In der Saison 2024/25 haben die fünf großen europäischen Fußballligen insgesamt 4.456 Verletzungen verzeichnet. Damit liegt der Wert knapp unter dem Rekordniveau der Spielzeit 2021/22. Auffällig ist jedoch, dass die Gesamtkosten mit 676,14 Millionen Euro deutlich unter denen der beiden Vorjahre liegen. Das geht aus dem fünften Men’s European Football Injury Index des Versicherungsmaklers Howden hervor, der Daten aus Bundesliga, Premier League, La Liga, Ligue 1 und Serie A auswertet.
Über einen Zeitraum von fünf Jahren summieren sich die Verletzungen in den Topligen auf 22.596 Fälle. Die dadurch entstandenen Kosten belaufen sich auf rund 3,45 Milliarden Euro. Innerhalb dieses Vergleichs nimmt die Bundesliga eine Sonderrolle ein: Keine andere Liga weist eine ähnlich hohe Verletzungsrate auf.
Spieler deutscher Bundesligisten waren in den vergangenen fünf Spielzeiten insgesamt 6.177 Mal verletzt. Das entspricht durchschnittlich 1.235 Verletzungen pro Saison und ist der höchste Wert unter allen untersuchten Ligen. Statistisch gesehen tritt in der Bundesliga alle 569 Spielminuten eine Verletzung auf.
Bundesliga mit hoher Frequenz, aber kürzeren Ausfällen
Trotz der hohen Zahl an Verletzungen liegt die durchschnittliche Ausfalldauer pro Fall unter dem Ligavergleich. Auch die Kosten pro Verletzung bleiben vergleichsweise niedrig. Als einzige der fünf Topligen kommt die Bundesliga im Schnitt auf weniger als 100.000 Euro je Verletzung, während dieser Wert in der englischen Premier League mehr als doppelt so hoch ist.
Insgesamt verursachen Verletzungen in der Bundesliga dennoch erhebliche finanzielle Belastungen. Pro Saison fallen im Durchschnitt Kosten von 115,95 Millionen Euro an. Jörn Prehn, Leiter Profisport und Sonderrisiken bei der Himmelseher Sportversicherung, sagt: „Die Bundesliga weist im Vergleich zu den anderen Topligen Europas seit Jahren die höchste Verletzungsrate auf. Dieser Umstand und die damit verbundenen Aufwände in Höhe von mehr als EUR 100 Mio. nehmen Einfluss auf das Risikomanagement betreffend die Personalkosten bzw. Transferwerte der Bundesligisten.“
Besonders auffällig sind einzelne Vereinsstatistiken. In den vergangenen fünf Spielzeiten gab es sieben Fälle, in denen Klubs mehr als 100 Verletzungen innerhalb einer Saison verzeichneten. Sechs dieser Fälle entfallen auf Bundesligisten. Borussia Mönchengladbach war in den Spielzeiten 2022/23 und 2023/24 jeweils betroffen und kam dabei auf durchschnittlich 2,86 Verletzungen pro Pflichtspiel.
Einzelklubs und europäischer Vergleich
Auch Bayern München taucht mehrfach in der Statistik auf. In der Saison 2021/22 gewann der Klub trotz 103 Verletzungen die Meisterschaft. Ein Jahr später standen 107 Verletzungen zu Buche, rund 40 mehr als der Ligadurchschnitt. In dieser Spielzeit blieb dem Rekordmeister erstmals seit 2012/13 der Titel verwehrt. Über alle fünf untersuchten Saisons hinweg lag die Verletzungsquote der Münchner stets über dem Bundesliga-Durchschnitt.
Im europäischen Vergleich fallen vor allem die finanziellen Dimensionen in England ins Gewicht. Manchester United trug in den vergangenen fünf Jahren die höchsten Verletzungskosten aller Vereine. Allein in der Saison 2023/24 zahlte der Klub 53,89 Millionen Euro an Gehältern für verletzte Spieler. Chelsea folgt mit 52,22 Millionen Euro in der Saison 2022/23.
Positionsbezogen zeigt der Index, dass Stürmer trotz geringerer Einsatzzeiten besonders verletzungsanfällig sind. Zudem sind Spieler unter 21 Jahren in allen fünf Ligen relativ betrachtet am häufigsten betroffen.
Turnierbelastung und zeitverzögerte Effekte
Großereignisse wie die FIFA Klub-Weltmeisterschaft haben laut Howden nur begrenzten Einfluss auf die unmittelbare Verletzungszahl. In den drei Monaten nach dem Turnier zeigen sich jedoch bei einzelnen Klubs deutliche Ausschläge. Chelsea verzeichnete zwischen Juni und Oktober 2025 insgesamt 23 Verletzungen, ein Anstieg um 44 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Manchester City blieb während des Turniers verletzungsfrei, registrierte jedoch in den Monaten danach 22 Ausfälle.












