Die abschlagsfreie Rente nach 45 Beitragsjahren soll fallen. Das empfiehlt die Rentenkommission 2026 in ihrem Bericht vom 23. Juni 2026. Die Rentenreform Rente mit 63 ist damit einer von 33 Vorschlägen, die das Gremium der Bundesregierung vorlegt. Berufen hatte die Bundesregierung die 13-köpfige Kommission im Dezember 2025, wie das Bundesministerium für Arbeit und Soziales mitteilt.
Betroffen wären mehr als 260.000 Menschen pro Jahr. 2024 genehmigte die Deutsche Rentenversicherung insgesamt rund 262.400 Anträge auf diese Altersrente für besonders langjährig Versicherte - im Durchschnitt mit einem monatlichen Betrag von 1.677 Euro. Darüber hinaus entschieden sich im gleichen Jahr etwa 238.000 Menschen für den regulären vorzeitigen Rentenbezug mit Abschlägen.
Was die Rentenkommission vorschlägt
Nach dem Konzept der Kommission soll ein vorzeitiger Rentenbeginn für besonders langjährig Versicherte künftig erst mit 64 Jahren möglich sein - und ausschließlich mit Abschlägen. Ausgenommen bleiben soll lediglich eine neu geschaffene „Schutzrente für langjährige Beitragszahler“. Davon profitieren sollen Personen, denen es gesundheitlich nicht mehr möglich ist, kurz vor Renteneintritt weiter zu arbeiten.
Auch die Deutsche Rentenversicherung Bund betont in ihrer Stellungnahme vom 23. Juni 2026, dass vorzeitige Altersrenten zukünftig ausschließlich mit Abschlägen ausgezahlt werden sollen. Ausnahmen bilden demnach Härtefallregelungen. DRV-Präsidentin Gundula Roßbach bezeichnet den Bericht als „ein klares Bekenntnis zu einer starken ersten Säule als Kernelement der Alterssicherung in Deutschland“.
Darüber hinaus plant die Kommission, die Regelaltersgrenze ab Beginn der 2030er-Jahre an die Lebenserwartung zu koppeln. Bei der Zeitschiene widersprechen sich die Quellen allerdings. Die Deutsche Rentenversicherung nennt einen schrittweisen Anstieg um rund sechs Monate von 67 auf 67,5 Jahre zwischen 2031 und 2041. Andere Darstellungen gehen hingegen von 2032 als Startjahr und 68 Jahren bis 2051 aus.
Die Rentenreform Rente mit 63 in Zahlen
Weitere Daten der Deutschen Rentenversicherung zeigen, wie viele Versicherte die Regelung nutzen. Für 2025 verzeichnet die Statistik 244.695 laufende Renten für besonders langjährig Versicherte. Davon hatten 134.645 Personen - etwa 55 Prozent - mindestens 47 Beitragsjahre vorzuweisen. Hinzu kamen im selben Jahr 262.361 Neuzugänge, deren durchschnittliches Zugangsalter bei 64,13 Jahren lag. Die Zahlen gehen auf eine Kleine Anfrage der Linken-Politikerin Sarah Vollath an das Bundesarbeitsministerium zurück.
| Kennzahl | Wert |
|---|---|
| Neuzugänge Rente mit 63 (2024) | 262.400 |
| Durchschnittliche Rentenhöhe (2024) | 1.677 Euro monatlich |
| Reguläre Frührente mit Abschlägen (2024) | rund 238.000 Zugänge |
| Laufende Renten besonders langjährig Versicherte (2025) | 244.695 |
| davon mit mindestens 47 Beitragsjahren (2025) | 134.645 (rund 55 Prozent) |
| Neuzugänge (2025) | 262.361 |
| Durchschnittliches Zugangsalter (2025) | 64,13 Jahre |
Streit zwischen Kanzler und SPD
Politisch ist die Rentenreform Rente mit 63 umstritten. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) befürwortet die Abschaffung. „Gesund und fit abschlagsfrei früher in Rente zu gehen, das ist weder gerecht, noch können die Rentenversicherung und unsere Volkswirtschaft sich das leisten“, sagt er.
Anders klingt es in der SPD. Fraktionschef Matthias Miersch hält die Empfehlung im Grundsatz für richtig. „Grundsätzlich halten wir das für eine richtige Grundlage“, sagt er. Zugleich verweist er auf den Widerstand an der Parteibasis: „Man wäre ein schlechter Parlamentarier, wenn man einfach darüber hinweggehen würde.“ Als mögliche Kompromisslinien bringt Miersch Übergangsfristen, Vertrauensschutzregeln und eine Schutzrente für Härtefälle ins Spiel.
Parteichef Lars Klingbeil hält dagegen fest, dass die SPD die abschlagsfreie Rente nach 45 Beitragsjahren nicht ohne Weiteres kippen werde. Union und SPD liegen damit beim Umfang der Reform über Kreuz.
Wer von der Rente mit 63 profitiert
Ob vor allem Gutverdiener von der Regelung profitieren, ist umstritten. Eine Studie des DIW Berlin vom 5. Juni 2019 wertete Verwaltungsdaten der Rentenversicherung zu westdeutschen männlichen Arbeitnehmern der Geburtsjahrgänge 1926 bis 1949 aus. Demnach wuchs der Unterschied in der Lebenserwartung zwischen dem untersten und dem obersten Einkommensdezil im Alter von 65 Jahren von vier Jahren bei den ältesten Jahrgängen auf bis zu sieben Jahre bei den Jahrgängen 1947 bis 1949.
Die IG Metall widerspricht der These, vor allem gutverdienende Männer profitierten von der Rente mit 63. Laut Gewerkschaftsangaben brachten Bezieher 2024 im Durchschnitt 47,4 Beitragsjahre sowie rund 1,003 Entgeltpunkte pro Jahr zusammen und bewegten sich damit in etwa auf Höhe des Durchschnittsverdienstes. Unter den Neuzugängen betrug der Frauenanteil demnach 44,5 Prozent, wobei die Rente im Schnitt bei rund 1.647 Euro monatlich lag. Der Sozialverband Deutschland nennt dagegen einen Frauenanteil von fast 50 Prozent und gibt an, deren Rente liege im Durchschnitt nur knapp über der Armutsgrenze.
SoVD-Vorstandsvorsitzende Michaela Engelmeier argumentiert mit körperlich belastenden Berufen. „Hunderttausende Erwerbstätige im Straßenbau, Teilen des Handwerks, in der Landwirtschaft oder auch im Bauwesen können nach 45 Jahren körperlicher Anstrengung schlicht nicht bis 65 oder gar 70 arbeiten“, sagt sie.
Nach Einschätzung der IG Metall würde eine Abschaffung den Beitragssatz zur Rentenversicherung bis zum Jahr 2050 lediglich um rund 0,2 Prozentpunkte reduzieren. Dabei handelt es sich um eine Einschätzung der Gewerkschaft, nicht um eine amtliche Berechnung.
Rentenreform Rente mit 63 bleibt zunächst eine Empfehlung
Der Bericht der Rentenkommission 2026 ist eine Empfehlung an die Bundesregierung. Solange Union und SPD über Übergangsfristen, Vertrauensschutz und die Ausgestaltung der Schutzrente streiten, bleibt offen, wann und in welcher Form die Rentenreform Rente mit 63 umgesetzt wird.















