Maklernachwuchs: „Kein Trend zur Verjüngung“

Lüder Mehren, Vorstandsvorsitzender Votum Verband unabhängiger Finanzdienstleistungs-Unternehmen in Europa e.V., erläutert die Auswirkungen der Regulierung und mögliche Lösungen des Nachwuchssmangels.

Nachwuchs
„Eine Imagekampagne hilft sicherlich, ist jedoch alleine nicht ausreichend, um Nachwuchs zu gewinnen.“

Cash.: Laut aktuellen Studien sind rund 50 Prozent der Vermittler älter als 50 Jahre. Halten Sie diese Zahl für realistisch?

Mehren: Diese Zahlen stimmen mit unseren Einschätzungen überein. Wir halten sie für sehr realistisch. Vor allem sehen wir momentan leider noch keinen Trend, der auf eine Verjüngung hindeutet.

Woher rührt der Nachwuchsmangel?

Alleine die Einführung der Zertifizierung und die damit verbundenen zeitlichen und finanziellen Aufwendungen haben die Zahl der Neueinsteiger erheblich reduziert. Viele der bisherigen nebenberuflichen Vermittler, aus denen historisch namhafte Anteile zu hauptberuflichen Beratern entwickelt werden konnten, haben aufgegeben.

Hinzu kommt ein Wertewandel der jungen Leute, dem die Branche in Ihren Bemühungen um Nachwuchs noch nicht vollständig Rechnung trägt. Letzteres sehe ich aber auch als Chance: Mit der zunehmenden Professionalisierung des Berufsstandes entsteht ein neues, qualifiziertes Berufsbild. Die erforderliche umfassende Qualifikation dürfte die Attraktivität für junge Leute wieder steigern.

Könnte eine branchenübergreifende Imagekampagne hilfreich sein, um das Interesse junger Menschen zu wecken?

Eine Imagekampagne hilft sicherlich, ist jedoch alleine nicht ausreichend, um Nachwuchs zu gewinnen. Wir denken, dass eine ganzheitliche Sicht benötigt wird. Beginnend mit der Frage, was einen möglichen Nachwuchs an der Aufgabe reizt, wie wir diese Bereiche darstellen, wie künftige Vertriebssysteme auf moderne Werte abgestellt werden und zu welchen Zeitpunkten und an welchen Stellen die Werbung um den Nachwuchs beginnen sollte.

Neben den erforderlichen Änderungen in Ansprache und Systemen müssen wir uns fragen, wer die Ansprache vornimmt und wie wir diese Personen besser ausbilden.

Ist der Votum-Verband an einem solchen Projekt beteiligt?

Wir fördern diese Gedanken branchenübergreifend, indem wir die Themen eingebunden haben in entsprechende Votum-interne Arbeitsgruppen, deren Ergebnisse allen unseren Mitgliedern zugänglich sind. Aber auch die Initiative „gut beraten“, in der wir mitwirken, ist ein guter Ansatz konkret voranzukommen.

Immerhin liegt der Weiterbildungsanspruch dort bei fünf Fortbildungstagen pro Jahr. Das ist mehr als die meisten Branchen und Unternehmen erreichen und liegt auf dem Niveau von Ärzten und Rechtsanwälten.

Interview: Julia Böhne

Foto: Votum Verband

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