Der Konflikt im Iran dürfte die zarten Knospen des Wachstums in der Eurozone welken lassen, bevor sie eine Chance bekommen zu erblühen. Kaum eine Region leidet so stark unter den gestiegenen Energiepreisen. Wir rechnen mit kurzfristig spürbaren, aber letztlich mittelfristig überschaubaren Auswirkungen des Konflikts und nach dem Ende des Krieges sogar mit deutlich fallenden Ölpreisen.
Zentralbanken: Neubewertung übertrieben
Durch den Iran-Krieg und die gestiegenen Energiepreise hat eine ‚hawkishe‘ Neubepreisung der Zinserwartungen stattgefunden. Vor Ausbruch des Konflikts erwartete der Markt noch mehr als 2 Zinssenkungen in den USA und 0,5 in der Eurozone. Stand heute sind in der Eurozone 3,5 und in den USA 0,5 Zinsanhebungen eingepreist. Wenngleich die Marktreaktion nachvollziehbar ist, halten wir dieses Repricing für übertrieben.
Die Europäische Zentralbank dürfte die Zinsen bis zum Jahresende daher nicht so stark anheben, wie der Markt es aktuell preist. In den USA sind Zinsanhebungen unwahrscheinlicher als in der Eurozone. Es spricht einiges für ein Stillhalten der Federal Reserve, bis sich der Nebel, der durch den Iran-Konflikt erzeugt wurde, gelichtet hat.
Renten: attraktive Spreads bei Euro-Banken- und Unternehmensanleihen
Am Anleihemarkt rechnen wir mit Blick nach vorne bei längeren Bund-Laufzeiten grundsätzlich weiterhin mit höheren Renditen. Eine Beruhigung des Konfliktes hätte das Potenzial, vor allem die Renditen kürzerer Laufzeiten zu drücken. Als attraktiv erachten wir die aktuellen Spread-Niveaus bei Euro-Banken- und Unternehmensanleihen.
Vergleicht man die Entwicklungen an Zins- und Credit-Märkten in den letzten Wochen, fällt auf, dass letztere besser abschneiden. Das deutet darauf hin, dass der Markt zwar besorgt über die Inflations- und Zinsaussichten ist, aber hinsichtlich des Wachstums weiterhin zuversichtlicher bleibt – sogar in Europa. Wir nutzen die Spread-Ausweitungen für Zukäufe.
Aktien: gesunde Marktbereinigung in Europa
Am Aktienmarkt liegen seit Jahresbeginn Value-Aktien sowie defensive Werte klar vorne. Das ist nachvollziehbar: Befeuert durch den Konflikt im Iran haben Anleger ihre Portfolios deutlich risikoärmer aufgestellt und tendenziell ihr Aktienexposure reduziert. Während sich die Gewinnerwartungen in den letzten Wochen jedoch erstaunlich gut gehalten haben, war der Kursrückgang bei Aktien vor allem auf sinkende Kurs-Gewinn-Verhältnisse zurückzuführen. In Bezug auf Europa, wo die Kursgewinne der letzten zwei Jahre bei sehr geringem Gewinnwachstum vor allem dank einem Anstieg der Multiples stattgefunden haben, kann dies als eine gesunde Bereinigung interpretiert werden.
In Europa sind die Positionierungen nach den Entwicklungen seit Anfang März inzwischen nun jedoch so defensiv bzw. in puncto Aktiengewichtung so gering wie zuletzt nach dem Überfall Russlands auf die Ukraine. Das allein ist ein durchaus starkes Kaufsignal.













