Nachhaltige Geldanlagen: Wo bleibt die qualifizierte Beratung?

Das heißt zum einen, dass Anleger in Unternehmen investieren, die bewusster und sorgfältiger mit Ressourcen wirtschaften. Dort werden ökologische und soziale Standards umgesetzt, beispielsweise im Umwelt- und Klimaschutz, aber auch in den Arbeitnehmerrechten. Zum anderen werden Investitionen vermieden, die im Widerspruch zur eigenen ökologischen und ethischen Auffassung des Anlegers stehen.

Beratung oft nur auf Nachfrage

Die Bezeichnungen für diese Form von Kapitalanlage sind vielfältig und reichen von „grünes Geld“ über „ethisches Investment“ bis hin englischen Begriffen wie „Socially Responsible Investment (SRI)“ oder „Sustainable Investments“. Praktisch alle gängigen Finanzprodukte stehen zur Verfügung. Das sind nicht nur Aktien, Anleihen, Fonds oder Beteiligungen, auch eine Altersvorsorge kann heute mit „grünen“ Produkten abgeschlossen werden.

Dem letzten „Marktbericht Nachhaltige Geldanlagen 2010“ des FNG zufolge ist das Volumen entsprechender Anlagen in Deutschland bereits in 2009 im Vergleich zum Vorjahr um 68 Prozent auf knapp 13 Milliarden Euro gestiegen. Bei einem Gesamtvolumen der in Deutschland verwalteten Assets in Höhe von etwas mehr als 1,7 Billionen Euro beträgt der Anteil nachhaltiger Investments 2009 allerdings noch immer nur knapp 0,8 Prozent.

Trotzdem wächst die Bedeutung nachhaltiger Investments mit Ausnahme des Krisenjahres 2008 seit 2005 kontinuierlich. Treiber des Wachstums nachhaltiger Anlagepolitik sind lange Zeit die institutionellen Investoren gewesen. Doch die Zahl der Privatanleger steigt. 2009 lag ihr Marktanteil bei 45 Prozent, zwei Jahre zuvor waren es noch 37 Prozent.

Trotz der positiven Tendenz sind grüne Anlagen ein Thema, zu dem vom Finanzvertrieb häufig nur auf Nachfrage beraten wird. Eine Umfrage der Forschungs- und Dialogplattform „Finanz-Forum Klimawandel“ der Bundesregierung aus dem Jahr 2010 zeigt, dass fast zwei Drittel der rund 500 befragten Fondsanleger zwar schon von nachhaltigen Finanzprodukten gehört haben, aber nur 14 Prozent finden, dass ihre Berater sie über diese Produkte gut informieren.

Zu ähnlichen Ergebnissen kommt eine Studie der DZ Bank, die Ende 2009 rund 1.000 anlage-affine Personen befragt hat. Danach zeigte sich rund die Hälfte der Anleger an ökologischen Investments zwar interessiert, hat aber aus Mangel an Information und Angebot noch nicht darin investiert. 80 Prozent davon sagten, ihre Bank habe ihnen bislang kein solches Anlageprodukt angeboten.

Drei Viertel fühlen sich darüber hinaus generell zu wenig über diese Anlagemöglichkeiten informiert, und für knapp zwei Drittel sind sie zu intransparent. Rund die Hälfte bemängelt zudem, die Produkte seien zu kompliziert. Und das nicht ohne Grund.

Seite 3: Wie zu nachhaltigen Geldanlagen beraten wird

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