Infinus-Prozess: „Sie haben vorsätzlich getäuscht“

Das Unternehmen hätte nach Überzeugung der Kammer auch ohne das Einschreiten der Staatsanwaltschaft nicht überlebt. Indem die Eigengeschäfte verstetigt wurden, „haben Sie den ersten Sargnagel für Infinus geschlagen“, sagte der Vorsitzende, an den Gründer des Mutterkonzerns Future Business (Fubus) und Ex-Infinus-Boss Jörg B. gewandt.

„Es war ein ausgefeiltes System, ein sehr intelligenter Betrug“, sagte Schlüter-Staats. Die Angeklagten seien dort hineingewachsen und hätten „irgendwann den Point of no return“ erreicht. Begünstigt wurde die Tat durch Testate von Wirtschaftsprüfern und die Unterstützung von Steuerberatern.

Bei der Verkündung des Richterspruchs gab es Proteste im Publikum des voll besetzten Saals im Landgericht. Seit November 2015 hatte die Kammer in über 160 Verhandlungstagen fast 240 Zeugen aus dem In- und Ausland befragt – ehemalige Infinus-Angestellte, -Vermittler, Anleger und Gutachter.

„Keine Überraschung“

Ein Hinweis der Bundesbank und der Finanzdienstleistungsaufsicht Bafin hatte die Ermittlungen zu Infinus Mitte 2012 ins Rollen gebracht, gut ein Jahr später klickten dann die Handschellen. Bei einer Razzia am 5. November 2013 waren Villen, Luxuswagen und anderes Vermögen beschlagnahmt worden. Seit Herbst 2016 sind alle Beschuldigten wieder auf freiem Fuß.

Das Gericht hob die bisher nur ausgesetzten Haftbefehle gegen drei der Angeklagten auf, für Jörg B. und seinen früheren Chefverkäufer bleiben sie unter Meldeauflagen außer Vollzug.

„Keine Überraschung, das haben wir erwartet“, sagte der Verteidiger des Hauptangeklagten, Ulf Israel, nach der gut sechsstündigen Urteilsverkündung. Die Verteidiger haben Zweifel an den Grundzügen des Verfahrens, hinsichtlich der Täuschung und des Schadens und an der Fairness des Gerichts. (dpa-AFX)

Foto: Picture Alliance

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