte Differenzierung und
Partnerschaften auf Augenhöhe hervorheben und in einem kompetitiven Umfeld nachhaltig wachsen. Dafür entwickeln wir flexible, digitale und moderne Prozesse, die Effizienz und Qualität verbinden. Die
enge Einbindung in den LBBW-Konzern ist ein strategischer Vorteil, den wir gezielt nutzen. Natürlich bleiben wir dabei auch unserer regionalen Verwurzelung und Identität treu.

Das Marktumfeld derzeit ist herausfordernd und geopolitische Verwerfungen erschweren verlässliche Prognosen. Raten Sie Anlegern trotzdem weiterhin zu Aktien?
Armenakyan: Wer langfristig Vermögen aufbauen möchte, kommt an Aktien nicht vorbei. Die Historie zeigt, dass sich Investitionen in diversifizierte Aktienportfolios mittel- und langfristig auszahlen.
Volatilität und geopolitische Spannungen treten immer wieder auf – aber sie ändern nichts am
grundlegenden Potenzial von Unternehmen, Wert zu schaffen. Ich glaube, dass es den perfekten
Einstiegszeitpunkt in der Praxis kaum gibt. Wer investiert, sollte eine klare Strategie verfolgen
und diszipliniert umsetzen. Strategie schlägt Timing. Entscheidend ist es, die richtigen Titel im Portfolio zu haben. Der Aufschwung im Technologiesektor in den vergangenen Jahren ist ein gutes Beispiel. Andere Sektoren bieten ebenfalls Potenzial – auch in Deutschland und Europa. Ich bin überzeugt, dass
es am Kapitalmarkt für jeden das passende Produkt gibt. Gerade in einem anspruchsvollen Marktumfeld zeigt sich der Mehrwert aktiven Managements. Aktiv gemanagte Fonds ermöglichen es, Trends zu nutzen, gleichzeitig Risiken bewusst zu steuern und Portfolios flexibel anzupassen. Hinter jeder Investition stehen erfahrene Analysten, Portfoliomanager und ein professionelles Risikomanagement.

Welche Assetklassen und Produktsegmente sollen künftig bei der Asset Management im Mittelpunkt stehen – insbesondere mit Blick auf Alternatives, Infrastruktur oder Immobilien?
Armenakyan: Was künftig im Mittelpunkt steht, entscheidet der Kunde. Wir sehen, dass Anleger nach Lösungen suchen, die Themen unserer Zeit aufgreifen. Dazu gehören Technologie, Sicherheit oder
strukturelle Transformation – Themen, die wir mit entsprechenden Strategien adressieren. Gleichzeitig bleibt die Nachfrage nach soliden, verlässlichen Basisprodukten hoch. Einen klaren Wachstumstrend gibt es auch bei alternativen Anlagen. Wir sehen einen starken Bedarf sowie den politischen und gesellschaftlichen Willen, Infrastruktur stärker durch privates Kapital zu finanzieren. Dafür braucht es geeignete Produkte und Plattformen, die nicht nur institutionellen Investoren, sondern auch Privatanlegern den Zugang zu diesen Märkten ermöglichen. Zudem wollen viele Anleger am Potenzial anderer illiquider Anlageformen partizipieren. Entscheidend ist hier die richtige Asset Allocation im Gesamtportfolio.

Abschließend noch eine Frage zu einer Anlageform, die derzeit enorm im Fokus steht: Wie beurteilen Sie derzeit Investitionen in Rohstoffe?
Armenakyan: Gold hat seit Sommer 2025 eine beeindruckende Rallye hingelegt und in Phasen geopolitischer Unsicherheit seine Rolle als Stabilitätsanker bewiesen. Gleichzeitig verdeutlicht der Konflikt im Nahen und Mittleren Osten die strategische Bedeutung von Energie, insbesondere Öl.
Weniger im Rampenlicht stehen Zukunftsrohstoffe. Metalle und Materialien, die für Digitalisierung, Elektromobilität, erneuerbare Energien oder Halbleiterproduktion unerlässlich sind, gewinnen an Bedeutung. Ohne sie ist technologischer Fortschritt nicht möglich. Diese langfristigen Trends gehen über kurzfristige Marktbewegungen hinaus. Aus Anlegersicht erfüllen Rohstoffe also zwei Funktionen: Sie können Portfolios stabilisieren, insbesondere in Krisenzeiten, und sie können – je nach Marktphase – Werttreiber sein. Somit sind sie ein sinnvoller Baustein in einem diversifizierten Portfolio. Vorausgesetzt,
sie werden strategisch und mit Augenmaß eingesetzt.

Interview: Frank O. Milewski, Cash.

Weitere Artikel
Abonnieren
Benachrichtigen bei
0 Comments
Inline-Feedbacks
Alle Kommentare anzeigen