Wie Anleger ab 50 ihr Portfolio neu ausrichten sollten

Dominik Mayr
Foto: Freedom24 Germany
Dominik Mayr

Viele Deutsche sehen ihre Altersvorsorge als unzureichend an. Auch mit 50 Jahren bleibt jedoch Zeit, gezielt gegenzusteuern. Welche Strategien dabei helfen können und worauf es in den letzten Berufsjahren ankommt, zeigt eine aktuelle Analyse.

Rund 40 Prozent der Bundesbürger rechnen mit einer Rentenlücke. Zu diesem Ergebnis kommt unter anderem eine Umfrage der R+V-Versicherung aus dem Jahr 2025. Vor diesem Hintergrund hat der Online-Broker Freedom24 eine Investmentstrategie für die Altersgruppe ab 50 Jahren skizziert.

Zentral ist dabei die Frage, wie viel Kapital bis zum Renteneintritt aufgebaut werden muss. „Auch mit 50 Jahren ist es noch möglich, die Rentenlücke zu schließen. Dabei sollte erst einmal an die 25x-Regel gedacht werden“, sagt Dominik Mayr, Manager bei Freedom24.

Diese Regel dient als Orientierung für den Kapitalbedarf im Ruhestand. Demnach entspricht das notwendige Vermögen dem 25-Fachen der jährlichen Ausgaben. Wer etwa 30.000 Euro pro Jahr benötigt, sollte rund 750.000 Euro zur Verfügung haben. Daraus lässt sich jährlich ein Anteil von vier Prozent entnehmen, ohne das Kapital kurzfristig aufzubrauchen.


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Mit zunehmendem Alter rückt der Kapitalerhalt stärker in den Fokus. Während jüngere Anleger hohe Aktienquoten tragen können, empfiehlt Freedom24 für die Altersgruppe zwischen 50 und 60 Jahren eine ausgewogenere Struktur.

„60 Prozent in Aktien und 40 Prozent in konservativen Anlageinstrumenten, wie zum Beispiel Staatsanleihen oder Geldmarktfonds. Das Ziel dieser Strategie ist es, dass das erst jetzt angesparte Kapital unmittelbar vor Rentenbeginn vor einem erheblichen Wertverlust geschützt wird“, so Mayr.

Zugleich gewinnt die Sparleistung an Bedeutung. Laut der Analyse sollte die monatliche Investitionssumme über 1.000 Euro liegen, bei einer Sparquote von 25 bis 30 Prozent des verfügbaren Einkommens.

„Es empfiehlt sich zudem der Aufbau eines Liquiditätspuffers: Mit Renteneintritt sollten über liquide Mittel in Höhe von ein bis zwei Jahresausgaben verfügt werden. So müssen im Falle von Kurskorrekturen keine Aktien auf dem Tiefpunkt verkauft werden“, sagt Mayr.

Übergang in die Entnahmephase ab 60 Jahren

Zwischen 60 und 65 Jahren verschiebt sich der Fokus vom Vermögensaufbau hin zur Nutzung des Kapitals. Entscheidend ist dabei, die Einkommensquellen im Ruhestand zu strukturieren und die Entnahme zu planen.

„Der häufigste Fehler, den Anleger in dieser Lebensphase begehen, ist, alles zu verkaufen und auf Bargeld oder Sparkonten umzusteigen“, so Mayr. Stattdessen empfiehlt er weiterhin eine Aktienquote von 40 bis 50 Prozent, ergänzt durch Anleihen und festverzinsliche Wertpapiere.

Aktien übernehmen in dieser Phase eine wichtige Funktion als Inflationsschutz. Grundlage der Entnahmestrategie bleibt die sogenannte Vier-Prozent-Regel, die auf der Trinity-Studie basiert. Diese zeigt, dass eine jährliche Entnahme von vier Prozent des Vermögens in den meisten Fällen über einen Zeitraum von 30 Jahren tragfähig ist.

„Bei der Wahl der Aktien können Anleger zudem ihr Augenmerk auf solche werfen, die Dividenden ausschütten – als psychologischer Faktor. So wahren Anleger Disziplin und verkaufen nicht zu Phasen von Kurskorrekturen“, sagt Mayr.

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