26. November 2019, 11:04
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Assekurata EKG-Check bei 74 Lebensversicherern: Nur scheinbar fit

Die geänderte Berechnungsmethodik für die Zinszusatzreserve (Korridormethode) hat bei vielen Anbietern zu einer Entlastung der Rechnungszinsanforderungen aus den Beständen und zu höheren Solvenzquoten geführt hat. Dennoch hinterlässt das Zinsumfeld immer stärkere Spuren in den Kennzahlen. Es gibt jedoch große Unterschiede bei den Anbietern. Das ist das Ergebnis des vierten Ertragskraft-Garantie-Check (EKG-Check) der Rating-Agentur Assekurata. Untersucht wurden hierfür Kennzahlen zu Ertrag, Sicherheit und Bestand von 74 Lebensversicherern.

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Lars Heermann, Bereichsleiter Analyse und Bewertungen bei Assekurata.

 

Die Veränderung der Berechnungsmethodik zur Zinszusatzreserve (ZZR) hat die Renditeanforderungen aus den Beständen der Lebensversicherer im Geschäftsjahr 2018 deutlich entlastet.

„Die Korridormethode begrenzt den jährlichen Zuführungsbedarf zur ZZR, so dass die Anforderungen zur Bedienung und Stabilisierung der Altgarantien zeitlich gestreckt werden. Dies lässt sich an den Kennzahlen in der Studie nachvollziehen“, erläutert Lars Heermann, Bereichsleiter Analyse und Bewertung bei Assekurata.

„So hatte die Brancheim Jahr 2018 der ZZR dank Einführung der Korridormethode statt der ursprünglich von uns prognostizierten 15 Milliarden Euro nur sechs Milliarden Euro zuführen müssen.“

Die aktuellen Zinsbedingungen am Kapitalmarkt dürften kurzfristig den Druck auf die Ertragskraft der Branche allerdings wieder deutlich erhöhen. Für 2019 rechnet Assekurata mit einer ZZR-Zuführung von insgesamt neun Milliarden Euro.

Mit der verringerten ZZR-Zuführung hat 2018 auch die Renditeanforderung an die Kapitalanlage abgenommen. Sie sank auf durchschnittlich 2,32 Prozent.

Mit Blick auf 2019 wird sie indes erneut steigen, was bedeutet, dass die Versicherer wieder höhere Kapitalanlageerträge – im Schnitt rund 2,6 Prozent – erwirtschaften müssen, um einen Verlust beim Rohüberschuss zu vermeiden.

„Läge die Nettoverzinsung darunter, wäre der Branchen-Rohüberschuss insgesamt negativ, sofern nicht höhere Erträge aus weiteren Ergebnisquellen erschlossen werden können“, kommentiert Heermann.

„Sollten die Zinsen so niedrig bleiben, wird dies auf Dauer nicht ohne neuerliche Bewertungsreserveauflösungen funktionieren.“ Zugleich gibt es im Markt enorme Unterschiede.

Laut Assekurata macht das augenscheinliche Auseinanderlaufen des Marktes deutlich, dass es branchenweitgroße Unterschiede zwischen den Unternehmen gibt.

Ursächlich das sei die Bestandszusammensetzung der Versicherer. „Unsere Analysen belegen, dass einige Lebensversicherer aufgrund ihrer Geschäftsstrukturstärker von der aktuellen Zinssituation betroffen sind als andere. Häuser mit viel überschussberechtigtem Altgeschäft schneiden in den Auswertungen meist schlechter ab“, so Heermann.

 

Seite 2: Der Markt läuft auseinander

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