Anzeige
15. Februar 2016, 08:30
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

“Honorarberatung wird weiter an Fahrt aufnehmen”

Karl Matthäus Schmidt, Vorstandsvorsitzender der auf Honorarberatung spezialisierten Quirin Bank, hat mit Cash.Online über das Honoraranlageberatungsgesetz, die Regulierung in Großbritannien und die Zukunft der Honorarberatung in Deutschland gesprochen.

Honorarberatung wird weiter an Fahrt aufnehmen

Karl Matthäus Schmidt: “Gerade im Versicherungsbereich richtet die provisionsgesteuerte Produktvermittlung große Schäden an.”

Cash.Online: Am 1. August 2014 ist das Honoraranlageberatungsgesetz in Kraft getreten. Wie beurteilen Sie den Schritt des Gesetzgebers?

Das Honoraranlageberatungsgesetz war ein erster wichtiger Schritt, um den Boden für die Honorarberatung in Deutschland zu bereiten. Das Gesetz stärkt die unabhängige Finanzberatung. Gleichzeitig hat sich aber gezeigt, dass das Gesetz in einigen wichtigen Punkten zu kurz greift.

Inwieweit ist das Ziel, die Honorarberatung zu stärken, erreicht worden?

Dieses Ziel ist nur zum Teil erreicht worden. Nach wie vor umfasst die Honorarberatung keine Versicherungen – für Anleger, die sich ganzheitlich unabhängig beraten lassen möchten, ist dies schwer nachvollziehbar.

Als positiv sehen wir an, dass die Honorarberatung mit der Einführung des Honorar-Immobiliardarlehensberaters auch auf den Immobilienbereich ausgedehnt wird. Noch zwingend zu regeln ist die steuerliche Gleichstellung von Honoraren und Provisionen. Heute wirken sich Provisionen steuermindernd auf die Abgeltungssteuer aus, Honorare dagegen nicht.

Zum 1. Januar 2013 trat in Großbritannien die “Retail Distribution Review” (RDR) in Kraft, durch das Provisionen für Vorsorgeprodukte und Investmentfonds abgeschafft wurden. Wie bewerten Sie diese Regulierung?

Aus meiner Sicht ist Großbritannien einen mutigen Schritt gegangen mit dem Verbot von Provisionen bei Investment- und Vorsorgeprodukten. Dieser Mut wurde belohnt. Denn insgesamt sieht man in Großbritannien eine Professionalisierung auf Seiten der Berater – eine Beratungslücke auf Seiten der Kunden, wie sie häufig von Kritikern ins Feld geführt wird, ist dagegen nicht zu beobachten.

Das Entscheidende ist, dass Kunden eine unabhängige Beratung bekommen – der Berater sich also nicht mehr von Provisionsvergütungen leiten lassen muss.

Die Zufriedenheit der Kunden wird sich allerdings erst in einigen Jahren zeigen – wenn klar wird, dass unabhängiger Rat auf Dauer mehr Rendite bringt. Leider werden in Deutschland immer noch zu viele komplexe und überteuerte Produkte verkauft, die am Ende nur den Produktverkäufer reich machen und nicht den Kunden.

 

Seite zwei: “Die provisionsgesteuerte Produktvermittlung richtet große Schäden an

Weiter lesen: 1 2

Anzeige
Newsletter bestellen Top aktuell & kompakt! Werktags um 6.30 Uhr alle Versicherungs-News für Profis von Profis.

