Energiefragen und China bringen Bitcoin & Co. in schweres Fahrwasser

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Der Markt für Krypto-Assets hat eine turbulente Woche hinter sich: ein Artikel der Presseagentur Reuters über ein vermeintliches Krypto-Verbot durch chinesische Finanzinstitute, doch auch wachsende Umweltbedenken bezüglich des von Bitcoin verwendeten Proof-of-Work-Mining-Mechanismus führten zu Verunsicherung der Investoren.

Die Kontroverse rund um Proof-of-Work-Mining wurde insbesondere durch Tweets des Tesla-Gründers und Verfechters digitaler Assets, Elon Musk, ins Rampenlicht gerückt.

Krypto-Handel in China geht weiter?

Befürchtungen, wonach China seinen Banken den Krypto-Handel verbiete, stellten sich schnell als verfrüht heraus: lediglich drei Verbände ohne regulatorische Befugnisse, die China Internet Finance Association, die China Banking Association und die China Payment and Clearing Association, riefen ihre Mitglieder in einer gemeinsamen Erklärung dazu auf, keine kryptobezogenen Dienstleistungen mehr anzubieten, und nicht mehr mit Krypto-Unternehmen zusammenzuarbeiten.

Eine Entscheidung, die mit einem landesweiten Verbot nichts zu tun hat, und die Einstellung der Regierung nicht widerspiegelt: erst vor einem Monat, am 18. April, nannte Li Bo, der stellvertretende Gouverneur der chinesischen Zentralbank, Bitcoin eine mit Gold vergleichbare Investitionsalternative, und keine bedrohliche Währung.

Ökologisches Problem wird dringlicher

Während die Meldung von Reuters nur für kurzfristige Besorgnis gesorgt haben dürfte, handelt es sich beim Thema der ökologischen Auswirkungen von Kryptoassets um ein schon länger bekanntes und nach wie vor dringliches Problem. Es gibt eine Reihe von Bemühungen, die Auswirkungen durch technische Mittel zu reduzieren, wie z.B. den Umstieg auf die Verwendung von „Proof of Stake“ – der bei Ethereum bereits erfolgte – oder die zunehmende Nutzung von erneuerbaren Energien, die bei Bitcoin bereits über 70 Prozent des Energiemixes ausmachen dürften

ESG-Fokus wird immer wichtiger

Es ist wahrscheinlich, dass ESG (Environmental, social and governance) ein immer wichtigerer Bestandteil von Kryptoasset-Investitionen werden wird, ähnlich wie bei Investitionen in der traditionellen Finanzwelt. Dort können wir dieses Muster zum Beispiel bei Hedge-Fonds-Giganten wie Millennium, Matrix und Point72, die im Bereich der dezentralen Finanzen (DeFi) einsteigen, beobachten.

Die Situation ist jedoch auch eine Chance – sowohl für die Bitcoin-Infrastruktur, die auf ausschließlich erneuerbare Mittel umsteigen könnten, als auch für Innovationen rund um alternative Wege zur Erleichterung dezentraler Finanzen – mit Ethereums bevorstehendem „ETH 2.0“-Produkt als Wegbereiter an dieser Front.

Die grundsätzliche Akzeptanz von Ethereum ist real, wie die Zahlen eindrucksvoll unter Beweis stellen: das Transaktionsvolumen im Ethereum-Netzwerk wuchs im Vergleich zum Vorjahr um 2.000 Prozent, und die Investitionen in dezentrale Finanzanwendungen stiegen um ganze 7.000 Prozent.

Baldige Fortschritte im Bereich ESG?

Wir gehen davon aus, dass sich dieser Trend mit dem kommenden Wechsel zu Proof of Stake und aufkommenden Lösungen zur Senkung von Überlastungen und hohen Transactions-Gebühren, den sogenannten „Gas Fees“ im Ethereum-Netzwerk, fortsetzen wird. Darüber hinaus wird die Bitcoin-Gemeinschaft aller Wahrscheinlichkeit nach baldige Fortschritte im Bereich ESG machen – einerseits aufgrund des Marktdrucks, andererseits aufgrund möglicher regulatorischer Einflüsse.

Die Autoren Eliézer Ndinga und Lanre Ige sind Research Associates bei 21Shares.

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