Ampelcheck muss Kritik aus den eigenen Reihen einstecken

Nachdem sich die Verbraucherzentrale Hamburg mit ihrer Broschüre „Ampelcheck Geldanlage“ bereits Unmut und Empörung von Versicherern und Finanzdienstleistern zugezogen hat, gibt es nun Kritik aus dem eigenen Umfeld.

Im Interview mit dem Anlegermagazin „Börse Online“ lehnte Manfred Westphal, Leiter des Fachbereichs Finanzdienstleistungen beim Bundesverband der Verbraucherzentralen (VZBV), den Ratgeber ab.

VZBV: Broschüre wurde im Alleingang veröffentlicht

Westphal erklärte im Gespräch mit dem Magazin, dass Verbraucher „bei den teilweise sehr komplexen Finanzprodukten“ zwar einfache Navigationshilfen bräuchten, der Ampelcheck diesem Ziel jedoch nicht gerecht werde.

Spezielle Kritik äußerte er daran, dass in der Broschüre fast alle Versicherungen als ungeeignet für die Altersvorsorge bezeichnet werden. Eine Aussage, der Westphal nicht zustimmen wolle. Denn: Bei ordentlicher Risiko- und Bedarfsklärung sei es durchaus möglich, Lebens- und Rentenpolicen abzuschließen.

Westphal betonte weiter, dass das Druckwerk außerhalb der Verantwortung des VZBV erschienen sei, die Verbraucherzentralen der Länder seien rechtlich unabhängig.

BDV-Vorsitzende bezeichnet Ampel als blödsinnig

Kritik gibt es auch vom Bund der Versicherten (BDV). Pauschale Urteile seien bei Finanzprodukten unangebracht, so BDV-Vorsitzende Lilo Blunck, die eine Ampelkennzeichnung gegenüber Börse Online als „absolut blödsinnig“ bezeichnet haben soll.

Gegenüber cash-online verteidigte Dr. Günter Hörmann, der Geschäftsführer der Verbraucherzentrale Hamburg, die Aktion seiner Einrichtung: „Wir sind weiterhin der Ansicht, dass der Ampelcheck Verbrauchern wichtige Informationen liefert und diese auch angemessen darstellt.“

Verbraucherzentrale Hamburg bleibt ihrer Linie treu

Den Einwand, die Art der Übersicht führe zu Pauschalurteilen und lasse es an Differenziertheit mangeln, kann Hörmann nicht nachvollziehen. Es sei durchaus beabsichtigt, komplexe Sachverhalte auf das „Wesentliche“ zu reduzieren.

Zu der Kritik des Verbraucherschutz-Kollegen Westphal erklärte Hörmann: „Es wäre sicherlich besser, solche Kontroversen künftig intern auszutragen.“

Hintergrund: Die Verbraucherzentrale Hamburg hatte eine Reihe von Produkten im Ampelfarben-Schema bewertet, um zu zeigen, inwieweit diese für die Altersvorsorge tauglich sind. Die Ergebnisse sorgten in weiten Teilen der Finanzdienstleistungsbranche für Unverständnis.

Die Debeka-Versicherung erwirkte eine einstweilige Verfügung gegen den Ratgeber, die vom Landgericht Berlin aber vor Kurzem aus formalen Gründen wieder aufgehoben wurde (cash-online berichtete hier). (hb)

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