1 Kommentar

  1. Richtig ist, dass insbesondere in der Vergangenheit, aber auch durch einige Versicherer forciert, wesentlich überhöhte provisionsorientierte Produktverkäufe lanciert wurden und stattfanden. Falsch ist jedoch die Pauschal-Aussage von Herrn Böhne, dass die provisionsgesteuerte Produktvermittlung große Schäden anrichtet. Gleiches gilt auch für die Honorar-Geschichte. So lagen uns Verträge vor, die bei weitem die provisionsgesteuerten Tarife in den Gebühren (Abschluss- und laufende Betreuungsgebühren) übertrafen, so dass der Kunde wahrscheinlich nie ein Plus machen wird. Nur weil es Honorar-Beratung, oder Vermittlung von Honorar-Tarifen heißt, wird in keiner Weise eine bessere oder saubere Vermittlung dadurch erbracht. Politik wie die Grünen etc., liegen mit ihrer Denke realitätsfremd und unterstellt der Honorarberatung eine saubere Weste. Selbst wenn nicht einmal vermittelt wurde, sondern nur eine Beratung auf Honorar erfolgte und der Kunde dafür zahlte, musste man über die Ergebnisse manchmal den Kopf schütteln. Aber auch hier gibt es unterschiedliche Sichtweisen. Dem Honorarverfahren könnte man eine gewisse Transparenz zusprechen, was aber auch durch geschickte Verträge und Verkaufsmethoden nicht selten zu guten Honorareinnahmen führt. Es gibt zudem Gesellschaften, die einen vorrechnen, dass man mit Honorar sogar mehr verdienen kann. Wie geht das? Steht da was nicht im Wiederspruch? Mathematisch kann man viel hin und her rechnen. Ich bin für das Honorarverfahren, aber auch für die Beibehaltung der Provisionstarife. Beides hat Berechtigung. An der Transparenz kann man an bei beiden Systemen arbeiten. Herr Böhne scheint mit seiner Meinung natürlich nur die eine Seite, seine Seite zu vertreten. Es ist eben wie in der Politik. Hier erwarte ich mehr Kreativität und nicht zu viele Krähen.

    Kommentar von Bert Heidekamp fairtest.de — 16. Februar 2016 @ 23:41

Ihre Meinung



Cash.Aktuell

Cash. 11/2017

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Biotech-Fonds – Kfz-Policen – Versicherungen für Wohneigentum – Family Offices

Ab dem 19. Oktober im Handel.

Cash.Special 2/2017

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Herausforderungen 2018 – bAV-Reform – Elementarschadenversicherung – Digitale Geschäftsmodelle

Ab dem 24. Oktober im Handel.

Versicherungen

Service-Ranking: Deutschlands beste Direktversicherer

Welche deutschen Direktversicherer bieten ihren Kunden den besten Kundenservice? Das Kölner Beratungsunternehmen Servicevalue hat Kunden der Versicherungsgesellschaften hierzu befragt. Zwei Anbieter sicherten sich dabei einen der begehrten “Gold-Ränge”.

mehr ...

Immobilien

Individuelle Konzepte für die Baufinanzierung

Cash. sprach mit Robert Annabrunner, Bereichsleiter Vertrieb 
Deutsche Postbank/DSL Bank, darüber, welche Anforderungen die Kunden an
 eine professionelle Baufinanzierungsberatung stellen und in welcher Weise
 die DSL Bank ihre angeschlossenen Partnervermittler unterstützt.

mehr ...

Investmentfonds

Finanzbranche befürchtet Blasenbildung an Märkten

Die Politik der Europäischen Zentralbank hat bereits zur Blasenbildung an den Finanzmärkten geführt, oder wird dies noch tun. Dessen ist sich die Finanzbranche sicher. Die Mehrheit wünscht sich den Ausstieg aus der expansiven Geldpolitik, hält dies jedoch gleichzeitig für unwahrscheinlich.

mehr ...

Berater

Insurtechs: Die fairsten digitalen Versicherungsmakler aus Kundensicht

Welche digitalen Versicherungsmakler werden von ihren Kunden als besonders fair wahrgenommen? Das Kölner Analysehaus Servicevalue hat gemeinsam mit Focus-Money die Kunden von 24 Anbietern befragt. Neun von ihnen erhielten die Note “sehr gut”.

mehr ...

Sachwertanlagen

ZBI schließt Fonds 10 und bringt Nachfolger

Die ZBI Fondsmanagement AG aus Erlangen hat den im vergangenen Jahr aufgelegten ZBI Professional 10 nach Ablauf der Zeichnungsfrist Ende September mit einem beachtlichen Volumen geschlossen und nahtlos den Nachfolger in die Platzierung geschickt.

mehr ...

Recht

IDD: Umsetzung könnte in Teilen verschoben werden

Wie der AfW – Bundesverband Finanzdienstleistung e.V. mitteilt, könnte sich der Umsetzungstermin von Teilen der europäischen Richtlinie Insurance Distribution Directive (IDD) verschieben. Die delegierten Rechtsakte sollen nach dem Willen des europäischen Parlaments demnach erst im Oktober 2018 in Kraft treten.

mehr ...