Der europäische Zementmarkt erholt sich von einer jahrzehntelangen Überversorgung, nachdem die schrittweise Abschaffung der Emissionszertifikate die Produktionskosten in die Höhe treibt und das Angebot knapp werden lässt. Begünstigt durch steigende Infrastrukturausgaben erzielen die Hersteller höhere Margen und profitieren von einer größeren Marktdisziplin. Diese strukturellen Veränderungen verwandeln den Zementmarkt von einem wenig rentablen, oft übersehenen Sektor in einen Markt mit verbesserten Fundamentaldaten und überzeugendem Renditepotenzial.
An einem Markt, in dem viele Unternehmen teuer bewertet sind, lassen sich Anlagevorteile erzielen, indem man Sektoren mit sich verbessernden Fundamentaldaten identifiziert, die sich noch nicht in den Kursen widerspiegeln. Ein solcher Bereich könnte der europäische Zementsektor sein, der aufgrund anhaltender Überkapazitäten und geringer Renditen lange Zeit ignoriert wurde. Da strukturelle Veränderungen auf der Angebotsseite und neue Nachfragequellen die Branche neu gestalten, beginnen sich die Aussichten für den Sektor zu verbessern.

Jasmeet Munday (Foto: J O Hambro)
Die schrittweise Abschaffung der kostenlosen Emissionszertifikate dürfte die Produktionskosten für den Sektor erhöhen und das Überangebot verringern. Die europäischen Infrastrukturausgaben werden die Nachfrage ankurbeln, während das Angebot knapper wird. Diese strukturellen Veränderungen verbessern die Renditen in einem Sektor, der von Investoren lange Zeit ignoriert wurde.
Die Kohlenstoffkorrektur
Die Zementindustrie ist seit langem durch eine starre Produktionsökonomie gekennzeichnet: Einmal gebaut, sind die Anlagen so kapitalintensiv und kostspielig in der Wartung, dass die Betreiber sie in der Regel unabhängig von der Nachfrage mit voller oder nahezu voller Auslastung betreiben. Gleichzeitig ist die Zementproduktion sehr kohlenstoffintensiv, sodass der Sektor stark von steigenden Kosten betroffen ist. Da die kostenlosen Emissionszertifikate des EU-Emissionshandelssystems ab 2026 auslaufen, wird jede Tonne produzierten Zements mit einer erheblichen und unvermeidbaren Kohlenstoffabgabe belegt – was einst ein Anreiz war, mit voller Kapazität zu produzieren, wird nun zu einer finanziellen Strafe und verändert die Angebotsdynamik der Branche.
Die Produktionskosten werden voraussichtlich um etwa 60 % steigen, was den größeren Zementherstellern in Europa Vorteile verschaffen dürfte. Dank ihrer Größe konnten sie kohlenstoffärmere Produkte entwickeln, alternative Brennstoffe einsetzen und in die Kohlenstoffabscheidung investieren, wodurch einige Zementhersteller mittlerweile kohlenstofffreien Zement produzieren. Diese Entwicklungen, zusätzlich verstärkt durch an höhere Renditeziele geknüpfte Unternehmensanreize, führen zu einem strukturellen Wandel hin zu mehr Effizienz.
Steigende Nachfrage, neue Dynamik
Expansive Finanzpläne wie die Verfassungsreform in Deutschland und die Schaffung eines neuen Infrastrukturfonds dürften die Investitionen in Straßen, Wohnraum und Energiesysteme beschleunigen. Die Ausgaben des Landes sollen ab 2026 steigen, was mit dem Beginn der Beschränkungen für die Zementversorgung zusammenfällt. Erste Anzeichen für diesen Wandel zeigen sich bereits in den steigenden Margen der großen europäischen Zementhersteller, trotz schwächerer Absatzzahlen in den letzten Quartalen.
Anstatt als Rohstoffindustrie mit anhaltendem Überangebot zu agieren, zeigt Zement zunehmend Merkmale, die mit höherwertigen Industriezweigen verbunden sind, darunter knappere Kapazitäten, disziplinierte Produktion und steigende Margen. Dieser Anstieg der öffentlichen Investitionen dürfte zu einem Anstieg der Absatzmengen beitragen und dem Sektor eine solidere Basis für stabilere Preise und bessere Renditen verschaffen.
Eine Chance nimmt Gestalt an
Nach Jahrzehnten des Überangebots und schwacher Renditen ist die europäische Zementindustrie auf dem Weg, eine diszipliniertere und profitablere Branche zu werden. Für Anleger ist diese Veränderung von Bedeutung: Ein zunehmend eingeschränktes Angebot und stärkere Preise schaffen die Voraussetzungen für nachhaltig höhere Renditen. Durch die Neugestaltung des Angebots aufgrund von CO2-Vorschriften und die Unterstützung der Nachfrage durch Infrastrukturausgaben wandelt sich die europäische Zementindustrie von einem ewigen Nachzügler zu einem Sektor mit echtem Renditepotenzial.
Autor Jasmeet Munday ist Fondsmanager des Global Opportunities Fund von J O Hambro.











