16. Dezember 2019, 17:00
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

“Wir sind keine Plattform für Festgeld”

Die Crowdinvesting-Plattform Exporo wächst rasant und ist mit Abstand Marktführer in diesem Segment. Doch im November informierte sie über Insolvenzanträge von zwei Projektgesellschaften, in die ihre Anleger insgesamt knapp 3,9 Millionen Euro investiert haben. Cash. fragte Exporo-Vorstand Simon Brunke nach den Hintergründen, den Folgen und seinen weiteren Planungen.

Simon Brunke-Kopie in Wir sind keine Plattform für Festgeld

Simon Brunke

Erstmals sind zwei Exporo-Emissionen von Insolvenzen betroffen. Was ist schief gelaufen?

Brunke: Zu den genauen Ursachen, weshalb die Darlehensnehmerinnen Insolvenzanträge gestellt haben, liegen uns noch keine belastbaren Informationen vor. Beide Projekte durchliefen denselben Prüfungsprozess wie alle anderen auch und haben diesen bestanden. Die Prüfung erfolgte auf Basis derselben Unterlagen, welche auch den Banken vorlagen, die neben den Exporo-Anlegern die Objekte finanziert haben. Auch dort haben die Informationen zu einer positiven Entscheidung für die Finanzierung der Objekte geführt. Die Mitarbeiter, die bei Exporo prüfen, haben langjährige Erfahrungen im Real Estate- und Bankenbereich. Die volatile Natur dieses Geschäfts kann jedoch vereinzelt zur Folge haben, dass finanziell solide Projekte durch äußere, unvorhersehbare Einflüsse in Verzögerung geraten.

Ist schon absehbar, inwieweit die Anleger wenigstens einen Teil ihrer Investition zurückerhalten werden beziehungsweise in welchem Zeitrahmen rechnen Sie hier mit Klarheit?

Brunke: In beiden Fällen ist nunmehr durch das Insolvenzgericht Marburg ein vorläufiger Insolvenzverwalter bestellt worden. Mit beiden stehen wir bereits in Kontakt, um den Sachstand sowie das weitere Vorgehen mit diesen abzustimmen. Da die Insolvenzantragstellung erst vor kurzem erfolgte, sind jedoch auch die beiden vorläufigen Insolvenzverwalter noch am Beginn ihrer Ermittlungen und haben noch keine belastbaren Erkenntnisse. Ein vorläufiges Insolvenzverfahren dauert in der Regel mehrere Wochen. Erst an dessen Ende steht fest, ob und welche Insolvenzgründe für die betroffenen Gesellschaften vorliegen und in welcher Höhe voraussichtlich Vermögenswerte zur Verteilung an die Insolvenzgläubiger zur Verfügung stehen werden. Auch die Werthaltigkeit der Sicherungsrechte wird voraussichtlich erst dann näher bestimmbar sein. Ab diesem Zeitpunkt würden daher auch die vom Sicherheitentreuhänder im Interesse der Anleger an Gegenständen der Darlehensnehmerinnen gehaltenen Sicherheiten verwertbar werden. Für eine bestmögliche Verwertung der Immobilien der Darlehensnehmerinnen, an denen Sicherungsrechte bestehen, wird sich der Sicherheitentreuhänder gemeinsam mit Exporo und mit entsprechendem Rechtsbeistand gegenüber den Insolvenzverwaltern im Interesse der Anleger einsetzen. Insoweit erfolgt schon jetzt eine enge Abstimmung mit den beiden vorläufigen Insolvenzverwaltern, auch hier sind jedoch zunächst die weiteren Erkenntnisse abzuwarten.

Wie haben die betroffenen Anleger auf die Nachricht reagiert?

Brunke: Die Reaktionen der Anleger waren in der Tat unterschiedlich. Viele spiegeln uns wieder, dass eine solche Situation zum einkalkulierten Risiko gehört und zwar unerfreulich aber letztlich nicht gänzlich unerwartet ist. Natürlich waren auch einige der Investoren zunächst besorgt. Genau wie wir auch möchten aber alle Anleger verstehen, welche Gründe letztendlich zur Schieflage der Projekte geführt haben. Hierzu sind wir, wie bereits dargestellt, in intensivem Kontakt mit beiden vorläufigen Insolvenzverwaltern und haben uns den entsprechenden Rechtsbeistand geholt. Selbstverständlich werden wir die Interessen der Anleger bestmöglich vertreten und sie jederzeit umgehend über unseren aktuellen Kenntnisstand informieren. Für den schnellen Einsatz und unsere transparente Kommunikation haben wir auch viel positives Feedback erhalten.

Nächste Seite: So reagieren die Vertriebspartner

Weiter lesen: 1 2 3 4

Ihre Meinung



 

Versicherungen

Zurich sponsort E-Sports-Team

Die Zurich Gruppe Deutschland geht im Sport-Sponsoring neue Wege: Der offizielle Partner und Versicherer der Deutschen Olympiamannschaft wird künftig auch als Premium Partner des Teams Fokus Clan in das Thema E-Sport einsteigen.

mehr ...

Immobilien

Hypoport verkauft eigene Aktien: Künftige Übernahmen im Visier

Der Finanzdienstleister Hypoport hat für künftige Übernahmen eigene Aktien verkauft. Warum und an wen.

mehr ...

Investmentfonds

BDI: Unsicherheiten nach Brexit nicht vorbei

Nach Einschätzung des Industrieverbands BDI ist das Risiko eines No-Deal-Brexit noch immer groß. Großbritannien ist künftig ein wirtschaftlicher Konkurrent außerhalb des Binnenmarktes. Für Unternehmen gebe es weiterhin «immense Unsicherheit».

mehr ...

Berater

„Der Spotify-Moment für die Finanzbranche kommt mit der Blockchain“

„Die Fintech-Revolution ist ausgeblieben“: Gemäß einer aktuellen Analyse von Hartmut Giesen, zuständig für digitale Geschäftsmodelle bei der Hamburger Sutor Bank, sorgen Fintech-Entwicklungen für eine kontinuierliche Transformation, die jedoch klare Grenzen hat. Das werde sich mit dem Auftreten der Kryptotechs ändern.

mehr ...

Sachwertanlagen

Solvium: Gutachter bestätigt Rendite-Zwischenstand über Plan

Die Rendite der ersten Investitionen in Höhe von sechs Millionen Euro für das aktuelle Angebot Logistik Opportunitäten Nr. 1 von Solvium Capital liegt deutlich über der Zielmarke. Das bescheinige die aktuelle „nachgelagerte Investitionsbeurteilung“ einer Prüfungsgesellschaft. Die Platzierung der Vermögensanlage schreitet derweil voran.

mehr ...

Recht

Neue FinVermV: Die To-do’s im Überblick

Die neue FinVermV kommt. Sie wird ab dem 1. August 2020 gelten. Was Finanzanlagenvermittler bis dahin noch anpassen und im Arbeitsablauf verändern sollten, finden Sie hier kompakt im Überblick. Da die FinVermV-neu kommen, die Aufsicht aber wohl zum Anfang nächsten Jahres auf die BaFin übergehen wird, gibt es einen kurzen Ausblick auf die geplanten Stichtage zur Überleitung der Aufsicht auf die BaFin – auf der Grundlage des aktuell viel diskutierten BMF-Referentenentwurfs vom 17. Dezember 2019.

mehr ...