Die Haltedauer von Portfoliounternehmen steigt weiter. Siebzig Prozent der von FTI-Andersch und dem Center for Corporate Transactions and Private Equity der HHL Leipzig befragten Private-Equity-Gesellschaften geben an, geplante Exits zunächst verschieben zu müssen. Fünfzehn Prozent rechnen sogar mit deutlich späteren Verkäufen. Hauptgrund ist die aktuelle Marktlage, die aus Sicht vieler Fonds keine auskömmlichen Bewertungen zulässt.
Die Untersuchung zeigt zugleich, dass der Bewertungsdruck breit verankert ist. Fünfundsechzig Prozent der Befragten sehen sinkende Bewertungen ihrer Portfoliounternehmen, fünf Prozent sprechen von einem signifikanten Abschlag. Als wichtigste Treiber nennen die Fonds höhere Zinsen sowie eine rückläufige Liquidität in den Unternehmen. Operative Verbesserungen und Kostensenkungen gewinnen dadurch an Bedeutung.
„Die Wirtschaftskrise in Deutschland macht auch vor den in Deutschland ansässigen PE-Gesellschaften nicht Halt“, sagt Prof. Dr. Bernhard Schwetzler, Leiter des CCTPE an der HHL Leipzig. Viele Fonds seien in mittelständische Unternehmen investiert, die nun mit veränderten Rahmenbedingungen konfrontiert seien. Niedrige Zinsen und starker Anlagedruck hätten in der Vergangenheit dazu geführt, dass höhere Risiken eingegangen wurden, die sich nun bemerkbar machten.
Sinkende Liquidität belastet Portfolios
In jedem vierten Portfolio verschlechtert sich nach Angaben der Fonds die Liquiditätssituation. Hauptursache sind rückläufige Umsätze, gefolgt von gestiegenen operativen Kosten und höheren Finanzierungskosten. Ein Fünftel der Befragten berichtet zudem von Verstößen gegen Finanzierungsauflagen.
Um Engpässe abzufedern, setzen die Gesellschaften vor allem auf ein strengeres Working-Capital-Management, weitere Kostensenkungen und zusätzliches Eigen- oder Fremdkapital. Trotz dieser Maßnahmen sind die Probleme teils erheblich.
„Zwar hat nur eine Minderheit Liquiditätsprobleme, aber diese sind dann oft besonders gravierend“, sagt Dr. Martin Schneider, Senior Managing Director bei FTI-Andersch und Co-Autor der Studie. Sinkender Absatz mache einige Unternehmen derzeit praktisch unverkäuflich. Fonds müssten daher prüfen, welche Beteiligungen realistisch saniert werden können und wo ein früher Ausstieg wirtschaftlich sinnvoller sei.
Refinanzierungen werden anspruchsvoller
Die angespannte Liquiditätslage führt zu erhöhtem Refinanzierungsbedarf. Siebzig Prozent der befragten Gesellschaften haben in den vergangenen 24 Monaten Refinanzierungen durchgeführt. Hauptauslöser war Liquiditätsbedarf, daneben spielten strategische Restrukturierungen und regulär anstehende Refinanzierungen eine Rolle.
Gleichzeitig verschärfen Banken ihre Kreditvergabepraxis. Achtzig Prozent der Fonds beobachten in einzelnen Branchen eine deutlich restriktivere Haltung, vierzig Prozent sprechen von signifikanten Einschränkungen. Häufige Folgen sind höhere Risikoprämien, strengere Covenants und zusätzliche Sicherheiten.
Schneider beschreibt die Entwicklung als strukturell: Prüfungen seien vor allem in Branchen wie Automotive, Maschinenbau oder Handel deutlich intensiver geworden. In manchen Fällen komme es gar nicht mehr zu einer Refinanzierung, was Unternehmen existenziell unter Druck setze. Entscheidend sei daher ein vorausschauendes Liquiditätsmanagement.
Dividenden bleiben aus
Die schwächere Finanzlage wirkt sich auch auf Ausschüttungen aus. Mehr als die Hälfte der befragten Fonds berichtet von eingeschränkten oder stark eingeschränkten Dividenden aus ihren Portfoliounternehmen. Hauptgrund ist ein rückläufiger Cashflow, daneben halten viele Gesellschaften Mittel bewusst für Investitionen zurück.
Mit Blick nach vorn bleiben die Erwartungen gedämpft. Jedes vierte Unternehmen schätzt das Umfeld für Dividenden auch mittelfristig als deutlich schlechter ein, während vierzig Prozent von einer vorübergehenden Schwäche ausgehen.
„Für Deutschland gibt es derzeit keine Hinweise auf eine schnelle Erholung“, sagt Schneider. Einzelne Unternehmen könnten sich behaupten, insgesamt blieben die strukturellen Herausforderungen jedoch bestehen.












