13. Februar 2014, 09:00
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“Ohne soziale, ethische und ökologische Nachhaltigkeit keine stabile Ökonomie”

Heike Ebli ist auf die Beratung zu nachhaltigen Geldanlagen und Anlagestrategien spezialisiert. Sie ist selbständige Finanzplanerin und Mitglied der Geschäftsleitung der Bamberger Finanzberatung Mehrwert. Cash. hat mit ihr über die steigende Bedeutung von Nachhaltigkeit in der Finanzberatung gesprochen.

Nachhaltige Geldanlagen: Geldanlagen sollen rentabel und sinnvoll gestaltet sein

“Eine ökonomische Rendite fußt zwangsläufig auf sozialem, gesellschaftlichem und ökologischem Erfolg.”

Cash.: Wie definieren Sie Nachhaltigkeit?

Ebli: Unser Grundverständnis von Nachhaltigkeit ist, dass es ohne eine soziale, ethische und ökologische Nachhaltigkeit auf Dauer keine stabile Ökonomie gibt. In Bezug auf die ethisch/soziale Nachhaltigkeit bedeutet das: In einer freien Gesellschaft bedarf es gerechter Rahmenbedingungen, die ein weitgefasst erfolgreiches Zusammenleben von Menschen ermöglichen.

In Bezug auf die ökologische Nachhaltigkeit bedeutet es, dass wir sowohl bezüglich des Klimawandels als auch hinsichtlich diverser existenzieller wie auch ökonomisch relevanter Ressourcen vor einer Herausforderung stehen. Eine ökonomische Zukunftsfähigkeit ist also nur dann gegeben, wenn es uns gelingen wird, ökologische wie sozial ethische erfolgreiche Bedingungen zu schaffen.

So sind beispielsweise energieeffiziente Unternehmen zum Teil heute schon ökonomisch erfolgreicher, weil sie Energiekosten einsparen etc. und dabei zugleich umweltschonend produzieren. Wir haben den Auftrag, eine Welt zu hinterlassen, die es nachfolgenden Generationen erlaubt, mindestens ebenso wenn nicht sogar insgesamt erfolgreicher leben zu können, als es uns gestattet ist. Eine ökonomische Rendite fußt also zwangsläufig auf sozialem gesellschaftlichem und ökologischem Erfolg.

Was bedeutet das in Bezug auf Geldanlagen? 

Die Nachhaltigkeit konkret auf die Geldanlagen bezogen, bedeutet für uns, dass wir bei der Anlage von Geldern die Möglichkeit haben, in Unternehmen zu investieren, die umweltschonend produzieren, die in Ihrer Lieferkette auf gute Arbeitsbedingungen achten oder die als Branchen im umweltfördernden Bereichen angesiedelt sind.

Nachhaltige Investmentfonds haben Positiv- oder/und Negativkriterien definiert, die es heutigen Anlegern erlauben zu entscheiden, welche Unternehmenspraktiken, Branchen etc. sie unterstützen und welche sie nicht fördern möchten. Diese Fonds und Geldanlagen müssen unserer Ansicht nach aber auch ökonomisch rentabel sein. Die Nachhaltigkeit und Rentabilität gehen hier Hand in Hand.

Können sich nachhaltige Produkte bei Sicherheit und Rentabilität mit “Standardprodukten” messen?

Durchaus können diese sich messen und Mandant muss auch keine Abstriche machen. Wäre dem so würde die Mehrwert GmbH ihren Auftrag – beziehungsweise ich persönlich – einen Zweck meines Berufes verfehlt haben. Neben der Rentabilität, können heute die Geldanlagen auch ökologisch und sozial sinnvoll sein. So würden wir es formulieren.

Die Rentabilität ist ein wesentlicher Aspekt der Nachhaltigkeit. Mit dem Begriff der Sicherheit wäre ich sowohl bei konventionellen als auch bei nachhaltigen Produkten vorsichtig. Tatsächlich gibt es weniger nachhaltige Fonds in niedrigen Risikoklassen. Faktisch betrachtet ist es interessant zu fragen, wer am Ende erfolgreicher und stabiler sein wird – diejenigen Fonds und damit die Firmen in diesen Fonds, die sich zukunftsweisend aufstellen oder diejenigen, die konventionell agieren und in einem konventionellen Markt produzieren.

Das Risiko im nachhaltigen Anlagesektor etwa bei Fonds liegt oftmals darin begründet, dass es neue und junge Technologien sind, dass man etwa bei Windenergie von politischen Rahmenbedingungen profitiert und man in einer sich rasch entwickelnden Branche bewegt. Andererseits können gerade bei langfristigen Strategien aber auch gerade die zukunftsweisenden Unternehmen, die energieeffizient wirtschaften auch stabiler sein als diejenigen, die sehr teuer produzieren.

Was bedeutet nachhaltige Beratung für Sie?

Die Mehrwert-Beraterinnen und -Berater arbeiten konzeptionell. Wenn es ein Mandant wünscht, werden wir ihn langfristig begleiten. Wir begreifen alle Finanzprodukte als Lösungen für Menschen; insofern haben sich diese auf die Vorstellungen und die Lebenswelt und -realität des Einzelnen auszurichten. Die Beraterinnen und Berater arbeiten in Teams, das heisst, sie besprechen anonymisiert die Situation des Mandanten und bündeln so ihr Know-How.

Für mich bedeutet nachhaltige Beratung, Menschen langfristig zu begleiten, sie ernst zu nehmen, ihnen zuzuhören und mit ihnen immer wieder eine Entscheidungsbasis zu schaffen, so dass am Ende das Geld den Wert hat, den sie ihm geben möchten. Rentabilität und nachhaltige Kategorien stehen dabei in Einklang.

 

Seite zwei: “Nachhaltige Banken haben in den letzten Jahren einen regelrechten Boom erfahren”

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