29. Oktober 2019, 10:49
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PE: Erfolg nur bei frühzeitiger Wertschöpfung

Private Equity (PE)-Häuser fokussieren sich zu stark auf Kostensenkungen, um den Wert ihrer Portfolio Unternehmen zu steigern. Ihr Erfolgspotenzial stiege deutlich, würden sie auf andere Wertschöpfungskomponenten ebenso stark setzen – insbesondere auf die Working Capital-Effizienz und Umsatzwachstum. Dies sind wichtige Erkenntnisse des Private Equity-Reports „Creating Value beyond the deal“, den die Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC) erarbeitet hat.

Investitionsquote-private-equity in PE: Erfolg nur bei frühzeitiger Wertschöpfung

PwC hat für den Report 100 Entscheider von Finanzinvestoren befragt, die in den 36 Monaten vor der Befragung einen oder mehrere Deals abgeschlossen haben. Der PE-Report untersucht, wie Finanzinvestoren das Renditepotenzial ihrer Transaktionen bestmöglich ausschöpfen.

Drei Viertel der wertschöpfenden Deals erzielten Umsatzsteigerungen

70 Prozent der Befragten gaben an, dass sie ihren wesentlichen Renditehebel in Kostensenkungen sehen, lediglich 53 Prozent nannten Working Capital-Effizienz. Liquide Mittel im operativen Geschäft freizusetzen, ist besonders wichtig für Wertsteigerungen von stark fremdfinanzierten Deals. Des Weiteren nannten lediglich 45 Prozent der befragten Investment Manager Umsatzsteigerung als Renditehebel. Steve Roberts, Leiter Private Equity bei PwC Deutschland, sagt: „Hier offenbart der PE-Report unter anderem ein besonders renditeträchtiges Aufholpotenzial, zumal 74 Prozent der wertschöpfenden Deals ein Umsatzwachstum erzielten.“

Wertschöpfungsstrategien bis hin zum Exit frühzeitig entwickeln

Die Investitionskapazitäten von PE-Häusern sind 2018 weiter gestiegen. Der Wettbewerb um attraktive Zu- und Verkäufe steigt folglich auch. Hinzu kommt die große Konkurrenz durch strategische Unternehmen mit vollen Akquisitionskassen. „Der intensivere Wettbewerb treibt die Transaktionspreise weiter, weshalb Wertsteigerungen immer schwieriger werden“, sagt PE-Experte Steve Roberts. „Der Anteil der PE-Unternehmen, die mit ihren Deals keine signifikanten Werte schaffen, steigt. Kostensenkungen reichen eben kaum noch aus, um Werte zu steigern.“ PE-Unternehmen sollten auch Wertschöpfungshebel aktivieren, die ihnen bislang zu komplex erscheinen. Dazu gehöre eine Wertschöpfungsstrategie, die auch Exit-Szenarien frühzeitig einbezieht. „Umfassende Wertschöpfungsplanung muss eine Top-Priorität für PE-Firmen sein“, stellt Roberts klar. „Mindestens ab dem ersten Tag nach einem Deal – und besser noch viel früher.“

Relevante Talentabgänge kennzeichnen wertvernichtende Deals

88 Prozent der Deals von für den PE-Report befragten Unternehmen, die mit einer klaren, bereits vor dem Transaktionsabschluss entwickelten Strategie verfolgt wurden, brachten moderate bis signifikante Renditen. Die in diesem Sinne erfolgreichen PE-Unternehmen begannen mit ihrer strategischen Deal-Planung bis zu zwei Jahre vor dem Transaktionsabschluss. Sie hatten bereits vor dem Abschluss sehr viele Deal-Aspekte analysiert.

Doch selbst die besten PE-Firmen wissen: Eine besonders hohe Hürde auf dem Weg zur effizienten Wertschöpfung sind Unternehmenskulturen. So sagten 57 Prozent der Befragten, dass kulturelle Themen ihre Wertschöpfung behindert hätten. Von PE-Firmen gekaufte Unternehmen, die nach der Transaktion an Wert verloren, verloren im Schnitt auch 10 Prozent ihrer zum Transaktionszeitpunkt beschäftigten Mitarbeiter. 83 Prozent jener Unternehmen, die nach der Transaktion an Wert verloren, mussten sogar 21 bis 30 Prozent ihrer Schlüsseltalente ziehen lassen. „Die Befragungsergebnisse zeigen, dass Personalabgänge von Talenten den Transaktionserfolg massiv gefährden“, resümiert Steve Roberts. „Sie sind geradezu charakteristisch für wertvernichtende Deals.“ Eine frühzeitige, umfassende Wertschöpfungsstrategie für PE-Deals müsse deshalb auch Personal- und Karriereplanungen enthalten.

Frühe Exit-Planung und Vendor Due Diligence sind weitere Erfolgsfaktoren

Der PE-Report offenbart zudem die Relevanz von frühzeitigen Exit-Planungen. Den Befragten zufolge wurden 91 Prozent der wertschöpfenden PE-Desinvestitionen nach einem formalisierten Verfahren durchgeführt. Knapp mehr als die Hälfte (52 Prozent) der Befragten sagt dennoch, dass sie mit der Planung von Beteiligungsverkäufen künftig früher beginnen will.

Ein weiteres aufschlussreiches Analyseergebnis ist, dass Vendor Due Diligence (VDD) ebenfalls relevant für wertschöpfende Desinvestitionen ist. VDD wurde zwar erst in 66 Prozent der Deals angewandt, doch alle Transaktionen, bei denen sie durchgeführt wurde, erzielten letztlich Wertsteigerungen. Dagegen gewannen nur zwölf Prozent jener Desinvestitionen an Wert, bei denen die verkaufenden PE-Firmen auf VDD verzichteten. Interessanter Randaspekt: 54 Prozent der wertschöpfenden PE-Desinvestitionen fanden ihren Käufer über eine Investmentbank.

Datenintelligenz wird auch den PE-Sektor prägen

Weiteres unverzichtbares Potenzial für höhere Deal-Renditen bergen Datenanalysen in Echtzeit. Sie ermöglichen strukturelle und prozessuale Verbesserungen in allen Unternehmensbereichen schneller als je zuvor und beziehen auch externe Marktdaten ein. Die Qualität der Datenerhebungen und -analysen wird – wie in allen anderen Wirtschaftsbereichen auch – im PE-Sektor maßgeblich mitentscheidend dafür sein, welche PE-Unternehmen künftig zu den Gewinnern und den Verlierern gehören.

Foto: Shutterstock

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