12. Dezember 2019, 09:14
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287 Millionen Euro Schäden aus Thomas-Cook-Pleite

Die Pleite der deutschen Thomas Cook kommt den Fiskus teuer zu stehen. Die Schadenssumme liegt nach vorläufigen Berechnungen mit 287,4 Millionen Euro deutlich über der versicherten Summe von 110 Millionen Euro, wie der Versicherer Zurich mitteilt.

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Von der Haftungssumme von 110 Millionen Euro hätten bereits 59,6 Millionen Euro für die Heimholung von Urlaubern aufgewendet werden müssen, hieß es weiter. Somit blieben 50,4 Millionen Euro übrig. Für Kunden bedeutet das, dass weniger als ein Fünftel der Schäden noch gedeckt ist. “Daraus ergibt sich eine Quote in Höhe von 17,5 Prozent für die Regulierung der Ansprüche der Thomas-Cook-Kunden.”

“Wir werden in den nächsten Tagen mit der Regulierung entsprechend der Quote beginnen”, erklärte Horst Nussbaumer, Vorstand bei der Zurich Gruppe. Dieser Prozess werde einige Wochen dauern.

Die Bundesregierung hatte angekündigt, Pauschalurlaubern helfen zu wollen: “Schäden, die nicht von anderer Seite ausgeglichen werden, wird der Bund ersetzen.” Den Thomas-Cook-Kunden solle angeboten werden, die Differenz zu der Summe, die sie vom Versicherer Zurich “oder von anderer Seite zurückerhalten haben, auszugleichen”.

Dadurch sollen Tausende Klageverfahren und langjährige Rechtsstreitigkeiten vermieden werden. Anders als Individualtouristen sind Pauschalurlauber versichert, wenn ihr Reiseveranstalter pleite geht und die gebuchten Ferien ausfallen. Doch im Fall des Branchenriesen Thomas Cook zeigten sich die Grenzen der gesetzlichen Sicherung, die in Deutschland auf 110 Millionen Euro pro Versicherer gedeckelt ist.

Erste Anwälte haben sich deswegen bereits in Stellung gebracht. Sie werfen dem Gesetzgeber vor, geltendes EU-Recht nicht korrekt umgesetzt zu haben.

Die deutsche Thomas Cook, die in den Sog der Pleite der britischen Mutter geraten war, hatte am 25. September Insolvenzantrag gestellt. Das Unternehmen hatte schrittweise alle gebuchten Reisen abgesagt, zuletzt auch Trips mit Abreisedatum vom 1. Januar 2020 an, auch wenn sie bereits ganz oder teilweise bezahlt worden waren.

Nach jüngsten Angaben der Insolvenzverwalter sind 525 000 Urlauber von dem Reisestopp betroffen. Es handelt sich dabei allerdings nicht ausschließlich um Pauschalurlauber. Zur genauen Zahl der Pauschalreisenden wurden keine Angaben gemacht. (dpa-AFX)

Foto: Shutterstock

2 Kommentare

  1. Wie kann es sein, dass bei einer Versicherung, die der Kunde bezahlen muss, eine Unterdeckung von rund 80% gegeben ist? Wenn ich als Kunde diese Versicherung bezahlen MUSS, erwarte ich dafür auch eine 100%ige Entschädigung im Versicherungsfall. Alles andere ist in meinen Augen Betrug am Kunden! Irgendwer hat da gewaltig gepennt. Es wird so kommen wie immer: niemand ist dafür verantwortlich. Die Allgemeinheit bezahlt es ja!

    Kommentar von Zimmerer — 13. Dezember 2019 @ 14:05

  2. Was soll der deutsche Steuerzahler denn noch alles stemmen? Es müssen endlich die, die es versäumt haben, die entsprechenden Richtlinien und Verordnungen durchzusetzen oder nicht auf den Weg gebracht haben und damit ihrer Sorgfaltspflicht nicht nachgekommen sind, verantwortlich gemacht werden – und das auch in finanzieller Hinsicht. Das hier in diesem Fall, wie auch in den Fällen, die jährlich von den Rechnungshöfen des Bundes und der Länder beanstandet werden.

    Kommentar von Ulrich Schönbein — 12. Dezember 2019 @ 10:17

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