Die stark gestiegenen Kraftstoffpreise setzen klassische Tankstellenbetreiber zunehmend unter Druck. In diesem Umfeld fallen die Tankstellen des Textilherstellers Trigema durch vergleichsweise niedrige und stabile Preise auf. In einzelnen Fällen liegt der Preisvorteil bei bis zu 20 Cent pro Liter gegenüber regionalen Wettbewerbern.
Das Unternehmen betreibt drei Tankstellen an seinen Standorten in Baden-Württemberg. Anders als große Mineralölkonzerne verfolgt Trigema eine bewusst einfache Preisstrategie. Kraftstoff wird in größeren Mengen eingekauft und mit einem festen Aufschlag weiterverkauft.
Ein zentrales Merkmal ist die geringe Preisdynamik. Während viele Anbieter ihre Preise mehrfach täglich anpassen, bleibt der Preis bei Trigema konstant, bis eine neue Lieferung eintrifft.
Stabile Preise statt kurzfristiger Optimierung
Im aktuellen Marktumfeld zeigt sich die Wirkung dieses Ansatzes besonders deutlich. Während Wettbewerber ihre Preise zu bestimmten Zeitpunkten spürbar anheben, etwa im Zuge regulatorischer Vorgaben, verzichtet Trigema auf solche Anpassungen.
Das sorgt für eine höhere Preistransparenz und ein insgesamt stabileres Preisniveau. Gleichzeitig steigt die Nachfrage deutlich. In Hochphasen kann dies dazu führen, dass Kraftstoff vorübergehend ausverkauft ist.
Aus betriebswirtschaftlicher Sicht verzichtet das Unternehmen damit bewusst auf kurzfristige Margenoptimierung zugunsten einer konstanten Kalkulation. Dieses Vorgehen unterscheidet sich klar von datengetriebenen Preismodellen großer Tankstellenketten.
Tankstellen als strategisches Nebengeschäft
Die Tankstellen sind für Trigema kein Kerngeschäft, sondern historisch gewachsen und eng mit den Produktionsstandorten verbunden. Diese Einbettung reduziert den wirtschaftlichen Druck, maximale Margen zu erzielen.
Gleichzeitig entstehen indirekte Effekte. Die günstigen Preise erhöhen die Frequenz an den Standorten und stärken die regionale Kundenbindung. Für ein mittelständisches Unternehmen kann dies über den reinen Kraftstoffverkauf hinaus strategische Vorteile bringen.
Das Modell zeigt eine Form der Diversifikation, bei der ein Nebengeschäft gezielt zur Positionierung genutzt wird, ohne im Zentrum der Gewinnmaximierung zu stehen.
Impulse für Investoren und Berater
Für den Kapitalmarkt liefert der Fall mehrere Ansatzpunkte. Einfache und transparente Preismodelle können in volatilen Märkten Vertrauen schaffen. Gleichzeitig zeigt sich, dass nicht jedes Geschäftssegment isoliert auf maximale Rendite ausgerichtet sein muss.
Gerade im Mittelstand können solche Ansätze Teil einer übergeordneten Strategie sein, die Stabilität und langfristige Kundenbeziehungen in den Fokus stellt. Für Berater stellt sich damit die Frage, wie stark Geschäftsmodelle auf kurzfristige Optimierung ausgerichtet sein sollten.
Die Entwicklung bei Trigema verdeutlicht, dass alternative Preisstrategien auch in wettbewerbsintensiven und regulierten Märkten funktionieren können, wenn sie konsequent umgesetzt und in ein tragfähiges Gesamtkonzept eingebettet sind.















