„Als wäre nie etwas gewesen“

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Unklar ist, wie hart die zweite Welle die Branche treffen wird.

Die Maklerpools scheinen bisher relativ gut durch die Coronakrise zu kommen. Für Entwarnung ist es aber noch zu früh.

Es sind beeindruckende Zahlen, die die deutsche Maklerpool-Branche für das Geschäftsjahr 2019 gemeldet hat: 91 Prozent der Unternehmen konnten ihre Provisionserlöse steigern, nur zwei Häuser mussten rückläufige Zahlen hinnehmen, wie die diesjährige Cash. Hitliste der Maklerpools zeigt.

Doch das war vor Corona. Seit dem weltweiten Ausbruch der Pandemie Anfang 2020 hat auch die Finanzdienstleistungsbranche mit veränderten Rahmenbedingungen zu kämpfen. Die bange Frage lautet: Wie reagieren die Kunden auf die Coronakrise? Kommt die große Stornowelle? Bleiben Neuabschlüsse aus?

Viele Makler blicken mit gedämpften Erwartungen in die Zukunft: Der AfW Bundesverband Finanzdienstleistung hat im Sommer eine zweite „Corona-Umfrage“ durchgeführt, an der 461 Vermittler teilgenommen haben. Demnach erwarten sie coronabedingt im Schnitt einen Rückgang ihres Provisionsumsatzes um 14 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Keine guten Aussichten.

Die Maklerpools aber scheinen bisher relativ gut durch die Krise zu kommen – diesen Eindruck vermittelten jedenfalls die Führungskräfte fünf deutscher Pools bei einer Round-Table-Diskussion im September in der Hamburger Cash.-Redaktion. Oliver Pradetto, Geschäftsführer von Blau Direkt, bestätigt dies nun auch für sein Unternehmen. „Es gab ein eingebremstes Wachstum von Mitte März bis Mitte Mai. Danach lief alles so, als wäre nie etwas gewesen, mit drastischen Steigerungen gegenüber dem Vorjahr“, so Pradetto im Cash.-Interview.

Die pessimistischen Erwartungen aus der AfW-Umfrage spiegeln sich laut Pradetto bisher nicht in den Umsätzen der angebundenen Makler wieder: „Unsere Partner haben ihren Umsatz um etwa 20 Prozent im Vergleich zum Vorjahr steigern können.“ Dennoch: Für Entwarnung ist es noch zu früh. Die Krise ist noch nicht überwunden, wie die auch in Deutschland wieder deutlich steigenden Infektionszahlen zeigen. Wie sich die zweite Corona-Welle auf die Branche und ihre Umsätze auswirken wird, mag momentan wohl niemand seriös vorauszusagen.

Schon vor Corona war die seit Jahren erwartete Konsolidierung der Maklerpool-Branche dabei, langsam Fahrt aufzunehmen – der steigende Kostendruck und die zunehmende Regulierung machen sich immer deutlicher bemerkbar. Und so kündigte Blau Direkt im Februar an, in einer „umfassenden organisatorischen Fusion“ die Kräfte mit der Wifo GmbH aus Rheinstetten bündeln zu wollen. Man sehe die Zusammenarbeit als Einladung an weitere Pools und Vertriebe, sich mit einer Kooperation auf unabhängiger Basis auseinanderzusetzen, teilten Blau Direkt und Wifo damals in einer Presseerklärung mit. Mittlerweile haben sich sechs Pools in der sogenannten „Pool-EU“ zusammengetan. Das Ergebnis sei eine beschleunigte Entwicklung, verteilte Kosten und mehr Freiheit für die angeschlossenen Maklerpartner, betont Pradetto. „Ich sage voraus, dass die ‚Pool-EU‘ wachsen wird.“ Ob die wirtschaftlichen Folgen der Coronakrise die Konsolidierung noch weiter beschleunigen werden, bleibt abzuwarten.

Bei Blau Direkt jedenfalls blickt man zuversichtlich in die Zukunft – aller widrigen Umstände zum Trotz. 2021 soll mit Investments für die Partner durchgestartet werden, kündigt Pradetto an. Was passieren muss, damit er Ende Dezember trotz Corona zufrieden auf das Jahr 2020 zurückblicken kann? „Beruflich blicke ich zufrieden zurück“, stellt Pradetto fest. Und sonst? „Ich würde gern mal wieder tanzen gehen.“

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