Die hohe Steuer- und Abgabenlast auf Arbeit in Deutschland ist nach Einschätzung der Bundesregierung ein ernstzunehmender Standortnachteil. Das zeigt eine aktuelle Analyse des PKV-Verbands. Im Jahreswirtschaftsbericht 2026 stellt das Bundeswirtschaftsministerium fest, dass die Gesamtbelastung aus Steuern und Sozialabgaben deutlich über dem OECD-Durchschnitt liegt. Dies wirke sich negativ auf Arbeitsanreize aus, erschwere die Beschäftigungsaufnahme und schwäche die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen.
Diese Einschätzung deckt sich mit mehreren aktuellen Unternehmensbefragungen. Besonders stark im Fokus stehen dabei die Sozialabgaben, die aus Sicht vieler Betriebe inzwischen das größte wirtschaftspolitische Problem darstellen.
Sozialabgaben verdrängen Bürokratie von Platz eins
Laut einer Umfrage des Verbands Die Familienunternehmer bereitet der Anstieg der Sozialabgaben 87 Prozent der Betriebe große Sorgen. Damit lösen die Lohnzusatzkosten die Bürokratielast durch Berichtspflichten ab, die im Vorjahr noch als größtes Problem genannt wurde. Auch steigende Anforderungen im Arbeitsrecht, Steuererhöhungen und die Verschuldung der Kommunen werden von einer Mehrheit der Unternehmen kritisch gesehen.
Eine weitere Befragung aus dem Jahresmonitor der Stiftung Familienunternehmen zeigt, dass Arbeitgeber insbesondere die Steuer- und Abgabenbelastung ihrer Beschäftigten als problematisch empfinden. Keine andere steuerliche Belastung wird demnach als stärker wahrgenommen. Dabei geht es den Unternehmen nicht allein um die direkten Kosten, sondern auch um die Auswirkungen auf Arbeitsangebot und Leistungsbereitschaft. Wenn ein großer Teil des Bruttolohns durch Steuern und Abgaben aufgezehrt wird, sinkt nach Einschätzung vieler Betriebe die Motivation für Mehrarbeit.
Besonders deutlich fällt die Kritik an der Belastung der Belegschaften aus. In einer Umfrage geben 82,9 Prozent der Unternehmen an, die Steuer- und Abgabenlast der Beschäftigten als stark oder sehr stark belastend zu empfinden. Auch die Gewerbesteuer sowie die Abgaben auf Energie werden von einer großen Mehrheit kritisch beurteilt.

Abgabenlast droht weiter zu steigen
Nach Einschätzung mehrerer Institute ist eine Entspannung nicht in Sicht. Daten des IGES-Instituts aus dem Januar 2026 zufolge könnte der Gesamtbeitragssatz in der Sozialversicherung bis zum Jahr 2035 auf 50 Prozent steigen. In einer Studie des Instituts für Wirtschaftsforschung heißt es, die Unternehmen befürchten insbesondere weitere Beitragserhöhungen in der Renten- und Krankenversicherung und damit weiter steigende Lohnnebenkosten.

Die fehlende Reformbereitschaft zur Stabilisierung der Sozialversicherungen erweise sich dabei zunehmend als Investitionsbremse. In einem internationalen Vergleich belegt Deutschland beim Standortfaktor Kosten laut IW-Daten nur Platz 44 von 45 untersuchten Ländern.
Ein wesentlicher Treiber der steigenden Abgaben ist die demografische Entwicklung. Die umlagefinanzierten Sozialversicherungssysteme geraten unter Druck, weil sich das Verhältnis zwischen Erwerbstätigen und Rentnern zunehmend verschiebt. Gleichzeitig wächst die Zahl der Hochaltrigen deutlich.
Demografie verschärft Finanzierungsprobleme
Nach aktuellen Prognosen steigt die Zahl der über 80-Jährigen von 6,1 Millionen im Jahr 2024 auf rund 8,5 bis 9,8 Millionen im Jahr 2050. Da Pflegebedürftigkeit vor allem im hohen Alter auftritt und im Jahr 2023 etwa die Hälfte der über 80-Jährigen pflegebedürftig war, dürften die Ausgaben der Pflegeversicherung spürbar zunehmen.
Vor diesem Hintergrund wächst der Reformdruck auf die sozialen Sicherungssysteme. Aus Sicht vieler Beobachter sind strukturelle Anpassungen notwendig, um die Finanzierung langfristig tragfähig zu gestalten. Diskutiert werden unter anderem eine stärkere Eigenverantwortung sowie ergänzende kapitalgedeckte Elemente. Der Verband der Privaten Krankenversicherung hat hierzu insbesondere für die Pflegeversicherung konkrete Reformvorschläge vorgelegt, die steigende Lohnzusatzkosten vermeiden sollen.
Die Bundesregierung erkennt den Handlungsbedarf an. Im Jahreswirtschaftsbericht heißt es, man setze auf eine wachstumsfreundliche und sozial ausgewogene Steuer- und Abgabenstruktur. Ziel sei es, die Finanzierung der Sozialversicherung nachhaltig zu gestalten, die Beiträge zu stabilisieren und zusätzliche Belastungen für Arbeitnehmer und Arbeitgeber zu begrenzen.
















