Das erschütterte Vertrauen in Gold

Goldbarren
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Als die Covid-19-Pandemie ausbrach und die Aktienmärkte im ersten Quartal des Jahres 2020 abstürzten, sagten viele Experten voraus, dass die wahrscheinliche bevorstehende Rezession zu einer Explosion des Goldpreises führen würde. Sie stützten ihre Annahmen auf historische Erfahrungen: Oftmals sinken in Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheit oder fallender Märkte die Aktienkurse und Gold wird stärker nachgefragt. Doch die Entwicklung war eine andere. Ein Marktkommentar von Tobias Stöhr, Sales Executive bei Spectrum Markets

Die Erholung der Finanzmärkte in den vergangenen Monaten hat sich nicht an der Realwirtschaft orientiert, stattdessen spiegelte der Goldpreis die Realität wider. Während unzählige Unternehmen Konkurs anmeldeten und Millionen von Jobs verloren gingen, war Gold plötzlich gefragt. Die beliebteste Anlage in Krisenzeiten stieg zwischen März und Anfang August 2020 von unter 1.500 US-Dollar pro Unze auf mehr als 2.000 US-Dollar pro Unze.

Tobias Stöhr, Spectrum Markets

Offenbar trauten die Anleger in dieser frühen Phase der Pandemie dem ungewöhnlich starken Aufschwung von Aktien und anderen Anlageklassen nicht. Sie wollten diversifizieren und zumindest Teile ihres Geldes in einem „sicheren Hafen“ investieren.

Fortsetzung der Goldpreisrallye?

Folglich erwarteten viele Experten angesichts der wirtschaftlichen Notlage, dass sich die Goldpreisrally bis auf 2.500 US-Dollar pro Unze und darüber hinaus fortsetzen würde. Doch stattdessen rutschte der Goldpreis von seinem Augusthoch und lag zuletzt nur noch bei 1.837 US-Dollar pro Unze (Stand 11. Februar 2021).

Offensichtlich haben Investoren ihre Erwartungen geändert und gehen nun davon aus, dass die Erholung der Aktienmärkte anhält, so dass viele es vorziehen, aus Gold umzuschichten und ihr Kapital in Aktien oder anderen Anlageklassen zu investieren. Die Nachrichten über mögliche Impfstoffe im November 2020 lösten eine weitere Goldverkaufswelle aus, da sie die Hoffnung auf eine Rückkehr zur Normalität im Laufe des Jahres 2021 weckten.

Kontrapunkt Erfolgreiche Kryptowährungen?

Einige Strategen sagen bereits einen Wirtschafsboom voraus, sowie weitere Aktienmarktgewinne im Zuge der sich erholenden Unternehmen und des Handels. Ein weiterer Dämpfer für Goldenthusiasten war das Wiederaufleben der Kryptowährungen: Nach einer mehrjährigen Baisse verzeichneten Bitcoin und eine Reihe von Altcoins im Herbst deutliche Kursgewinne, die Prognosen sind seitdem positiv. Bitcoin wird deshalb oft als das neue Gold bezeichnet.

Zusätzlich erhöhen Konjunkturpakete verschiedener Regierungen den Druck auf den Goldpreis. Daher ist es nicht verwunderlich, dass das Vertrauen in Gold erschüttert ist. Eine Möglichkeit für Trader ist hier sicherlich mit gehebelten Produkten in beide Richtungen einer schwankenden Entwicklung beim Goldkurs zu profitieren.

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