Analog-Pools droht das Aussterben

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Seit Beginn der Coronakrise setzen immer mehr Makler und Kunden auf digitale statt auf analoge Prozesse.

Noch ist unklar, wie sich die Coronakrise mittel- bis langfristig auf die Konsolidierung der Maklerpool-Branche auswirken wird. Doch für die analogen Pools alter Prägung könnte es schwer werden.

Wohin man dieser Tage auch hört in der Finanzdienstleistungsbranche, das Fazit der ersten zwölf „Corona-Monate“ fällt fast überall gleich aus: Die düsteren Prognosen aus dem Frühjahr 2020 haben sich bisher nicht bewahrheitet, es gab keinen drastischen Einbruch des Neugeschäfts, keine große Stornowelle. Meist ist nur von einer „kleinen Delle“ im März, April und Mai die Rede. So auch beim Lübecker Maklerpool Blau Direkt. „Es gab ein eingebremstes Wachstum von Mitte März bis Mitte Mai. Danach lief alles so, als wäre nie etwas gewesen, mit drastischen Steigerungen gegenüber dem Vorjahr“, erklärte Geschäftsführer Oliver Pradetto Ende letzten Jahres. Bei anderen Maklerpools stellt sich die Situation ganz ähnlich dar.

Blau Direkt treibt seit dem vergangenen Jahr allerdings nicht nur die Bewältigung der Coronakrise um, sondern auch der Aufbau eines neuen Geschäftsbereichs. Der bislang auf Versicherungen spezialisierte Maklerpool ist dabei, den Bereich Investment und Investmentvertrieb aufzubauen. Dafür wurde im Sommer mit Oliver Lang ein weiterer Geschäftsführer verpflichtet, der zuvor bereits für die Konkurrenten BCA und Jung, DMS & Cie. tätig war. „Blau Direkt hat schon lange das Ziel, seinen Vermittlern die wichtigsten Produktsparten, also Versicherung und Investmentfonds, aus einer Hand anzubieten. Mit einem vollumfänglichen Rund-um-Paket möchten wir unsere Partner in ihrer täglichen Arbeit noch mehr unterstützen und entlasten“, erläutert Lang die Pläne des Unternehmens. In der Vergangenheit sei Blau Direkt jährlich mit über 40 Prozent im Versicherungsbereich gewachsen, weshalb zunächst die Technologie für Versicherungsvermittler weiter ausgebaut worden sei. Hier habe man sich inzwischen einen solchen Vorsprung erarbeitet, dass jetzt die Kapazitäten für den Investmentbereich vorhanden seien, so Lang.

Beim Aufbau des Fondsgeschäfts stand Blau Direkt zunächst vor der „Gretchenfrage“ vieler Pool-Dienstleister: „Buy or build?“ Das Unternehmen entschied sich dafür, eine bereits bestehende Software-Lösung für das Investment-System zu nutzen und kooperiert deshalb seit kurzem mit dem Maklerpool Fondsnet. „Warum kostbare Entwicklungszeit in etwas stecken, das bereits von anderen Anbietern teilweise sehr erfolgreich umgesetzt wurde? Wir haben uns sehr intensiv mit allen am Markt verfügbaren Investment-Software-Lösungen beschäftigt. Dabei hat sich die Spreu vom Weizen getrennt und nur die Softwarelösung von Fondsnet konnte überzeugen. Diese haben wir in den letzten drei Monaten implementiert und übertragen seit Jahresanfang die ersten Bestände“, berichtet Lang. Grundsätzlich müsse immer abgewogen werden, ob es sinnvoller ist, viel Zeit und Geld und die eigenen Entwickler einzusetzen, oder bereits fertig entwickelte Produkte für sein Vorhaben zu nutzen.

Auch wenn viele Maklerpools bisher relativ unbeschadet durch die Coronakrise gekommen sind, bleibt abzuwarten, wie sich die Krise mittel- bis langfristig auf die Konsolidierung der Branche auswirken wird, die vor Beginn der Pandemie dabei war, langsam Fahrt aufzunehmen. Lang hat bereits klare Vorstellungen davon, wie sich der Markt in Zukunft entwickeln wird: „Marktteilnehmer, die ohnehin schon schwächeln, bekommen noch mehr Gegenwind und diejenigen, die sich mit marktführender Technologie am Markt positionieren können, werden zu den Gewinnern zählen.“ Er erwartet, dass die analogen Maklerpools alter Prägung aussterben werden. „Die Endkunden und modernen erfolgreichen Vermittler, Banken und Belegschaftsmakler verlangen heute innovative, effiziente und absolut digitale Prozesse“, sagt er. Deshalb gelte: „Wer heute jung, digital und wild sein möchte, muss Infrastrukturdienstleister mit marktführender Technologie sein.“ Blau Direkt zählt sich ganz offensichtlich dazu.

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