8. Juli 2019, 09:00
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“Mutiger, aber überfälliger Schritt”

Die Ad-Hoc Mitteilung der Deutschen Bank über einen Austausch der Führungsspitze in Verbindung mit der Bekanntgabe einer neuen Strategie sorgt für Aufsehen. Alles in allem, handelt es sich um einen positiven Schritt, der überfällig ist. Über die Gründe dessen. Ein Kommentar von Michael Hünseler, Leiter Credit Portfolio Management bei Assenagon Asset Management.

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Die angekündigten Maßnahmen folgen klar dem Ziel, sich auf erfolgreiche Kerngeschäftsfelder zu fokussieren, dort weitere Marktanteile hinzuzugewinnen und damit sowohl Profitabilität als auch Kapitaleffizienz zu stärken. Diese Vorgehensweise ist uneingeschränkt positiv zu werten.

Bündelung für Firmenkunden soll Potenziale besser nutzen

Der Ausstieg aus dem Aktiengeschäft, das im Wettbewerb kaum noch bestehen konnte, ist konsequent. Ebenso die Rückbesinnung auf das Anleihe- und Finanzierungsgeschäft, in dem die Deutsche Bank ihre Wurzeln hat und als kompetent und konkurrenzfähig gilt.

Die Bündelung der Firmenkundenaktivitäten um die erfolgreiche Transaktionsbank herum zur neu zu gründenden Unternehmensbank ist ebenfalls ein logischer Schritt, um das Potenzial der Firmenkunden besser zu nutzen.

Die Digitalisierung erhält neue Impulse, hier besteht dringender Aufholbedarf gegenüber dem Wettbewerb, ebenso sind Fortschritte hier notwendig, um die Kosten zu drücken.

Gleichzeitig ist die neue Strategie nicht ohne Risiko

Insbesondere das Geschäft mit Anleihen ist stark rückläufig, dieses Segment des Kapitalmarkts kann als dysfunktional bezeichnet werden – Umsätze und Margen sinken und sind zum Teil nur durch erhöhte Risikonahme zu verteidigen.

Der Abbau niedrigrentierlicher Aktiva wird mittelfristig zu einer Steigerung der Eigenkapitalrendite beitragen, belastet aber kurzfristig die bestehenden Reserven in einem gerade noch akzeptablen Maße.

Geht der Plan nicht auf, wird es schwierig, die Kapitalquote organisch zu stärken. Die mit EUR 7,4 Mrd bezifferten Kosten der Restrukturierung sind horrend, die für 2022 in Aussicht gestellte Eigenkapitalrendite und die Ausschüttungen an Aktionäre, die bis 2021 keine Dividende erhalten sollen, sind ausgesprochen unsicher.

Mutiger, aber überfälliger Schritt

Und selbst die für 2022 nach erfolgreicher Umsetzung der Restrukturierung angepeilte Eigenkapitalrendite von 8% liegt immer noch unter den durchschnittlichen Eigenkapitalkosten – obwohl die erwarteten Ertragszuwächse der einzelnen Sparten durchaus ambitioniert sind.

Alles in allem ein konsequenter, mutiger und überfälliger Schritt für die Deutsche Bank, der – wenn erfolgreich – dem Institut zu einer zukunftsfähigeren Existenz mit Daseinsberechtigung verhelfen wird.

Damit es aber dazu kommt, benötigt der Vorstandsvorsitzende Sewing Umsetzungsdisziplin der Führungsmannschaft, Unterstützung der Mitarbeiter trotz Kahlschlag, Rückenwind von Finanzmärkten und Kunden und mehr als ein Quäntchen Glück. Nichts davon ist sicher, aber ein Anfang ist gemacht.

 

Foto: Shutterstock

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