Am Mittwoch werden die US-Verbraucherpreise für September veröffentlicht, am Donnerstag folgen die Erzeugerpreise. Beide Berichte sind wichtige Impulse für die Zinserwartungen und beeinflussen damit Anleiherenditen, den US-Dollar und die Aktienmärkte.
Im August lag der PPI bei 5,4 Prozent im Jahresvergleich und damit deutlich über dem CPI von 3,4 Prozent. Die Kerninflation beim CPI betrug 2,4 Prozent. Das deutet darauf hin, dass vor allem Energie und andere volatile Faktoren die Gesamtinflation treiben, während der strukturelle Preisdruck bislang vergleichsweise moderat bleibt.
Ein hoher PPI kann jedoch ein Vorbote für einen steigenden CPI sein, wenn Unternehmen ihre höheren Produktionskosten zeitverzögert an die Verbraucher weitergeben. Für die Fed ergibt sich zunächst kein maximaler Handlungsdruck. Dieser würde zunehmen, wenn die Kerninflation weiter steigt oder dauerhaft auf erhöhtem Niveau bleibt.
Inflation wirkt je nach Konjunkturlage unterschiedlich
In einer robusten Konjunktur könnten Unternehmen mit hoher Preissetzungsmacht steigende Kosten leichter an ihre Kunden weitergeben. Starke Marken, dominante Marktpositionen und eine solide Nachfrage würden ihnen helfen, ihre Margen zu schützen.
Kühlte sich die Konjunktur jedoch ab, würde das deutlich schwieriger. Besonders hart träfe es hochverschuldete Unternehmen. Höhere Zinsen und teurere Refinanzierungen würden ihren finanziellen Spielraum weiter einengen. Kapitalintensive Branchen müssten Investitionen oder Projekte möglicherweise verschieben, wenn gleichzeitig die Finanzierungskosten stiegen und die Nachfrage nachließe.
KI wirkt kurzfristig inflationär und langfristig deflationär
Kurzfristig treibt der Ausbau von Rechenzentren die Nachfrage nach Strom, Kupfer, Chips und spezieller Infrastruktur an. Hohe Investitionen treffen dabei auf begrenzte Ressourcen und können die Produktionskosten erhöhen.
Langfristig könnte sich der Effekt umkehren. KI kann Prozesse in der Verwaltung, im Kundenservice und in der Softwareentwicklung effizienter machen. Sinkende Kosten und eine höhere Produktivität könnten dadurch preisdämpfend wirken.
Entscheidend ist der Übergang von der Investitions- zur Produktivitätsphase. Zunächst dürften die hohen Ausgaben dominieren, später könnten die Effizienzgewinne überwiegen. Das birgt ein Bewertungsrisiko, weil die Aktienkurse die langfristigen KI-Chancen möglicherweise bereits vorwegnehmen, während kurzfristig noch hohe Investitions- und Betriebskosten auf den Margen lasten.
Unternehmen, die KI tief in ihre eigenen Prozesse integrieren, könnten ihre Kostenbasis senken und ihre Margen verbessern. Der entscheidende Vorteil liegt deshalb nicht nur im Verkauf von KI-Technologie, sondern auch in ihrer erfolgreichen Nutzung.
Gleichzeitig könnte der globale Ausbau von Rechenzentren, Stromnetzen und Halbleiterfabriken die Nachfrage nach Kapital, Energie und Rohstoffen dauerhaft erhöhen. Das könnte zu strukturell höheren Zinsen beitragen und Unternehmen mit schwachen Bilanzen langfristig unter Druck setzen.
Deutung für Anleger
Für Aktienanleger gewinnt Qualität in einem inflationären und von höheren Zinsen geprägten Umfeld an Bedeutung. Unternehmen mit starken Bilanzen, stabilem Cashflow und geringer Verschuldung sind besser positioniert, steigende Kosten und höhere Finanzierungskosten zu verkraften.
Auch Preissetzungsmacht bleibt ein entscheidender Vorteil. Unternehmen sollten in der Lage sein, höhere Kosten weiterzugeben, ohne dabei deutlich Kunden zu verlieren. Steigende Umsätze allein reichen jedoch nicht aus. Entscheidend ist, ob ein Unternehmen seine Margen trotz Inflation stabil halten oder sogar ausweiten kann.
Diversifikation bleibt King
In diesem Umfeld ist Diversifikation so gut wie Pflicht. Globale ETFs können das Risiko einzelner Inflationsverlierer oder überbewerteter KI-Gewinner reduzieren. Wer einzelne Aktien auswählt, sollte Unternehmen mit Preissetzungsmacht, stabilen Cashflows und unterschiedlichen Zinsprofilen kombinieren.
Autor Maximilian Wienke ist Marktanalyst bei eToro.















