Warum Gold in Krisen nicht immer sofort schützt

Foto: Fürst Fugger Privatbank
Christian Curac, Fürst Fugger Privatbank: • „Solange die Zinserwartungen restriktiv bleiben und der Dollar stark, dürfte der Gegenwind für Gold anhalten.“

Gold gilt als sicherer Hafen in unsicheren Zeiten. Doch ausgerechnet während des Nahost-Konflikts ist der Preis deutlich gefallen. Dahinter stehen weniger die Krisen selbst als deren Folgen für Zinsen, Dollar und Liquidität.

Gold gilt gemeinhin als ultimativer Krisenschutz. Umso irritierender ist da, dass das Edelmetall seit Beginn des Nahost-Konflikts in der Spitze mehr als 20 Prozent verloren hat. Vom Allzeithoch bei knapp 5.600 US-Dollar je Feinunze Ende Januar ging es zeitweise bis auf rund 4.100 US-Dollar zurück. Ist der vermeintlich sichere Hafen vielleicht doch nicht so sicher, wenn man ihn braucht?


Das könnte Sie auch interessieren:

Entscheidend sei hier gar nicht die Geopolitik selbst, sagt Christian Curac, Leiter Asset Management der Fürst Fugger Privatbank. „Das, was auf den Goldpreis drückt, sind die sogenannten „Zweitrundeneffekte“. Also die Effekte, die dazu beitragen, dass es teurer wird, Gold zu kaufen.“ So habe der Krieg den Ölpreis auf über 100 US-Dollar je Barrel getrieben und damit die Inflationserwartungen befeuert. Die US-Notenbank habe darauf in ihrer März-Sitzung mit einem deutlich restriktiveren Ausblick reagiert: Statt der zuvor erhofften drei Zinssenkungen sehe es nun nach nur einer einzigen für das laufende Jahr aus. Die Realrendite 10-jähriger US-Staatsanleihen sei auf knapp 2 Prozent gestiegen, was die Opportunitätskosten für das zinslose Edelmetall erheblich erhöht habe. Und gleichzeitig habe auch noch der US-Dollar spürbar zugelegt und Gold für internationale Käufer zusätzlich verteuert.

Hinzu komme für Christian Curac ein Effekt, der paradoxerweise gerade die Qualität von Gold als liquide Anlageklasse belege: „In extremen Stressphasen verkaufen Anleger zuerst das, was sich am leichtesten und profitabelsten veräußern lässt. Nach einer Rallye von über 60 Prozent im vergangenen Jahr war Gold genau das.“ Auch hätten die Zentralbanken einzelner Schwellenländer zur Verteidigung ihrer Währungen Devisenreserven aufbauen müssen, was zusätzlich zum Verkaufsdruck beigetragen habe. Dieses Muster sei übrigens nicht neu. Sowohl in der Finanzkrise 2008 als auch im Covid-Schock 2020 sei Gold zunächst deutlich gefallen, bevor sich der Kurs in den Folgemonaten kräftig erholt habe, erläutert Curac: „Die kurzfristige Preisschwäche war nicht etwa ein Zeichen fundamentaler Schwäche, sondern war Ausdruck einer akuten Liquiditätsnot.“

Für die weitere Entwicklung gelte es, differenziert zu bleiben. „Solange die Zinserwartungen restriktiv bleiben und der US-Dollar stark, dürfte der Gegenwind für Gold anhalten“, so Curac. Mittelfristig sprächen jedoch die strukturellen Treiber unverändert für das Edelmetall. Vor allem seien dies die anhaltenden Zentralbankkäufe, fiskalische Expansion und wachsende Schuldenlast sowie die zunehmende geopolitische Fragmentierung. Christian Curac: „Für einen Wiedereinstieg ist darauf zu achten, wann sich der Zinspfad der Fed wieder in Richtung Lockerung dreht.“ Ein Selbstläufer dürfte die Erholung allerdings selbst dann nicht werden.


Top-Ergebnisse bei Markt-Mediastudien


Weitere Artikel
Abonnieren
Benachrichtigen bei
0 Comments
Inline-Feedbacks
Alle Kommentare anzeigen