„Die eigene Motivation besser verstehen“

Cash.-Interview mit Daniel Giersch, justplan aktiv GmbH, über seinen neuen Persönlichkeitstest, der auf künstlicher Intelligenz basiert.

Daniel Giersch

Ein neues Tool für Bewerbungsverfahren der Zukunft hat der Schleswig-Holsteiner Unternehmer Daniel Giersch entwickelt. Nachdem er Anfang der 2000er erfolgreich das Post-Monopol gekippt hat, entwickelt er aktuell mit seiner Berliner justplan aktiv GmbH einen Persönlichkeitstest, der auf künstlicher Intelligenz basiert (https://www.psaichology.org).

Anhand des Testes kann ein Mitarbeiter in kurzer Zeit bereits im Vorfeld einer Bewerbung seine Stärken und Schwächen erkennen und seine Motivationen und Persönlichkeitsmerkmale herauslesen. Durch dieses Wissen kann er sich aber auch innerhalb eines Unternehmens besser mit seiner ganzen Persönlichkeit einbringen.

Herr Giersch, wie muss man sich einen Test auf Basis künstlicher Intelligenz vorstellen?

Giersch: Stellen Sie sich vor, dass nicht nur ein Psychologe Ihnen eine große Anzahl von Fragen stellt, um daraus Ihr Persönlichkeitsprofil vorhersagen zu können, sondern dass Millionen von Psychologen Ihnen verschiedenste Fragen stellen, die auch anderen Menschen gestellt wurden und das so aus der Kombination von allen Möglichkeiten ein besonders genaues und schnelles Ergebnis zur Verfügung steht. Dadurch können wir Menschen sehr effektiv und sehr schnell ein wissenschaftlich akkurates Ergebnis liefern.

Was unterscheidet diesen Test von allen anderen Tests, die es bereits auf dem Markt gibt?

Giersch: Der Unterschied liegt insbesondere in zwei Bereichen: Einerseits ist unser Test kostenlos für jedermann und jederzeit von überall aus nutzbar. Andererseits ist unser Test deshalb einzigartig, weil er ausschließlich wissenschaftlich vorgeht und keine künstlichen Kategorisierungen vornimmt. Andere Tests sagen Ihnen zum Beispiel, dass Sie entweder extrovertiert oder introvertiert sind. Diese Tests müssen also irgendwo eine künstliche Grenze ziehen zwischen introvertiert und extrovertiert. Stellen Sie sich vor, Sie testen auf einer Skala von 1 bis 100 mit dem Score 49. Jemand anderes testet 51. Obwohl beide Ergebnisse von 1 bis 100 so dicht beieinander liegen, dass sie eigentlich als identisch eingestuft werden können, gelten sie als introvertiert und bekommen ein „I“ auf die Stirn geschrieben – während der andere als extrovertiert eingestuft wird und ein großes „E“ auf die Stirn geschrieben bekommt. Wissenschaftlich korrekt wäre es, lediglich den Ausschlag an Extrovertierten zum Beispiel in Zahlen darzustellen. Das tun wir. Wir zeigen genau, wie man auf welcher Persönlichkeitsdimension bzw. Facette getestet hat.

Wie kann dieser Test in Unternehmen genutzt werden?

Giersch: Er kann sowohl den Bereich „Human Resources“ dabei unterstützen, Mitarbeiter zielgenauer im Unternehmen zu positionieren, er kann aber auch bereits im Einstellungsverfahren dazu dienen, passgenauer zu akquirieren. Er kann aber vor allem schon Bewerbern im Vorfeld die Möglichkeit geben, sich selbst besser kennenzulernen – die eigenen Motivationen und die eigenen Persönlichkeit besser zu verstehen und damit seine Bewerbungen passgenauer und zielgerichteter zu verschicken. Es ist ja bekannt, dass wir deutlich Burn-out-gefährdet sind, wenn wir entgegen unserer Motivationen oder vorbei an unserem intrinsischen Ziel arbeiten. Zusätzlich zu einem Tool wie „Psaichology“ braucht es aber auch den viel beschworenen Kulturwandel, in dem offen über die Möglichkeiten, aber auch die Grenzen des persönlichen Engagements geredet werden darf, ein Klima in dem über Anforderungen, Überforderungen, Erschöpfung, Grenzen und Burn-out geredet werden kann, wo schnell interveniert und nicht wegschaut wird. Wir sind hier bei dem großen Thema Fehlerkultur und wertschätzende Kommunikation – auf Augenhöhe, nicht „top down“. „Top down“ ist heute im besten Falle das vorgelebte neue Selbstverständnis des Unternehmens. Wir reden von einer Unternehmenskultur, die Raum lässt für die besonderen Fähigkeiten des Einzelnen, sich in seinem eigenen Tempo entwickeln und an Neuerungen und Entwicklungen gewöhnen zu können, wo sich jeder gesehen fühlt, in seiner Kompetenz und Persönlichkeit und wo jeder das Gefühl hat, seinen Teil zum Erfolg des Unternehmens beitragen zu können. Das heißt für die Arbeitgeberseite, motivatonal und prozessorientiert, nicht mehr ergebnisorientiert zu führen. Natürlich kann das jetzt nur der Scherenschnitt einer idealen Welt sein. Und trotzdem: Wenn diese Ideen auch nur bruchstückhaft und nach und nach – im ganz individuellen Tempo des Machbaren eines Unternehmens – umgesetzt werden, können auf diese Weise lange Ausfallzeiten vermieden und Produktivitätseinbußen verhindert werden.

An welchem Punkt stehen Sie in der Entwicklung?

Giersch: Der große Test mit all seinen Fragen ist fertig. Jetzt wir sind dabei, die neuronalen Netze zu optimieren – die künstliche Intelligenz muss jetzt trainiert und mit Wissen gefüttert werden. Das heißt, je mehr mitmachen, desto mehr profitiert jeder Einzelne von den Berechnungsmöglichkeiten von „Psaichology“. Wir gehen davon aus, dass wir Mitte 2020 eine sowohl optisch als auch funktional ansprechende Version auf den Markt bringen können.

Das Gespräch führte Mareike Fell, Heilpraktikerin für Psychotherapie, für Cash. Sie betreibt in Hamburg eine Praxis für systemische Einzel-, Paar- und Familientherapie. Darüber hinaus ist sie als Beraterin und Trainerin in der externen Mitarbeiterberatung für das Fürstenberg Institut tätig. www.diesinnstiftung.de

Foto: Daniel Giersch 

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